Knöllchen-Streit um Stellfläche: Anwohner und Stadt über Existenz uneinig

+
Die weiße Markierung des Stellplatzes ist sehr stark abgeblättert und nur noch schlecht zu erkennen.

Lüdenscheid - Fast 30 Jahre war er da und dann sollte es ihn auf einmal nicht mehr geben. Die Rede ist von einem Stellplatz an der Obertinsberger Straße, direkt vor dem Haus Nummer 7.

Die Markierung ist verblasst, abgeblättert und kaum noch zu sehen. Sie wurde über die Jahre nicht erneuert. Doch das macht nichts, die Anwohner kennen den Parkplatz schließlich schon seit vielen Jahren, einige sogar seit er geschaffen wurde.

Das Ordnungsamt offenbar nicht. Denn die Anwohner erhalten immer wieder Strafzettel, wenn sie ihr Auto dort abstellen, wie Jan Kahle, seit 2006 Vermieter des Hauses Nummer 7 und selbst Anwohner in der Straße, berichtet. Die Begründung: Sie haben in einer Zone für eingeschränktes Halteverbot geparkt. Bis vergangenes Jahr hätten die Anwohner in so einem Fall erfolgreich Einspruch einlegt, doch nun sei das nicht mehr möglich, wie Jan Kahle erzählt. Die Stadt wollte die Verwarnungen nicht rückgängig machen.

Der Unterschied zu den übrigen Parkflächen an der Straße: Diese sind durch graue Pflastersteine markiert und daher nach wie vor gut sichtbar. Die Stellfläche, um die es sich handelt, war mit weißer Farbe eingezeichnet. Die übrigen Parkflächen wurden schon mit der Erschließung der Straße angelegt und die Bewohner der Straße konnten sich damals in die Gestaltung der Straße mit einbringen, erklärt Jan Kahle. „Die damalige Besitzerin des Hauses Nummer 7 wollte vor ihrem Hauseingang im Gegensatz zu den anderen Anwohnern keinen Parkplatz und darum wurde dort auch nicht in dem wunderschönen grauen Betonsteinen gepflastert“, schildert Jan Kahle. Mehrere Jahre später seien die Erben einem Parkplatz jedoch nicht abgeneigt gewesen, berichtet Kahle, der sich zu dieser Zeit selbst nicht in Lüdenscheid aufgehalten hatte, sondern einige Jahre beruflich unterwegs war.

Die übrigen Stellflächen an der Obertinsberger Straße sind grau gepflastert und heben sich deutlich ab.

Ein Mieter seines Vaters aus dem Haus Nummer 5 und dieser hatten gemeinsam den Stein ins Rollen gebracht. Der ehemalige Mieter kann sich auch noch daran erinnern: „Es hat ein bis zwei Monate gedauert, bis alles in die Wege geleitet wurde. Die Parkplatzsituation war damals nicht prickelnd und an der Stelle, an der dann der Parkplatz eingezeichnet wurde, war toter Raum. Es war auch keine Privatfläche, sondern allgemein nutzbar. Und auch von einer Verkehrsbehinderung kann man da nicht sprechen“, erklärt er. Er und der Vater von Jan Kahle hatten damals mit der Stadtverwaltung gesprochen. Ob es einen Schriftverkehr gab, weiß er allerdings nicht mehr. Auf ihre Anfrage hin, sei irgendwann auf einmal ein Parkplatz eingezeichnet gewesen. „Das muss Anfang der 90er-Jahre gewesen sein“, sagt der damalige Mieter, denn vor 24 Jahren sei er aus der Straße weggezogen.

Die Stadtverwaltung hat den Fall an der Obertinsberger Straße geprüft. Das Problem: „Es gibt keinen Vorgang in den Akten und keine verkehrsrechtliche Anordnung“, erklärt Sven Prillwitz, Pressesprecher der Stadt Lüdenscheid. Da diese verkehrsrechtliche Anordnung nicht vorliege und es somit kein offizielles Dokument gibt, konnte die Stadt nicht nachvollziehen, dass es an der besagten Stelle auch wirklich einen Parkplatz gab. „Scheinbar wurde das damals per Handschlag besprochen und dann ausgeführt“, sagt Sven Prillwitz. Da die damalige Markierung wirklich kaum noch zu erkennen ist, haben die Ordnungsamtsmitarbeiter diese übersehen oder auch einfach nicht gekannt, erklärt Prillwitz. Die Verwarnungen seien jedenfalls nicht in böser Absicht verhängt worden, sondern in der Annahme des Falschparkens.

Die gute Nachricht: Da es den Parkplatz nun schon fast 30 Jahre lang gibt, entschloss sich die Stadt nach eingehender Recherche dazu, die Stellfläche doch zu erhalten. Der STL wird die Markierungen erneuern, damit diese wieder gut sichtbar sind und der Parkplatz wird offiziell eingerichtet. Dann wird es auch einen Aktenvermerk geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare