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Köpfe aus Beton und Spuren in Lüdenscheid

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Von: Jutta Rudewig

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Timm Ulrichs Kopf Kunstsalon
Das Kopf-Stein-Pflaster im Museumsgarten des Künstlers Timm Ulrichs - 16 Exponate besitzt die Stadt von ihm. © Rudewig

Er ist mittlerweile 81 Jahre alt, reist mit der Bahn an und ist „ziemlich fit“, wie Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen sagt: Der Konzeptkünstler Timm Ulrichs ist am Freitag, 12. November, zu Gast in einem von den Kunstfreunden Lüdenscheid ausgerichteten Kunstsalon. „Der Totalkünstler“ ist der Titel eines Films von Ralf-Peter Post, der an diesem Freitagabend ab 19 Uhr in der städtischen Galerie gezeigt wird. Und der Künstler selbst ist Ehrengast der Veranstaltung.

Lüdenscheid - In Lüdenscheid hat Timm Ulrichs längst schon seine Spuren hinterlassen. Die wohl bekannteste ist neben der Installation im Innenraum das Kopf-Stein-Pflaster im Skulpturengarten, eine Schädel-Decke aus Beton, die ab und wann, wenn der Zahn der Zeit zu arg an ihr nagt, wieder ein wenig angehoben werden muss.

Die Begegnungen mit dem selbst ernannten Totalkünstler sind immer wieder überraschend. So sah man sein Abbild aus Stein in einer schlichten Holzkiste, als Klaus Crummenerl in der Ausstellung „privat.im“ 2010 Werke aus seiner Privatsammlung präsentierte. Der damals noch frisch gegründete Verein der Kunstfreunde Lüdenscheid lud Ulrichs zum ersten Kunstsalon ein. Ulrichs sagte zu – und führte die Gäste voller Selbstironie entlang seiner Werke.

Die Installation „Der Fußboden-Tisch-Stuhl-Teller-Löffel“ des Konzeptkünstlers nimmt einen großen, unübersehbaren Raum ein, wenn man die Galerie an der Sauerfelder Straße betritt. Die große eindrucksvolle Holzarbeit in der Halle vor der Galerie wurde 1982 herausgesägt aus dem Fußboden eines Schulkassenzimmers in Linz. 1992 übereignete der Künstler das Werk der Städtischen Galerie. Als dann der Neubau der Galerie an die Geschichtsmuseen kam, wurde das Kunstwerk 2005 neu präsentiert. Timm Ulrichs reiste damals in die Bergstadt, um den Wiederaufbau seiner Installation zu begleiten. Lüdenscheid ist im Besitz von insgesamt 16 Arbeiten des Künstlers.

Timm Ulrichs Kunstsalon Lüdenscheid
2011 besuchte der Künstler Timm Ulrichs den ersten Kunstsalon und führte die Gäste voller Selbstironie entlang seiner Werke. © Rudewig

Im vergangenen Jahr wurde ihm in Berlin der Käthe-Kollwitz-Preis 2020 der Akademie der Künste überreicht. Eine passende Ausstellung ist bis zum 1. März am Berliner Hanseatenweg zu sehen. Timm Ulrichs erhielt den mit 12 000 Euro dotierten Preis im Jahre seines 80. Geburtstags. Damit wurde der in Berlin geborene Künstler für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seine Werke sind für viele nachfolgende Künstler eine inspirierende Quelle geworden.

Der Kunstsalon

Initiatoren des Kunstsalons sind die Kunstfreunde Lüdenscheid (KFL), die den Künstler zu diesem Anlass eingeladen haben. In seinem 2018 entstandenen Dokumentarfilm begleitete Ralf-Peter Post Timm Ulrichs mehr als ein Jahr lang und öffnet mit kritischer Sympathie den Blick für einen klugen, sensiblen und eigenwilligen Künstler. „Der sich selbst als Totalkünstler bezeichnende Ulrichs postulierte bereits 1975 ,Ich kann keine Kunst mehr sehen!’ und provoziert mit seinen Aktionen bis heute die Kunstwelt“, so der Infotext zum Film. Der Kunstsalon beginnt am Freitag, 12. November, um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei, es gelten 3G und Maskenpflicht.

Der Konzeptkünstler ist mit seinen Werken nicht nur in der Sammlung der Galerie präsent, sondern fühlt sich Lüdenscheid und deren Kunstszene seit Uwe Obier verbunden. Und er kommt immer wieder gern in die Bergstadt. Ulrich wurde am 31. März 1940 in Berlin geboren, studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Hannover. Danach unterrichtete er als (Gast-)Professor unter anderem an der Kunstakademie in Münster und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. 1959 gründete der Künstler die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“ in Hannover und erklärte sich 1961 selbst zum „ersten lebenden Kunstwerk“.

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