Automobilzulieferer aus Lüdenscheid

Corona-Krise: Kostal muss weltweit sparen - Proteste gegen Werkschließung

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Vom Firmensitz an der Bellmerei aus kämpft der Lüdenscheider Automotive-Konzern Kostal gegen die Folgen der Corona-Krise an.

Lüdenscheid – Der Lüdenscheider Automobilzulieferer Kostal steht aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie unter Druck - und muss sparen. Das hat weltweit Konsequenzen. 

  • Kostal ist einer der größten Arbeitgeber der Region
  • Der Automobilzulieferer steht wegen der Corona-Folgen unter Druck
  • Mit weltweiten Sparmaßnahmen versucht der Konzern gegenzusteuern

Der Kostal-Konzern mit seinen mehr als 17.000 Mitarbeitern weltweit versucht, durch ein kurzfristig angelegtes Sparprogramm Kosten zu reduzieren. An den deutschen Produktionsstandorten sind deshalb die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Im Ausland stehen inzwischen auch ganze Standorte zur Disposition. 

Kostal bekommt die Produktionsstillegungen der Automobilhersteller zu spüren

Während des Corona-Lockdowns ab Mitte März legten die meisten Automobilhersteller wie Mercedes-Benz oder BMW ihre Produktionswerke zeitweise still. Das hatte auch unmittelbare Konsequenzen für die Automobilzulieferer wie Kostal, die ebenfalls die Produktion drosseln oder sogar ganz einstellen mussten. Auch am Standort Lüdenscheid war die „rückläufige Nachfrage nach Zulieferkomponenten“ spürbar. Seit Anfang April sind die meisten Kostal-Mitarbeiter im Märkischen Kreis in Kurzarbeit

Kostal schätzt die Situation als weiterhin äußerst volatil ein

Aufträge in Millionenhöhe brachen in kürzester Zeit weg. „Auch wenn sich die Märkte auf niedrigem Niveau positiv entwickeln und China sich annähernd wieder auf dem Niveau vor Corona befindet, ist die Situation weiterhin äußerst volatil“, erklärt Kostal-Sprecher Georg Exler auf Anfrage unserer Zeitung. 

Das Lüdenscheider Unternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr daher mit einem starken Umsatzrückgang. Exler: „In Summe ist für den Automobilmarkt mit einem signifikanten Rückgang der Absatzzahlen im Gesamtjahr zu rechnen.“ 

Weltweite Kostensenkungen als Reaktion auf die Corona-Folgen 

In der Folge versucht Kostal, die Kosten zu senken – „gemäß der jeweiligen lokalen Gegebenheiten“, wie es in einer Antwort auf Fragen der Redaktion heißt. In Deutschland nutzt der Lüdenscheider Konzern dafür das Instrument der Kurzarbeit – in unterschiedlichem Umfang. 

Kostal äußert sich zu einzelnen Standorten nicht konkret

Als weitere Sparmaßnahmen gibt Kostal „Optimierungsprogramme zur Materialkostenreduzierung und der Reduzierung sonstiger Kosten“ an. Konkrete Aussagen zu einzelnen Standorten macht das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht. 

Schließung in Goldthorpe (Rotherham) in England bereits im Herbst verkündet

Allerdings verdichten sich die Hinweise darauf, dassim Ausland auch Standortschließungen und Stellenabbau ein Mittel der Wahl sind. Bereits im Herbst 2019 hatte Konzern-Chef Andreas Kostal die Schließung des Produktionsstandorts in Goldthorpe in England sowie die Verlagerung der Produktion nach Mazedonien und in die Ukraine verkündet. 

Medienbericht: Kostal will Lenksäulen-Produktion in Bulgarien konzentrieren

Nach Informationen unserer Zeitung droht nun auch am Standort Zdice in der Tschechischen Republik ein Stellenabbau. Dort werden unter anderem Lenksäulen hergestellt. Parallel dazu soll der Kostal-Standort Pazardzhik in Bulgarien offenbar gestärkt werden. Zuletzt wurden dort ebenfalls Lenksäulen für Volkswagen und BMW produziert.

Nach einem Bericht des bulgarischen Nachrichtenportals money.bg konzentriert Kostal künftig seine gesamte Lenksäulen-Produktion sowie die gesamte Logistik in die 69.000 Einwohner zählende Stadt und beruft sich dabei auf den örtlichen Bürgermeister Todor Popov. 

Kostal soll Schlaf-Komplex für Arbeiter aus dem Ausland bauen

Die Zahl der Mitarbeiter in der Oberthrakischen Tiefebene soll demnach von 2.000 auf bis zu 5.000 ansteigen. Laut Bericht baue Kostal derzeit in einem benachbarten Dorf einen Schlaf- und Dienstleistungskomplex für Arbeitnehmer aus dem Ausland. Kostal selbst äußert sich auf Nachfrage zu dem Bericht nicht. 

Werksschließung in Brasilien angekündigt: 300 Jobs sind in Gefahr

Im besonders von der Corona-Krise betroffenen Brasilien will Kostal nach Medienberichten von Anfang Juni das Werk in Sao Bernardo im Bundesstaat Sao Paolo schließen (Link zur portugiesisch-sprachigen Website von Rede Brasil Atual). Dort sind derzeit noch rund 300 Arbeiter beschäftigt. 

Nach Protesten von Mitarbeitern und der Gewerkschaft ABC wurde die Frist noch einmal verlängert. Nun soll am 30. September entschieden werden, ob das Werk doch noch gerettet werden kann. Einem Bericht zufolge will Kostal sein Amerika-Geschäft in Mexiko konzentrieren.

Kostal: Corona-Schutz für Mitarbeiter weltweit

„Hinsichtlich der Prävention des Coronavirus hat Kostal seit Beginn der Pandemie in enger Kooperation mit dem Betriebsrat auf eine umfassende und konsequente Umsetzung der Arbeitsschutzmaßnahmen gesetzt“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Die strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen wie Abstandwahrung, Händewaschen und das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen hätten dazu beigetragen, dass Kostal-Mitarbeiter an allen Standorten bisher weitestgehend von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Coronavirus verschont geblieben sind.“ Anfang März hatte Kostal über einen Verdachtsfall in Lüdenscheid berichtet

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