Knappe Mehrheit für Schulbezirke

Der Schulausschuss besichtigte auch die neugestalteten Betreuungsräume in der OGS der Adolf-Kolping-Grundschule.

LÜDENSCHEID ▪ Mit der knappen Mehrheit von neun zu sieben Stimmen hat sich der Schulausschuss am Dienstag für die Einführung von Grundschuleinzugsbereichen ab dem Schuljahr 2012/13 ausgesprochen. Dafür stimmten die SPD, die Linke, die Grünen und die Lüdenscheider Liste. CDU und FDP sprachen sich gegen die stärkere Regulierung der Anmeldungen für die Grundschulen aus.

Die endgültige Entscheidung über die Einführung von Schuleinzugsbereichen soll der Stadtrat am 20. Juni fällen. Das geänderte Verfahren würde Ende 2011 erstmals für das Schuljahr 2012/2013 angewendet.

Die Debatte über diese Frage verlief im Schulausschuss genauso kontrovers, wie es das Abstimmungsergebnis wiedergibt. Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder warb für die Einführung von Schuleinzugsbereichen, weil diese der Stadt bessere Steuerungsmöglichkeiten verschaffe. Bei Investitionen in Schulräume müsse die Stadt Gewissheit haben, „dass solche Investitionen nicht nach wenigen Jahren obsolet würden“, sich also als überflüssig herausstellten. „Wir wollen nicht jedes Jahr auf die Lostrommel schauen und sehen, was da rauskommt“, blickte Schröder skeptisch auf die Konsequenzen einer örtlichen Freigabe der Schulanmeldungen.

Schuleinzugsbereiche erlaubten eine bessere Verteilung der Schüler und damit den Erhalt von Schulstandorten. Sie verhinderten „massive Wegbewerbungen“ von Eltern aus den Schulen der Innenstadt. Gut die Hälfte der Meldungen jenseits des eigenen Bezirkes betrafen im Schuljahr 2009/2010 die Grundschule Kalve, die Knapper Schule und die Tinsberger Schule. Im Schuljahr 2010/2011 verstärkte sich dieser Trend zur Nicht-Anmeldung von Kindern in diesen Schulen noch weiter. Reinhard Merkschien vom Schulverwaltungsamt nannte negative Konsequenzen dieser Entwicklung: Andere Grundschulen in der Umgebung dieser Schulen hätten daraufhin sehr große Eingangsklassen bilden müssen.

Anette Schwarz beschwor für die FDP die Freiheit des Elternwillens, der dem Planungswillen der Stadt nicht fundamental entgegenstehe: Gerade mal 60 Eltern hätten sich aufgrund der Freigabe der Grundschulwahl über das bisher übliche Maß hinaus für eine Schule jenseits ihrer Stadtteilschule entschieden. Die „Linke“ befürchtete eine „Ghettoisierung“ der Grundschullandschaft.

Jens Holzrichter (FDP) beschwor die Gefahr, dass die Verteilung der Kinder durch Schuleinzugsbereiche die demographische Entwicklung verschleiert werde. Es gebe auf Dauer nicht mehr genug Kinder, um alle Schulstandorte zu erhalten. Holzrichter kritisierte „Entscheidungen zum Erhalt von Schulstandorten, die eigentlich aufgegeben werden müssten“. ▪ thk

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