Kreisarchiv sucht näch Lüdenscheider Exponaten

Fotos sollen zeigen, wie Kinder und Jugendliche manipuliert werden

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So warb die Hitlerjugend für die Kinderlandverschickung aus den von Bomben bedrohten Städten. Das Kreisarchiv sucht in Lüdenscheid nach Exponaten für eine Ausstellung in Altena.

Lüdenscheid – „Die Resonanz ist bislang aus Lüdenscheid gut“, freut sich Kreisarchivar Ulrich Biroth mit Blick auf eine Ausstellung, die sich mit der Kindheit und Jugend im Dritten Reich mit Blick auf den Märkischen Kreis auseinandersetzt.

Dazu gehört, sagt Biroth, auch die Zeitspanne vor 1933 und auf ein paar Jahre nach Kriegsende: „Was uns wichtig ist, ist zu zeigen: Wie schnell gerät man als Kind oder Jugendlicher da rein? Die Beeinflussung durch die Eltern, der Alltag der Kinder, Hunger, das Verschwinden des Nachbarn, die Grundschule, Luftwaffenhelfer, die Kinderlandverschickung, die Wehrmacht, die Hitlerjugend oder, dass plötzlich die jüdischen Nachbarn weg sind.“

Gesucht wird Spielzeug aus jenen Jahren ebenso wie Bücher. Vor allem bei diesen sei die Raffinesse der Nazis nachvollziehbar. Die Schulbücher hätten sich verändert, so Biroth. Auch Kameras oder Gegenstände aus dem alltäglichen Leben sollen die Ausstellung lebendig machen, Puppen, Jugendbücher, Zeitschriften, Militärspielzeug, HJ-Abzeichen oder BDM-Knöpfe. Die Schau soll aufzeigen, wie Kinder und Jugendliche im Sinne des Regimes manipuliert wurden.

Der Vorlauf ist lang, aber Ausstellungen dieser Art sind mit jeder Menge Arbeit verbunden. Bereits seit dem vergangenen Jahr ist das Kreisarchiv auf der Suche nach Exponaten. Biroth: „Manche Leute schenken uns das einfach, andere geben uns das als Leihgabe. Und manchmal fahr ich da auch hin, mess das aus und hol es gegebenenfalls ab. Die Leute sind inzwischen zeitlich weit genug weg von den Jahren, dass sie sich davon trennen.“

Die Ausstellung zum Thema „Jugend im Dritten Reich“ ist für Mai 2021 in Altena geplant. Das Kreisarchiv hofft auch darauf, dass es in den Familien-Archiven auch noch Abzeichen des Winterhilfswerks gibt. Das 1936 gegründete Winterhilfswerk des Deutschen Volkes sammelte in der Zeit des Nationalsozialismus Sach- und Geldspenden für Bedürftige.

Aber auch Plakate, Flugblätter und Abzeichen sind gefragt. Schmunzelnd verweist der Kreisarchivar dabei auf eine Plakette des 1. Sportfestes der Standarte R 131 Lüdenscheid, graviert mit dem Datum „27. u. 28. Juli 1985“ der Lüdenscheiderin Charlotte Müller. Richtig wäre 1935 statt 1985 gewesen. Ob in Schule, Familie oder Freizeit: Die Jugendlichen sollten zu Regime-Treuen erzogen und auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet werden. Viele wurden Flakhelfer oder landeten an der Front.

Im Übrigen sei es keinesfalls so gewesen, dass das Dritte Reich erst mit einem Stichtag 1933 plötzlich Wirklichkeit wurde. „Es gab bereits ab 1919 Hakenkreuze in Lüdenscheid im Zuge der völkischen Bewegung zu kaufen“, hat Ulrich Biroth recherchiert. Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski und ihre Mitarbeiter freuen sich über jede Unterstützung. Wer etwas zur Ausstellung beitragen kann, darf sich gern telefonisch bei Ulrich Biroth unter 02352/966-7059 oder per E-Mail kreisarchiv@maerkischer-kreis.de melden.

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