Brandstiftung in Altena

Ein Kommentar: Verachtung schmerzt mehr als U-Haft 

Altena/Lüdenscheid - Zur Brandstiftung in Altena und der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die beiden mutmaßlichen Täter wieder aus der Haft zu entlassen, lesen Sie hier einen Kommentar von Willy Finke.

Ein 25-jähriger Lüdenscheider Berufsfeuerwehrmann aus Altena legt Feuer in einem Altenaer Wohnhaus, das von syrischen Flüchtlingen bewohnt wird. Eine unfassbare Tat, die für viel Aufsehen sorgt, für Fassungslosigkeit und Wut.

Doch nicht nur über die Tat wird jetzt diskutiert, sondern auch über das Verhalten der Justiz. Der Mann ist auf freiem Fuß. Und er wird lediglich wegen schwerer Brandstiftung beschuldigt. Das sorgt in Teilen der Öffentlichkeit für Empörung. Wie kann die Staatsanwaltschaft den Brandstifter nur wieder freilassen? Warum wird er nicht wegen versuchten Mordes belangt?

Ausgerechnet „Bild“, in der Vergangenheit immer wieder die Speerspitze in Sachen Schüren von Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass, findet das „unfassbar“. Politiker der Grünen stoßen ins selbe Horn.

Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass Staatsanwaltschaft und Polizei hervorragende Arbeit geleistet haben. Schon wenige Tage nach der Tat haben sie die beiden Täter ermittelt. Kompliment!

Dass der junge Altenaer nur wegen Brandstiftung belangt wird, verdankt er dem Umstand, das Feuer unterm Dach und nicht im Keller gelegt zu haben. Damit, so heißt es, habe er den Bewohnern eine Fluchtmöglichkeit gelassen. Dieses Argument hätte man in der Tat eher von seinem Strafverteidiger als vom Staatsanwalt erwartet.

Was, wenn sich der Schwelbrand erst in der Nacht richtig entwickelt und die Bewohner im Schlaf überrascht hätte? War es wirklich so unwahrscheinlich, dass Menschen bei diesem Brand sterben? Wirklich kein versuchter Mord?

Kritik entzündet sich auch an der Aussage von Staatsanwalt und Staatsschutz, die Tat habe keinen rechtsradikalen, sondern lediglich einen „fremdenfeindlichen“ Hintergrund, sie basiere auf persönlichen Ängsten.

Hier darf man getrost voraussetzen, dass der 25-Jährige intensiv verhört wurde. Seine offenbar geäußerte „Angst“ vor Ausländern ist nicht automatisch „rechtsradikal“ – was seine Tat ja nicht harmloser macht. Jeder Neonazi ist ein Vollidiot, aber nicht jeder Vollidiot ist ein Neonazi.

Dass der Brandstifter nun nicht im Untersuchungsgefängnis sitzt, verwundert auf den ersten Blick. Doch die Strafverfolger sehen keine Wiederholungsgefahr. S i e haben mit dem Mann gesprochen – und nicht wir. Warum sollten wir ihrem Urteil nicht vertrauen?

Und schließlich: Die nächsten (und für lange Zeit hoffentlich letzten) Monate in Freiheit können für den 25-Jährigen eine schlimmere Strafe sein als die U-Haft. Dann nämlich, wenn ihm in seiner Nachbarschaft und von seinen ehemaligen Feuerwehr-Kameraden die Verachtung entgegenschlägt, die er verdient hat.

Rubriklistenbild: © Bender

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