Hacker beim Online-Banking

Konto leergeräumt: Betrieb aus MK kann Mitarbeiter nicht mehr bezahlen

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Dieser Schock wird nicht nur Steve Schwitalla (26) noch lange in den Knochen stecken. Von einem Tag auf den anderen drohte die Existenz des väterlichen Handwerksbetriebs, in dem der Lüdenscheider als kaufmännischer Leiter tätig ist, ruiniert zu sein.

Lüdenscheid - Sogenannte Cyberkriminelle haben Schwitallas Geschäftskonto bei der Sparkasse Lüdenscheid gehackt, Daten manipuliert – und rund 70 000 Euro auf eigene Konten überwiesen. Am Montag, nach mehreren Tagen voller Diskussionen und Bangen, glich die Sparkasse den Betrag aus.

Wie der 26-Jährige berichtet, wollte er am 11. Juli ein paar Einkäufe mit seiner EC-Karte bezahlen. „Aber gleich zweimal hintereinander hat das Lesegerät meine Karte nicht erkannt.“ Erster Verdacht: Da wird was mit dem Magnetstreifen nicht in Ordnung sein.

Also tauchte Steve Schwitalla am folgenden Montag in der Sparkasse auf, um sich eine neue EC-Karte ausstellen zu lassen. Ein weiterer, viel schlimmerer Verdacht keimte auf. „Die Sachbearbeiterin fragte mich: ‘Ach, Sie sind nach Essen in die Hindemithstraße umgezogen?’.“ Schwitalla: „Stimmt gar nicht!“

Der nächste ängstliche Blick galt dem Kontostand. Von 70 000 Euro auf null, innerhalb eines Wochenendes. „Die Verbrecher haben gleich am ersten Tag 45 000 Euro irgendwo hin überwiesen.“ Und dann weitere Beträge, nach und nach. Eine sofortige Rettungsaktion der Sparkasse mit Rückbuchungen war nur teilweise erfolgreich – „das war nur ein Bruchteil“. Am selben Tag erstattete der Kunde in höchster Not bei der Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt.

Das brachte das Geld auch nicht zurück. Der Handwerksbetrieb „Kornel Schwitalla – Ausbauarbeiten, Fliesen & Mosaik“ stand vor dem Aus – „dafür hat mein Papa länger als 30 Jahren auf den Knien gearbeitet“, sagt der Sohn. Die Auszahlung der Löhne für die vier Beschäftigten stand bevor. „Wir können nicht einmal mehr unsere Leute bezahlen.“

Gespräch im Vorstandsbüro der Sparkasse Lüdenscheid

In der festen Überzeugung, an dem Elend komplett unschuldig zu sein, besorgten sich Vater und Sohn einen Termin in der Chefetage der Sparkasse. Das Gespräch mit Vorstandsmitglied Thorsten Haering am Freitag endete laut Steve Schwitalla ohne die erhoffte Erstattungszusage. „Dabei befand sich das Datenleck bei der Sparkasse – und nirgendwo anders.“

Auf Anfrage unserer Redaktion teilte Sparkassensprecher Marcel Nüsgen am Montagvormittag mit: „Zu Einzelfall-Anfragen können wir uns auf Grund des Bankgeheimnisses und des Datenschutzes grundsätzlich nicht äußern. Online-Banking bei der Sparkasse ist sicher! Es ist kein Fall bekannt, wo unautorisierte Zugriffe ohne Zutun des Kunden möglich geworden sind.“ Je komplizierter der Fall, desto länger dauere die interne Recherche.

Vier Stunden später, eine Woche nach der Katastrophe, meldet Schwitalla: „Alles gut! Die Sparkasse hat den Schaden vollständig beglichen.“ Doch die Täter sind mit seinem Geld offensichtlich über alle Berge. Der Schreck bei den Opfern sitzt immer noch tief. Immerhin: Das Vertrauen in das kommunale Geldinstitut ist zurück.

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