Norbert Horst und die Lüdenscheider Blutopfer

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Norbert Horst las am Abend im Theater der Sparkasse seinen Beitrag zu „Mord am Hellweg“. -

LÜDENSCHEID - Irgendwie hatte es was von einer Reizwortgeschichte. Man nimmt drei, vier oder auch noch mehr Ortsbezeichnungen und konstruiert drumherum einen Krimi – „Lüdenscheider Blutopfer“ halt, die allerdings auch Bergkamener, Soester, Holzwickeder oder solche aus Ahlen hätten sein können. „Es war schwierig“, gab der Krimiautor Norbert Horst am Abend im Theater der Sparkasse unumwunden zu.

Seine in der frisch erschienenen Anthologie „Kalendarium des Todes – Mord am Hellweg IV“ abgedruckte Kurzgeschichte wurde zugelost. Erschwerniszulage für alle beteiligten Autoren in diesem Jahr: Die Geschichte musste nicht nur eine Leiche enthalten, sondern war an einen Feiertag gebunden. Für den Bielefelder Polizeibeamten, der im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt ist und mit seiner Familie in Ostwestfalen lebt, war's der Ramadan und das türkische Zuckerfest, um das sich seine Geschichte ranken musste. Eigens dafür kam er im Frühjahr nach Lüdenscheid und recherchierte. Am Ende verneigte er sich mit Worten vor den großen Detektiven der (Bücher)Weltgeschichte, Philip Marlowe und Sam Spade, und konstruierte das Dasein eines privaten Ermittlers in den Rosengarten. Von dort aus hatte „ich“ die Aufgabe, den vermeintlichen Tod einer jungen Türkin aufzuklären, die zum Zuckerfest an der Kluse verschwunden war.

Im ersten Teil seiner Lesung stellte Horst sein neues Buch „Splitter im Auge“ vor und eröffnete mit seiner Lesung den Reigen der Veranstaltungen zum Krimifestival in Lüdenscheid, wischte die technischen Schwierigkeiten im Handstreich weg und sprach halt ohne Mikrophon etwas lauter. Sein Protagonist: Thomas Adam, Ermittler eines Einsatztrupps in Dortmund. Immer wieder erlaubte der Autor amüsante Einblicke in die Polizeiarbeit, die lange Jahre sein Leben bestimmte. Auch Vergleiche mit der Arbeit der Tatort-Kommissare Ballauf und Schenk waren Thema, wenngleich auch „vieles Quatsch ist. Aber ich kuck das gerne, wenn das spannend gemacht ist.“ Geschichte aus dem Polizeialltag lockerten die Lesung auf, „vor allem, wenn sich Tragik und Komik die Hand reichen“. Zum Beispiel jene, bei der den Ermittlern der Leichensack samt Inhalt aus den Händen rutschte, die Treppe hinunter und an die nächste Wohnungstür polterte und auf der anderen Seite der Tür jemand „Herein“ rief.

Der zweite Teil stand im Zeichen der Lüdenscheider Blutopfer. Und was aus der jungen Türkin geworden ist, kann man ab sofort in der Anthologie selbst nachlesen. Sie ist im Buchhandel zu haben.

Ab Freitag, 2. Oktober, (19 Uhr) und danach noch einmal am 26. und 27. Oktober folgt die nächste Gruseltat im Rahmen von „Mord am Hellweg“ – das Blind Crime Date. 2012 erwartet den mutigen Besucher die dritte Auflage des Crime Specials im Kleinen Prinzen, das wegen des Erfolges wieder ins Programm aufgenommen wurde. Wer allerdings Angst vor Dunkelheit hat, sollte diesen Ort meiden. Hörspielmacher, Mystery- und Krimiautor Raimon Weber übernimmt beim Essen in der Finsternis wieder die Moderation. Ein Krimiautor oder auch eine Crime Lady werden zur Lesung eingeladen. Wer die Stimme aus dem Off sein wird, ist nicht bekannt und wird vorab auch nicht verraten.

Wer also sehen muss, was er isst, Angst vor Schlangen hat oder nicht gern Gegenstände berührt, die er nicht sehen kann, sollte diese Termine nicht buchen. Der Kreis der Abendesser umfasst rund 30 Personen. Wer dabei sei will, sollte sich sputen. Die Karten sind schnell vergriffen. Zu haben sind sie übrigens nur in der Stadtbücherei und bei der VHS Lüdenscheid. Inklusive Sektempfang kostet die Teilnahme 34,90 Euro. - rudi

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