Kriminelle Karriere? Immer wieder Stern-Center, immer wieder Konsolenspiele

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Symbolbild

Lüdenscheid - Die Staatsanwaltschaft hat eine 38-Jährige wegen wiederholten Ladendiebstahls anzeigt. Doch der Prozess wird vertagt. Die Klageschrift wurde noch nicht in die Muttersprache der Frau übersetzt.

Rund 8500 Kilometer entfernt von Zuhause, wo ihr Mann und ihre drei Kinder leben, das sind knapp 14 Flugstunden weg von Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, hier besser bekannt als Ulan Bator – so sitzt die klein gewachsene 38-Jährige nun im Gelsenkirchener Frauengefängnis. 

Sie soll in großem Stil Ladendiebstähle begangen haben. Eine Justizwachtmeisterin bringt die Angeklagte in Handschellen in den Gerichtssaal. 

Oberamtsanwalt Markus Desecar fasst zusammen: Im Drogeriemarkt Müller im Stern-Center hat die Frau am 30. August demnach 14 Konsolenspiele im Gesamtwert von 859,86 Euro geklaut. Am 14. November tauchte sie in demselben Geschäft auf und erbeutete erneut Konsolenspiele, diesmal für 524,91 Euro. 

Als sie eine Woche später zum Tatort zurückkam und sich verdächtig lange in der Spielwarenabteilung herumtrieb, bekam sie es mit den Ladendetektiven zu tun, legte den mit Aluminiumfolie präparierten „Klaubeutel“ ab und wollte stiften gehen – wurde aber geschnappt. 

Ihre Chancen, bald wieder in Freiheit zu kommen, sind denkbar mickrig. Die schweigsame Frau gilt als einschlägig vorbestraft und stand während der letzten drei Taten unter laufender Bewährung. Außerdem ist sie in Deutschland ohne festen Wohnsitz, was einen weiteren Grund gegen eine schnelle Haftentlassung darstellen dürfte. 

Die Frage des Richters, wo sie denn aktuell lebe, beantwortet die Frau mit „Belgien, Antwerpen“. Die Dolmetscherin übersetzt Desecars Vortrag im Gerichtssaal mündlich und fast flüsternd ins Mongolische, doch Strafverteidiger Dirk Löber ist nicht zufrieden. 

„Angesichts der fehlenden schriftlichen Übersetzung der Anklageschrift wird den Vorschriften der Strafprozessordnung nicht Genüge getan.“ Strafrichter Thomas Kabus hat ein Einsehen. „Im Hinblick darauf, dass das Gericht die europarechtlichen Vorschriften und die Menschenrechtskonvention beachtet, wird die Hauptverhandlung vertagt.“ 

Neuer Termin von Amts wegen. Die Angeklagte schaut traurig drein. Die Justizwachtmeisterin legt ihr die Handschellen an und bringt sie zurück in die Zelle. 

Ob die Familie der Gefangenen weiß, wie es um sie bestellt ist, bleibt unklar. Die Übersetzung der Klageschrift ist in Arbeit.

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