1,2 Millionen Euro nicht zu halten

Kostenexplosion und großer Zeitverzug im Rathaustunnel

Am 26. Februar begann das Debakel: Die ersten Leuchten lösten sich von der Tunneldecke

LÜDENSCHEID - Die Kosten und der Zeitplan für die Sanierung des Rathaustunnels drohen zu explodieren. Die Verantwortlichen im Rathaus rechnen mit der Fertigstellung inzwischen erst für Mitte 2015. Die zunächst geschätzten Kosten von 1,2 Millionen erscheinen nach neuestem Stand illusorisch niedrig und dürften ein Vielfaches betragen.

Von Olaf Moos

Tempo 30, Einspurigkeit in beiden Fahrtrichtungen sowie eine zeitweilige Vollsperrung gehören zu den Sofortmaßnahmen.

So unglaublich es zunächst klingt: Die neueste Negativentwicklung in Sachen Rathaustunnel hat direkt etwas mit dem Ergebnis der diesjährigen Volkszählung zu tun, erklärt die Technische Beigeordnete Marion Ziemann Mittwochabend im Planungs- und Umweltausschuss. Abermals ist die Kreisstadt dabei deutlich unter 80 000 Einwohnern gelandet.

Damit gehört sie zu den Kommunen, die die Baulast für Landesstraßen mit Ortsdurchfahrt an den Landesbetrieb Straßen.NRW zurückgeben müssen – besonders dann, wenn sie im Nothaushalt stecken. Das bedeutet gleichzeitig, dass für den Tunnel höhere technische Standards gültig werden als für ein Bauwerk in städtischer Baulast.

Mit dem Übergang der Baulast zum Jahreswechsel fällt laut Ziemann aber auch der Bestandsschutz für den Betrieb des rund 400 Meter langen Tunnels weg. Das Ziel, die Infrastruktur für den innerstädtischen Verkehr, wenn zunächst auch notdürftig, zu erhalten, ist derzeit Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen zwischen Stadt und Land. Marion Ziemann: „Wir müssen einen Übergangsstatus schaffen.“ Zum einen soll die Unfallgefahr durch ein Tempolimit reduziert und zum anderen der Zustand verbessert werden.

Ab Freitag ist der Rathaustunnel deshalb bis auf weiteres auf nur einer Spur und mit maximal 30 Km/h pro Richtung zu befahren. Zunächst sollen noch vorhandene Leuchten besser vor dem Absturz gesichert und die Lüfter abgebaut werden. Außerdem gilt es, die Fahrbahn zu reinigen und neue Markierungen aufzukleben. Ziemann: „Dazu kommen zahlreiche andere Maßnahmen.“

Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag nächster Woche bleiben beide Röhren komplett dicht. Die Vollsperung dient der Reinigung der Tunnelwände und -decke sowie einer gründlichen Messung des vorhandenen Lichts. Über mögliche Umleitungen will die Stadt noch vor dem Wochenende ausführlich informieren, hieß es gestern.

Zu dem Aufwand für Sofortmaßnahmen zählen auch die Kosten für eine Riskoanalyse, die unter anderem eine Verkehrszählung umfasst. Derzeit fahren laut Ziemann rund 22 000 Autos pro Tag durch den Rathaustunnel.

Allein die Sofortmaßnahmen kosten nach Schätzungen aus dem Rathaus zwischen 150 000 und 400 000 Euro. Die Investition sei aber notwendig, um den 40 Jahre alten Rathaustunnel – wie es gesetzlich vorgeschrieben ist – in einem „ordnungsgemäßen Zustand“ an den Landesbetrieb zu übergeben, sagte die Beigeordnete. Die noch im September angenommene Investition von etwa 1,2 Millionen Euro ist vor dem Hintergrund der aktuellen Nachrichten nur noch Makulatur. Wie teuer die ganze Sache wird, wagt im Rathaus derzeit niemand zu beziffern. Marion Ziemann: „Ich hoffe, wir bleiben im einstelligen Millionenbereich.“

Die Einschränkungen im Tunnel treffen die Stadt ausgerechnet zu Beginn der Adventszeit mit traditionell starken Umsätzen im Einzelhandel, einem erhöhten Verkehrsaufkommen und Parksuchverkehr. Die Technische Beigeordnete bezeichnete die Maßnahmen dennoch als „alternativlos.“

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