Filmpalast lädt in die „Cloud Lounge"

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Alleinstellungsmerkmal in der Kinolandschaft: „Diese Platzverschwendung können sich die meisten Kinos nicht leisten“, sagt Andre Lubba mit Blick auf die Liegen im großen Saal.

Lüdenscheid - „Wir brauchen nicht so sehr die Masse. Die ganz ausverkauften Tage sind übers Jahr gesehen ohnehin selten.“ André Lubba setzt im Lüdenscheider Filmpalast daher auf ein etwas anderes Kino.

"Diese Platzverschwendung können sich die meisten Kinos nicht leisten. Die sind eher auf Durchsatz angelegt.“ Es klingt selbstbewusst, wenn André Lubba über seinen Filmpalast redet, sein kleines Kino, das die Stammgäste anzieht aus Lüdenscheid, häufig aus Köln und sogar eine Gruppe, die für einen Kinoabend an der Werdohler Straße rund 200 Kilometer aus Paderborn anreist.

Nicht wirklich Gold, sondern „Schlagmetall“.

Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen und abgenommen. Seit Mittwoch werden die Plätze in der „Cloud Lounge“ auch offiziell angeboten. Wobei der Begriff „Platz“ in die Irre führt. Wo früher 48 Sitze montiert waren, können sich jetzt neun Besucher auf ihren Liegen räkeln, die, auf Federn gelagert, den Soundtrack des Films auch physisch erlebbar machen. Es ist der erste Teil der Kino-Erneuerung, den Lubba jetzt hinter sich hat. Mehr als 60 000 Euro hat er allein für die Cloud Lounge in die Hand genommen.

Wenn er fertig ist, wird er mehr als eine Viertelmillion Euro in das Projekt investiert haben. Doch er sieht mit Vertrauen in die Zukunft. Seit 14 Jahren ist er mit dem großen und dem kleinen Kinosaal an der Kluse im Geschäft, und „jedes Jahr seitdem war besser als das vorherige“. Eine kurze Pause wird sich das Kino im Sommer zur Fußball-WM gönnen. Lubba hat noch einiges vor.

Auch mit dem kommenden zweiten Bauabschnitt soll das vergleichsweise kleine Kino dem früh eingeschlagenen Weg folgen, den Besuchern etwas Besonderes anzubieten. Deutlich erhöht gegenüber den anderen Plätzen werden Seitenlogen angebaut, die auch komplett für eine Vorstellung angemietet werden können. Ziel sei es, dass es irgendwann „keinen schlechten Platz“ mehr gebe, sondern nur noch unterschiedliche.

Seit Mittwoch ist die Cloud Lounge im Filmpalast offiziell eröffnet. Im Bild: Kinobesitzer André Lubba

Auch an den Parkettplätzen soll sich etwas tun. Vorgesehen ist ein Pärchenbereich mit kuscheligen Nischen. Während der erste Bauabschnitt noch in vollem Betrieb abgewickelt werden konnte, schließt Lubba für den zweiten die Türen zu den Sälen. Das passiert während der WM, wenn die Besucher eher vor dem Fernseher oder in der Kneipe sitzen. Das wirtschaftliche Risiko geht Lubba ein. Gleichzeitig weiß er: Wir müssen bezahlbar sein. Wir sind hier in Lüdenscheid, nicht in Frankfurt. „Die Kunden wissen das zu schätzen. Die Atmosphäre hier ist familiär.“ Und so endet ein Film zwar um 23 Uhr, doch dann sitze man mit Bekannten manchmal bis 1 Uhr nachts noch zusammen. Andererseits gilt es, Anschluss an die Technik zu halten. 3D und High Frame Rate sind selbstverständlich, Filmrollen schon lange keine Thema mehr. Wenn die Besucher demnächst Spidermann 2 gucken, steckt eine Festplatte mit 375 Gigabyte Daten dahinter.

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