Jetzt geht es vor Gericht

Kranke Frau in eigener Wohnung gefangen - weil Nachbarn den Rollstuhl wegschieben

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Weiter als bis zur Wohnungstür ist Malgorzata Lendel seit dem 8. April nicht gekommen.

Lüdenscheid - Das Nachbarschaftsverhältnisse nicht immer harmonisch sind, zeigt der Fall von Malgorzata Lendel. Jetzt geht sie sogar vor Gericht. Ihre Geschichte lesen Sie hier:

Malgorzata Lendel leidet an Multipler Sklerose. Dadurch ist sie auf ihren Rollstuhl angewiesen, wenn sie das Haus verlassen will. „Besonders wenn es heiß ist, streiken meine Beine“, sagt sie. Die 58-Jährige wohnt zusammen mit ihrem neun Jahre alten Hund Sori in einer Eigentumswohnung am Oenneking. Seit dem 8. April hat sie diese nach eigener Aussage nicht mehr verlassen. 

Der Grund: Im Januar dieses Jahres ließ Lendel einen Treppenlift in dem Mehrparteienhaus einbauen, um dadurch den für sie so schweren Weg aus dem Haus meistern zu können. Für die Genehmigung des Einbaus fand bereits am 21. März 2019 eine Eigentümerversammlung statt, in der einstimmig beschlossen wurde, dass der Treppenlift installiert werden darf. Die Kosten von rund 16.000 Euro trug Lendel selbst und sicherte zu, im Falle eines Auszugs auch den Rückbau des Treppenlifts komplett aus eigener Tasche zu zahlen. 

Kranke Frau in Wohnung gefangen: Rollstuhl steht immer wieder im Abstellraum

Seit Anfang des Jahres gibt es allerdings ein großes Problem, das nun sogar zum Streitpunkt vor Gericht wird. Denn Anwohner stellen ihren Rollstuhl immer wieder in einen Abstellraum. Aufgrund ihres Krankheitsverlaufs – kurz nach Ostern erlitt Lendel einen weiteren Schub – ist es ihr nicht möglich, diesen Raum zu erreichen. Welche Anwohner das sind, weiß Malgorzata Lendel nicht. 

Gleiches gilt auch für den Hausververwalter Peter Schuppert von der WVG Wohnungsverwaltung: „Ich kann da nur neutral bleiben.“ Auf die Frage, ob er Verständnis für die Anwohner habe, die den Rollstuhl immer wieder in den Abstellraum stellen würden, antwortete Schuppert mit einem klaren „Nein“ und hat eine Vermutung: „Das scheint eine Privatfehde zu sein. Ich bin allerdings nur der Handlanger der Eigentümergemeinschaft und muss alle Meinungen vertreten.“ 

In einer ärztlichen Bescheinigung heißt es: „Aus ärztlicher Sicht sollte die schwerbehinderte Patientin Verständnis und Unterstützung seitens der Nachbarschaft erfahren und nicht Mobbingangriffen ausgesetzt werden.“ Dass Malgorzata Lendel verzweifelt ist und unter der Situation leidet, bringt sie klar zum Ausdruck: „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich bin nervlich am Ende“, sagt Lendel, die nach 1986 Deutschland kam. „Eigentlich wollte ich in die USA. Der Liebe wegen bin ich in Deutschland hängen geblieben“, sagt sie und lächelt. 

Kranke Frau in Wohnung gefangen: "Nervlich am Ende"

Das Lächeln weicht jedoch schnell den Tränen, wenn sie über ihre Situation spricht: „Hätte ich eine andere Wohnung gefunden, wäre ich längst ausgezogen. Von mir aus kann ich auch im Wald wohnen. Aber ich komme ja nicht aus dem Haus.“

Der installierte Treppenlift ist derzeit nutzlos.

Doch nicht nur um sich selbst mache sie sich Sorgen. „Wenn das so weitergeht, muss ich meinen Hund abgeben. Das wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte.“ Dass der Hund, den sie liebevoll ihr „Schätzchen“ nennt, nicht nur zur moralischen Unterstützung dient, erklärt Lendel auch: „Sori kann mir zum Beispiel die Socken ausziehen oder das Licht an- und ausschalten.“ 

Jetzt geht es vor Gericht

Mittlerweile hat Malgorzata Lendel den Rechtsanwalt Torsten Sonneborn eingeschaltet, der am vergangenen Montag eine Klage und den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt hat. Mit dieser einstweiligen Verfügung will er erwirken, dass seine Mandantin ihren Rollstuhl neben der Treppe und in unmittelbarer Nähe des Treppenlifts abstellen darf, um so das Haus verlassen zu können. „Offensichtlich sind nicht alle damit einverstanden, dass dieser Rollstuhl neben der Treppe steht“, sagt Sonneborn, der mit einem richterlichen Urteil über die Vorgehensweise im Zuge der einstweiligen Verfügung noch in dieser Woche rechnet. „Entweder erlässt der Richter die einstweilige Verfügung anhand der ihm vorliegenden Beweise, oder er beraumt kurzfristig eine Verhandlung an.“ 

Was passiert, sollte die einstweilige Verfügung ausgesprochen und Malgorzata Lendel wieder aus ihrem Haus kommen, ist bereits klar: „Dann gehe ich mit den Leuten, die mich so unterstützt haben etwas essen und trinken. Dann wird gefeiert“, sagt Lendel, die sich schon jetzt bedanken möchte: „Ohne meine Pflegerin Edita Breddermann und die vielen ehrenamtlichen Helfer beim Deutschen Roten Kreuz, würde ich diese Zeit nicht überstehen. Ich möchte ihnen von ganzem Herzen danken.“

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