Knallend explodierende Farbpixel

Mit der Laserpistole geht es an die Arbeit.

LÜDENSCHEID ▪ Ein Porträt von der Ex auf der Brust macht sich nicht gut, wenn man gerade die Zuneigung einer neuen Frau gewonnen hat. So ging es einem Mann, der sich früher, in größter Verliebtheit, seine Frau hatte auf die Brust tätowieren lassen.

Ein Tattoo geht von alleine nicht mehr weg, prägt also ein ganzes Leben lang. Als die sehr „unbegeisterte“ neue Freundin dann von der Möglichkeit einer Laserbehandlung zur Tattooentfernung erfuhr, nahm sie die Sache selbst in die Hand und meldete ihr neues Herzblatt kurzerhand im Lüdenscheider House of Tattoo an.

Dort machte sich dann Anita Kierpal über das nunmehr unerwünschte Kunstwerk her. Die 29-Jährige ist gelernte Kosmetikerin und Piercerin. „Man entwickelt einen Blick für Ästhetik und kennt sich mit Anatomie und Haut aus.“ Sie selber hat mehrere Tattoos, die eine Bedeutung für sie haben und auch wohl überlegt sind. „Aber irgendwann kam ich in die Situation, dass mir eines meiner Tattoos nicht mehr gefiel.“

Ihr größter Wunsch war, den unliebsamen Körperschmuck wieder los zu werden. Sie informierte sich und fand heraus, dass eine Behandlung sehr teuer ist – und auch, dass es in Lüdenscheid niemanden gab, der sie anbot. Kein Wunder: Schließlich kostet eine dafür notwendige, spezielle Laserpistole auch mindestens 8000 bis 10 000 Euro.

Die Idee vom eigenen Studio setzte sie in die Tat um und befreit inzwischen Kunden jeden Alters von ihren Jugendsünden. „Hier kommen wirklich Leute an, die ihr Tattoo so schnell wie möglich loswerden wollen“, berichtet Kierpal. „Oft hoffen sie, dass es mit einer Behandlung getan ist. Da muss ich sie dann aber enttäuschen. Vier bis sechs Sitzungen muss man schon über sich ergehen lassen.“

Die Behandlung ist sehr schmerzhaft und ruft Schwellungen sowie Haut-Blutungen hervor. Für zart Besaitete ist das nichts. Unter Umständen tut es mehr weh, als das Stechen des Tattoos selbst. „Die Pistole mit Linsenaufsatz ruft eine Art Platz- und Sprengeffekt der eingelagerten Farbpartikel hervor“, erklärt Kierpal. Das geschieht, da die Farbpigmente des Tattoos das Laserlicht absorbieren, also aufnehmen, und dann platzen. Bei jeder Punktierung, die Anita mit der Laserpistole vornimmt gibt es einen lauten Knall. „Die Leute sind oft richtig schockiert. Dazu kommt dann der stechende Schmerz.“

Vor der Behandlung erwarten die Kunden in der Regel aber nicht, dass es so weh tun wird. „Die Schmerzen sind in etwa so, als ob man heiße Fettspritzer abbekommt.“ Augenzwinkernd ergänzt die Tattoo-Entfernerin, dass vor allem Männer sehr wehleidig seien und am lautesteten schreien.

Um seine gesunde Haut muss man sich aber keine Sorgen machen. Der Laser reagiert nur auf die Farbpartikel des Tattoos. Nach der Sitzung ist die betreffende Hautstelle zunächst sehr gereizt. Im Laufe der Zeit bildet sich Schorf, der unter keinen Umständen entfernt werden darf. „Die Haut muss sich erholen und jeden Tag mit einer bestimmten Salbe eingecremt werden.“ Bis zur nächsten Sitzung, die nach sechs bis acht Wochen stattfinden kann, werden die losgelösten Farbpartikel vom Lymphsystem „weggespült“ und die Haut kann heilen.

Bereits nach der zweiten Sitzung ist ein Erfolg zu erkennen. Das Tattoo verblasst langsam und die Konturen werden schwächer. Darüber freute sich laut Anita auch eine Kundin, die bald heiraten wollte. Ihr Babylöwen-Tattoo auf dem Dekolleté sollte – wenn möglich – nicht aus dem weißen Traumkleid hervorblitzen. „Die Erleichterung war groß, als sie den Erfolg sah, dennoch musste sie ein wenig mit Make-up nachhelfen. So schnell war das Bild nicht vollständig zu entfernen.“

Viele, die Rat und Hilfe im Laserstudio suchen, wollen den Namen des Exfreundes oder der Exfreundin auf ihrer Haut loswerden. „Das sind aber auch Tattoowünsche, die wir eine Etage weiter unten – im Tattoostudio – nicht erfüllen. Ein Motiv will und muss sorgfältig überlegt sein, schließlich hält es ein Leben lang“, hat Kierpal eine eindeutige Meinung zu Namenszügen.

Dass die Laserbehandlung nur eine Notlösung ist, betont Anita mehrfach. Auch wenn keine Narben entstehen, erfordert die Behandlung ein hohes Maß an Tapferkeit. Dazu kommt, dass man vorher nicht absehen kann, wie viele Sitzungen erforderlich sind. Es kommt auf Größe, Tiefe und Farbe des Tattoos sowie auf die Reaktionsfähigkeit des körpereigenen Immunsystems an. „Die Möglichkeit, Tattoos, an denen man sich satt gesehen hat, wieder entfernen zu können, darf auf keinen Fall eine leichtfertige Entscheidung für ein Tattoo hervorrufen“, betont Anita. Ein Entschluss, der auf einer solchen Überlegung beruhe, sei inakzeptabel und würde von seriösen Tätowierern nicht ausgeführt, meint die Fachfrau.

Von Kristina Köller

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