Ärzte sagen Sepsis in Lüdenscheid Kampf an

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Von links: Prof. Thomas Uhlig, Dr. Thorsten Kehe, Prof. Joachim Lorenz.

Lüdenscheid - Der Volksmund spricht von Blutvergiftung, Mediziner von Sepsis. Tritt sie auf, fluten Krankheitserreger das Immunsystem bis hin zum kompletten Organversagen. Rechnerisch dürften allein in Lüdenscheid rund 150 Fälle pro Jahr auftreten. Ein Drittel bis die Hälfte davon endet tödlich.

Es ist kein neues Thema, das die Kliniken des Märkischen Kreises angehen. Neu sind aber die disziplinenübergreifende Koordination und die Routinen, die vom Notarzt bis zur Notaufnahme eingebaut wurden.

Prof. Thomas Uhlig, Klinikdirektor für Anästhesie, Operative Intensivmedizin, Schmerztherapie und Rettungswesen, spricht von der Ganzkörperentzündung, für die man sensibilisieren will. „Wir wollen die Patienten früher erwischen, zu Hause, beim Hausarzt und auch in der Klinik.“ Die Initiative des Klinikums geht zurück auf immer weiter reichende Erkenntnisse unter anderem auch aus den USA, welche Maßnahmen und welche Behandlungsschritte wann erfolgversprechend sind. Denn die Sepsis ist extrem zeitkritisch.

Schulungen in der Notaufnahme

„Beim Faktor Zeit können wir etwas machen“, sagt auch Prof. Joachim Lorenz, Klinikdirektor für Innere Medizin II und damit auch verantwortlich für die Intensivmedizin und die Notaufnahme. Drei Schulungen mit Schwestern hat er bereits abgehalten. Auch die Kollegen der weiteren Kliniken sind eingebunden. „Der Hörsaal war voll“, erinnert sich Uhlig.

Den vielleicht lebensrettenden Zeitgewinn will das Klinikum unter anderem über die Notaufnahme schaffen. Zeigt der Patient nur eines des Symptome wie schlechte Sauerstoffsättigung, abfallenden Blutdruck, Puls oder fehlende Nierenfunktion, wird er automatisch zum akuten Notfall hochgestuft und verliert keine Zeit mehr in anderen diagnostischen Verfahren.

Zudem hoffen die Mediziner auf eine höhere Sensibilität der Patienten selbst, die beim Auftreten dieser Zeichen umgehend den Arzt oder im Notfall direkt die Notaufnahme aufsuchen sollten.

Das Fatale an der Erkrankung sei, dass sie jeden treffen könne. Ein höheres Risiko trügen Menschen mit vorgeschädigtem Immunsystem oder besonderer genetischer Veranlagung, doch die krankmachenden Keime trage jeder bereits in sich – allerdings in Schach gehalten durch ein funktionierendes Immunsystem, wie Uhlig erläutert.

Todesursache Nummer 3

Dass die Sepsis, obwohl Todesursache Nummer drei in Deutschland, im Bewusstsein der Menschen kaum eine Rolle spiele, hänge damit zusammen, dass sie mit anderen Begriffen nicht zusammengebracht werde. Ob Ebola oder Tod durch Grippe – die Todesursache sei auch in diesen Fällen letztlich Sepsis: der Sieg des Erregers übers Immunsystem.

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