„Kosmos“: Mikrokosmos für gehobene Ansprüche

Restaurantleiter Daniel Abert weiß zu allen Weinen aus 20 italienischen Anbaugebieten genussvolle Geschichten zu erzählen.

Lüdenscheid  - „Kosmos“ also! Das neue Restaurant in der Humboldt-Villa, gelegen an der Humboldtstraße, trägt folgerichtig den Namen des wohl größten Werks des Wissenschaftlers Alexander von Humboldt. Das Restaurant ist tatsächlich ein Mikrokosmos für gehobene Ansprüche.

Und wer nicht unbedingt einmal pro Woche auswärts tafeln muss, sondern seinem Budget die neue Lüdenscheider Besonderheit nur selten, dann aber auch richtig, zumuten mag, wird sich hier aufgehoben fühlen.

In fünf Bänden wollte Alexander von Humboldt mit seinem „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ die Welt erklären – mehr nicht, aber auch nicht weniger. Und in fünf Gängen, serviert aus der Werkstatt von Küchenchef Manfred Salzmann und seinem Team, sollen die Gäste morgen zur offiziellen Eröffnung erfahren, wie gutes Essen ein positives Lebensgefühl verstärkt – und wie ein sorgsam ausgesuchter Wein dieses Gefühl würzt.

Das Gelingen ist vom Zusammenspiel vieler Faktoren abhängig. Man mag Salzmanns Küche oder nicht – kleine bunte Gimmicks oder der Lehre vom molekularen Kochen entlehnte Zaubertricks mag der Gast für überflüssig halten. Ein ehrliches Gemüse ehrlich auf den Teller zu bringen, hat gewiss auch seinen Reiz.

Dahingestellt! Ein weiterer Faktor ist das junge, anfangs aufgeregte und immer fröhlich um Professionalität bemühte Personal im Service. Schnell ist es, lächeln kann es, wortgewandt ist es – mit einem Wort: geschult. Mit der Routine wird auch mehr Ruhe ins Team kommen und sich auf die Gäste übertragen. Etwas Geduld darf eingefordert und gewährt werden.

Dazu hat Daniel Abert jedoch nicht genug Zeit. Alles muss passen, und zwar sofort! Auf dem Restaurantleiter, verantwortlich für die komplette „Kosmos“-Gastronomie inklusive der Clubräume im Obergeschoss und vor allem die Vinothek, lastet der größte Druck. Sieben Monate lang hat er sich in Italien zum Fachberater für Wein ausbilden lassen. Ausschließlich italienische Tropfen füllen die teils temperierten Regale und Kühlschränke. Weine aus nahezu allen 20 Anbaugebieten zwischen Südtirol und Sizilien sind zu haben. Und zu jeder einzelnen Flasche weiß Daniel Abert etwas zu erzählen – über den Winzer, seine Trauben, das Wetter dort, den Ursprung des Geschmacks und die besondere Note. Darüber berichtet „Abi“ Abert wunschgemäß in der Vinothek, plaudert mit Genießern im Bistro oder berät „Kosmos“-Gäste direkt am Tisch. Hier gilt der Verkaufspreis plus Servicepauschale, „Korkgeld“ genannt.

Es fehlt noch: die Feinkostabteilung. Ihr Ausbau ist fast abgeschlossen. Ein kleines Reich der Sinne soll es werden. Verantwortlich zeichnet hier „Papageno“-Chef Oliver Scherff. Seinen Laden an der Wilhelmstraße wird es weiter geben. Aber wer auf dem Heimweg schnell mal aus dem Auto springen und eine Delikatesse erschnüffeln und mitnehmen will, darf das Lädchen in der Humboldt-Villa als Einzelhandelsgeschäft betrachten – ebenso wie die Vinothek.

Heute darf gestürmt werden – übrigens ohne spezielle Anmeldung, ab 19 Uhr. Die Humboldt-Villa öffnet die Pforten für Neugierige, „Open House“ nennt Geschäftsführer Marco Nipkow das. Und morgen geht’s richtig los.

Alexander von Humboldt ist übrigens dabei: als Wandgemälde, inmitten seiner gelehrten Vertrauten.

Von Olaf Moos

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