"Suizid macht hungrig"

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Hardy Krüger jr. und  Eva-Maria Grein Von Friedel am Mittwochabend im Kulturhaus.

Lüdenscheid - Arthur ist der Inbegriff des pedantischen Pädagogen. Selbst im Abschiedsbrief an seine Familie korrigiert er noch schnell die Interpunktionsfehler. . Sportlehrer. Nichtraucher. Lungenkrebs im Endstadium. Und in einem Amsterdamer Hotel abgestiegen, um seinem Leben am nächsten Tag in einer Klinik ein vorzeitiges Ende setzen zu lassen.

Eigentlich kein Stoff, aus dem Komödien geschmiedet sind. Das Ensemble der Komödie im Bayerischen Hof war am Mittwochabend mit der Inszenierung „Arthur & Claire“ zu Gast im Kulturhaus.

Claire (Eva-Maria Grein Von Friedel) wohnt im Hotelzimmer nebenan und ist soeben dabei, sich ebenfalls das Leben nehmen zu wollen. Tabletten, das Messer für die Pulsadern oder doch lieber der obligatorische Strick? Die Auswahl ist überschaubar. Aber Arthur (Hardy Krüger jr.) kann und will den Selbstmord Claires nicht zulassen. Er vereitelt ihren Versuch.

Aus den Lebensmüden wird eine Schicksalsgemeinschaft, und die Tragik wird zum Hoffnungsschimmer. Dazwischen liegen bravourös von den beiden Protagonisten gespielte vier Szenen in zwei Hotelzimmern auf der Bühne im gut gefüllten Theatersaal. Erst in der letzten Szene gesellt sich David (Ricardo Angelini), Arthurs Sohn, an Claires Seite und schiebt den Kinderwagen mit dem Ergebnis einer Nacht in Amsterdam.

Eva-Maria Grein von Friedl und Hardy Krüger jr. spielen sich zwei Stunden lang schwarzhumorig die Bälle zu. Die Lebensbeichte des Pädagogen entlarvt ihn als Casanova. Sie streiten, sie finden wieder zueinander. Und immer, wenn man fast schon den Grund der Zufallsbegegnung verdrängt hat, ist er wieder da – dieser Husten und das Spray, das Arthur das Atmen erleichtert. „Suizid macht hungrig“, sagt Claire lakonisch, als Arthur endlich beschlossen hat, sich seinen Dämonen zu stellen – mit ihr an seiner Seite.

Etwas abrupt endet die Geschichte. Quasi post mortem versöhnt sich der Sohn mit dem Vater ein Jahr später im gleichen Hotelzimmer – mit Claire an seiner Seite. Autor Stefan Vögel ist es mit dem Stück gelungen, eine bittere Lebensgeschichte mit heiterer Leichtigkeit zu erzählen. Das Publikum honorierte die Leistung mit lang anhaltendem Beifall.

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