Mysterien der Menschheit

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Holger aus dem Publikum (links) als Geräuschemacher mit dem Kölner Kabarettisten Sascha Korf.

LÜDENSCHEID -   „Das deutsche Fernsehen ist ein Quell suizidaler Depression!“ Mit dieser Grundeinstellung eröffnete Sonntagabend der Comedian Sascha Korf die 35. Lüdenscheider Kleinkunsttage in der Garderobenhalle des Kulturhauses. Was bliebe da anderes übrig, als selbst Drehbücher zu schreiben? Und schon war der erste von insgesamt fünf Kleinkünstlern mittendrin im Wettstreit um die Lüsterklemme.

Von Jutta Rudewig

Hundert Prozent Stand-up-Comedy und Improvisationstalent wurden zum Auftakt auf der Kleinkunstbühne serviert. Kulturhausleiter Stefan Weippert, der wie in jedem Jahr zum Auftakt die „Spielregeln“ erklärte, kündigte den Kölner Comedian Korf als rasant an und versprach nicht zu viel. Keine Sekunde Ruhe, immer im Dialog mit dem Publikum, immer die „undankbaren Plätze in der ersten Reihe“ im Visier. Der Buchhalter Carsten aus Lüdenscheid war der erste, der ins Programm eingebaut wurde, Student Robert, der mit seiner Oma gekommen war und später dann Bestatter Andreas aus Herscheid, den Korf auf die Bühne holte. Doris, Susanne und Jutta bekamen Sekt, und zwischendurch jonglierte Korf amüsant von einem zum anderen Thema. Ob der Kaloriendispositionskredit der Weight Watchers – „Was kriegt man denn da für einen Punkt? Einmal Lecken am Kotelett?“, die Rosamunde-Pilcher-Tour auf der AIDA, Wowereit und sein Flughafen – „Ich warte drauf, dass der sagt: Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen“ – und schon läutete Korf die Pause ein, die er sich bei seinem Laufpensum auf der Bühne ohne Zweifel verdient hatte. Eine knappe halbe Stunde später nahm der Kölner Tausendsassa ein Bad in der Menge, um anschließend das letzte Mysterium der Menschheit zu entschlüsseln: Den Aufzug zur Burg in Altena.

Jeder Stand-up-Comedian sei nur so gut wie sein Publikum, stellte Korf am Ende fest und hätte gern die Gäste im ausverkauften Saal mit zur nächsten Vorstellung nach Düsseldorf genommen: „Mir ist das völlig wurscht, wer hier den Preis gewinnt, ich hab so einen Bock, hier auf der Bühne zu stehen!“ Begeisterung auf beiden Seiten: Korf genoss den Erfindungsreichtum der Zurufe, das Publikum das, was er anschließend draus machte.

Den Hut gilt es zu ziehen vor Holger aus dem Publikum, der als Geräuschemacher diente. Der könnte gut sein eigenes Programm entwickeln. Insgesamt bot Sascha Korf einen mehr als gelungenen Auftakt der Kleinkunsttage. Die anderen Künstler werden es nicht leicht haben. Am Mittwoch tritt an gleicher Stelle Anna Piechotta ab 19.30 Uhr auf.

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