Immer noch in Gebrauch

Virtuelles Museum: Königsketten der LSG

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Für besondere Anlässe gibt es zusätzlich zu den Königsorden sogenannte Traditionsorden.

Lüdenscheid - Ein Zeugnis einer jahrhundertealten Tradition, die bis heute gepflegt wird, ist das neue Exponat im Virtuellen Museum: Es handelt sich um die Königskette der Lüdenscheider Schützengesellschaft. Das macht sie so außergewöhnlich.

Was diese so außergewöhnlich macht, ist, dass sie einerseits ein Museumsstück mit großem historischen Wert ist, sie andererseits immer noch, in der Regel zweimal im Jahr, von den Schützen genutzt wird. Seit der Ausstellung „Schützen-Welten“, die 2006 in den Museen anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Lüdenscheider Schützengesellschaft (LSG) im Geschichtsmuseum gezeigt wurde, befinden sich die Koffer mit den Königsketten und weiteren Orden als Dauerleihgabe in den Museen der Stadt.

Das dokumentiert ihren historischen Wert. Für das jährliche Schützenfest und für den Königsball werden die dafür benötigten Ketten von den Verantwortlichen der LSG abgeholt. Wesentlicher Bestandteil des Kommersabends beim Schützenfest ist die Inthronisation der neuen Schützenkönige, bei der ihnen feierlich die schweren Ketten umgelegt werden. Beim Festumzug im Rahmen des Schützenfestes und beim Königsball werden sie ebenfalls getragen.

Damit verbunden ist ein weiteres ungewöhnliches Merkmal für ein Museumsstück: Es verändert sich Jahr für Jahr. Denn mit Beendigung eines Königsjahres stiftet der scheidende König oder die scheidende Königin einen neuen Orden für die Kette. Das Modell dafür wählt er oder sie selbst aus. Auf der Rückseite eingraviert ist der Name des Königspaares und das Jahr der Amtszeit. Meist wird dann der jeweils älteste Orden – abgesehen von den Traditionsorden – abgenommen und an die Silberkönigskette angebracht.

Ehrenzeichen mit hohem Gewicht

Das hat nicht zuletzt mit dem Gewicht zu tun. Es handelt sich bei der Königskette um eine schwere Silberkette mit massiven Querstreben, an denen unter anderem die sogenannten Traditionsorden angebracht sind. Dazu kommen 20 Medaillen der Könige der jüngst vergangenen Jahre, die entlang der Kette hängen. Dieses schwere Konstrukt tragen die Könige an ihren besonderen Festtagen direkt um den Hals. Inzwischen wurde ein Samtband um die Kette gelegt, um den Druck im Nacken zu lindern. Dies kommt insbesondere den Schützenköniginnen zu Gute, die es erst seit der jüngeren Vereinsgeschichte der LSG gibt. Denn bei ihren Ballkleidern fehlen die Kragen von Hemd und Uniformjacke, unter die die männlichen Könige die Kette drapieren können. Wenn der König oder die Königin die LSG bei anderen Veranstaltungen, zu Beispiel von anderen Schützenvereinen repräsentiert, trägt er oder sie einen einzelnen Königsorden.

Jeder scheidende Schützenkönig stiftet einen neuen Orden.

Königsketten und -orden haben in der Regel alle Schützenvereine, wobei das Aussehen und der Aufbau unterschiedlich sind. Dabei pflegt jeder Verein seine eigenen Traditionen. So gibt es auch Ketten, an denen die Medaillen in mehreren Reihen angebracht und jeweils ergänzt werden. Die liegen dann breit auf den Schultern auf und ermöglichen es, deutlich mehr Königsorden an einer Kette zu tragen. 

Ältester Orden aus dem Jahr 1845

Bei der Leihgabe der LSG an die Museen handelt es sich um ein ganzes Konvolut, bestehend aus der Königskette, der Silberkönigs- und der Goldkönigskette, sowie Jungschützenkönigs- und Kinderkönigskette. Hinzu kommt ein weiterer Koffer mit sorgfältig aufbewahrten Königsorden, die nicht mehr für eine der Ketten benutzt werden. Der älteste Orden stammt aus dem Jahr 1845, also kurz nach der Wiedergründung der LSG im Jahr 1843, vom damaligen Schützenkönig Wilhelm Fastenrath. Seit 1914 ist die Reihe der Orden für jedes Jahr – mit Unterbrechung während der Weltkriege – vollständig. Die aktuelle Kette für König und Jungschützenkönig wurden von Reinhard und Claudia Isenberg gestiftet (Königspaar 1997-1998).

Die Königskette dokumentiert die jahrhundertealte Geschichte der LSG.

Es gibt mehrere sogenannte Traditionsorden an der Königskette, die deutlich größer und schwerer sind als die anderen Orden. Es handelt sich dabei unter anderem um das Wappen der LSG und zudem um einen Orden aus dem Jahr 1853 (Schützenkönig Carl Basse) und aus dem Jahre 1874 (Schützenkönig Friedrich Schmits). Hinzu kommen besondere Orden zum 500-jährigen Bestehen. Auch an der Goldkönigskette gibt es einen Orden aus dem Jahr 1853 (von A. Brüninghaus und Frl. vom Hofe). Dabei handelte es sich um das zehnte Jahr nach der Neugründung der Gesellschaft. Insgesamt reicht die Geschichte der LSG mehr als 500 Jahre bis ins Jahr 1506 zurück. Sie reiht sich damit in die ältesten Schützengesellschaften der Region ein.

LSG hat eine mehr als 500-jährige Geschichte

Aus den frühen Jahrhunderten sind allerdings nur vereinzelte Quellen erhalten, so unter anderem eine Abschrift einer Ordnung aus dem Jahr 1506, die als erste urkundliche Erwähnung der Lüdenscheider Schützengilde gilt. Das Original ist nicht erhalten, lediglich die Abschrift eines Notars aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, der mit seiner eigenen Unterschrift beglaubigte, dass diese Abschrift mit dem Original übereinstimmte. Eine weitere notarielle Abschrift stammt aus dem Jahr 1696, die wiederum die wörtliche Übereinstimmung mit dem Original und der rund 30 Jahre älteren Kopie beglaubigt. Eine detaillierte Dokumentation des Schützenwesens im Sauerland enthält der Begleitband zur Ausstellung „Schützen-Welten, Bewegte Traditionen im Sauerland“, der in den Museen der Stadt Lüdenscheid erhältlich ist.

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