Hobby-Astronom beantwortet Fragen rund um Kometen

So ist Komet Neowise am besten im MK zu sehen

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Der Komet Neowise über Heedfeld.

Lüdenscheid - Der Komet Neowise kommt derzeit der Erde so nah, dass er mit bloßem Auge sichtbar ist. Dies geschieht nur ungefähr alle 6000 Jahre. Rolf Becker, Mitglied der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Lüdenscheid (NwV), beantwortet die Fragen von Mitarbeiterin Nele Gerbersmann zum Naturphänomen.

Was sind überhaupt Kometen? 

Kometen werden auch schmutzige Schneebälle genannt, weil sie in erster Linie aus Staub, Ruß und Wasser/Eis bestehen. Sie sind die Reste, die übrig geblieben sind, als das Sonnensystem entstanden ist. Dabei halten sie sich vornehmlich am Rande des Sonnensystems auf, in der sogenannten Oortschen Wolke. Ab und zu, durch die Gravitation der Sonne oder der Planeten, stürzt dann so ein Komet in Richtung Sonne. In der Regel hat er einen Durchmesser von ein paar Kilometern bis ein paar Dutzend Kilometern. Durch das Sonnenlicht, die Sonnenwärme, verdampfen das Eis und andere flüchtige Bestandteile. Das führt dazu, dass sie sich auflösen und einen Schweif bilden.

Wie oft kann man Kometen am Himmel beobachten?

Es gibt sogenannte regelmäßige Kometen, wie zum Beispiel den Halleyschen Kometen –- benannt nach dem englischen Astronomen Halley, welcher als erster die Bahn eines Kometen berechnet hat. Dieser Komet erscheint alle 75 Jahre und hat somit eine feste Umlaufzeit. Neowise hingegen hat eine Umlaufzeit von ungefähr 6000 Jahren. Insofern gibt es regelmäßige Kometen, nach denen man die Uhr stellen kann, oder eben solche Überraschungsgäste wie jetzt diesen. Die letzten richtig schönen, großen Kometen gab es zuvor in den 90er-Jahren zu sehen.

Was ist das Besondere an Neowise? 

Das Besondere an Neowise ist, dass er das erste Mal seit Langem so hell wird, dass man ihn mit bloßem Auge – wenn auch recht schwach – sehen kann. Meiner Meinung nach wird die Sichtbarkeit auf Fotos jedoch übertrieben dargestellt. Es empfiehlt sich auf alle Fälle ein Fernglas für die Beobachtung, denn mit bloßem Auge und vor allem für jemanden, der nicht geübt ist in astronomischen Beobachtungen, ist er recht schwierig aufzufinden, zumindest hier in Lüdenscheid. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, einen dunklen Platz außerhalb der Stadt aufzusuchen.

Wann kann man Neowise am besten am Himmel beobachten? 

Neowise ist jetzt seit Kurzem sichtbar und geht gar nicht mehr unter. Er ist rund um die Uhr über dem Horizont, voraussichtlich noch bis Ende Juli. Zu sehen ist er, sobald es dunkel ist. Ich habe ihn zum Beispiel am Montagabend gegen 23 Uhr mit bloßem Auge gesehen, allerdings nur als ein langgezogenes Nebelfleckchen. Im Fernglas hat man dann ein bisschen deutlicher den hellen Kern und auch den langgezogenen Schweif gesehen. Neowise wandert derzeit in einer Höhe von 15 bis 10 Grad über den Nordwest/Nord/Nordost- Horizont und bewegt sich recht schnell in Richtung Sternbild Großer Wagen, wo die Sichtbarkeitsbedingungen vermutlich noch besser werden. Denn: Am 23. Juli kommt er der Erde am nächsten. Auf der anderen Seite entfernt er sich dabei von der Sonne. Dadurch wird er lichtschwächer, weil er nicht mehr so viel Material durch die Sonnenhitze verliert. Insofern kann man schwer vorhersagen, ob er noch heller wird, so bleibt oder die Helligkeit womöglich sogar abnimmt. Das kann man bei Kometen schwer vorhersagen.

Haben Sie sonst noch Hinweise für die Beobachtung? 

Es wird ein bisschen ein Hype um die angeblich so tolle Sichtbarkeit von Neowise gemacht. Das ist mir wichtig zu erwähnen, sodass die Leute nicht enttäuscht sind, wenn sie sich aufmachen, ihn zu suchen. Die Bilder, die es gibt, stammen ja auch alle von Fotografien. Das ist vielleicht noch ein Tipp: Wenn jemand ein Smartphone oder eine Kamera hat, kann man die Himmelsgegend mit ein paar Sekunden Belichtungszeit und einem Stativ ablichten. Dann hat man noch viel eher die Chance, ihn zu finden, als mit bloßem Auge. Für die visuelle Beobachtung empfiehlt sich ein Fernglas.

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