Zerplatzte Träume

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"Die Glasmenagerie" wurde im Kulturhaus gegeben.

Lüdenscheid - Im Grunde hat Tennessee Williams ein unglaublich trauriges Stück geschrieben, als er 1944 die „Glasmenagerie“ auflegte. Amerika in den 30er-Jahren, eine Zeit, geprägt von Depressionen. Regisseurin Katharina Thalbach schickte Tochter und Enkelin auf die Bühne, als sie für das Theater am Kurfürstendamm „Die Glasmenagerie“ inszenierte. 

Mit dem Stück war das Ensemble am Dienstagabend im Kulturhaus. Vor gutgefüllten Reihen ließen Anna und Nellie Thalbach sowie Louis Held und Sven Scheele bittersüß Träume zerplatzen von Glück, von Liebe, von Zukunft.

Eine Wohnung in einer Seitenstraße von St. Louis. Dort wohnt Amanda Wingfield mit ihren erwachsenen Kindern Tom und Laura, eine „Helikoptermutter“, in deren Ratschlägen und Bevormundungen die Angst vor dem eigenen Dasein mitschwingt. Immerhin ist der Vater abgehauen, zurück blieben der Sohn als Lagerarbeiter, die Tochter mit einer leichten Behinderung, sein Bild und ein Grammofon samt zerkratzter Schallplatte.

Mutter Amanda lebt in Erinnerungen an Zeiten, die lange schon vorüber sind, der Sohn, der gleichsam den Erzähler der Geschichte gibt, flieht jeden Abend vor der heimatlichen Tristesse in die bunte Abenteuerwelt des Kinos, die Tochter ist so schüchtern, dass sie nicht vor die Tür geht und sich mit Hingabe im Schutz der mütterlichen Wohnung ihren Glastierchen widmet.

Ein Stück in Szenen, eine echte Handlung gibt es nicht. Naja, vielleicht diese, dass Amanda verzweifelt versucht, einen Heiratskadidaten für ihre Tochter zu finden, damit Laura nicht als alte Jungfer endet. Dass ein so hochklassiges Schauspieler-Quartett die Geschichte großartig auf die Bühne bringt, versteht sich von selbst. Schwierig nachzuvollziehen waren die gefühlten Millionen an Worten, die Anna Thalbach als Amanda immer mal wieder auf ihre Familie und das Publikum einprasseln ließ – akustisch und auch inhaltlich.

Dass die Schauspielerin mit ihren wortreichen Belehrungen, ihrer Mimik und Gestik reichlich in Richtung Boulevardkomödie abdriftete, rettet das Stück ohne Zweifel über die Zeit von weitgehend handlungslosen zweieinhalb Stunden. Ein großartiger Theaterabend – wenn man denn Tennessee Williams mag.

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