Klinikum: Erneut hohes Defizit

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Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel (l.) und Geschäftsführer Dr. Günter Peters rechnen mit einem hohen Defizit. ▪

LÜDENSCHEID – Die Botschaften der Märkischen Kliniken für das laufende Geschäftsjahr fallen alles andere als erfreulich aus. Aufsichtsrat und Geschäftsführung rechnen wieder mit einem hohen Verlust. Nach einem Minus von 5,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr werden in 2012 rund 3,8 Millionen Euro in der Kasse fehlen.

Vor einem Vierteljahr war die Klinikspitze noch deutlich optimistischer und rechnete „nur“ mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro. „Unsere Hochrechnung war zu hoffnungsfroh“, so am Mittwoch Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel.

Für das Ergebnis machten Seidel und Klinik-Geschäftsführer Dr. Günter Peters – sein Kollege Dr. Bernhard Schwilk weilt noch im Urlaub – mehrere Gründe verantwortlich. Einen unerwartet hohen Kostenanstieg habe es beim medizinischen Sachbedarf vor allem im Labor, der Apotheke und der Kardiologie gegeben. Der medizinisch notwendige Einsatz von Medikamenten müsse auch unter Kostenaspekten erfolgen, so Dr. Peters. „Bei Arzneimitteln mit gleichen Wirkstoffen werden wir verschärft auf die Preise achten müssen.“

Der Personalaufwand sei wegen zusätzlicher Einstellungen ebenfalls gegenüber den ersten Hochrechnungen gestiegen, so Seidel. Dafür sei es gelungen, den Einsatz der Freelancer – das sind freie Honorarärzte – im Klinikum zu senken. Ihr Budget liege inzwischen bei den kalkulierten rund 1,5 Millionen Euro. Im Vorjahr war die Summe fast doppelt so hoch. Außerdem würden Mehrleistungen nicht immer in voller Höhe von den Krankenkassen vergütet.

Durch das Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger habe sich weiterer Beratungsbedarf mit externen Partnern ergeben. Die Gutachterergebnisse würden in der nächsten Sitzung dem Aufsichtsrat vorgestellt, so Seidel. Die Geschäftsführung leite noch in diesem Jahr erste Maßnahmen ein. Die würden sich aber erst im Folgejahr auswirken.

„Wir werden mit Ruhe klare Strukturierungen vornehmen“, unterstrich Dr. Peters. „Kurzfristige Aktionen wird es nicht geben.“

Auch wenn Aufsichtsrat und Geschäftsführung nicht davon ausgehen, dass der Fehlbetrag bis Ende des Jahres noch weiter ansteigt, betonte Seidel aber auch: „Risiken gibt es immer. Gerade bei einem Krankenhausbetrieb sind manche Dinge nicht planbar. Ein Gegensteuern ist deshalb nicht einfach.“ Zugleich hofft der Vorsitzende des Kontrollgremiums, die Ergebnisse 2013 besser in den Griff zu bekommen.

Die Bürgschaft des Märkischen Kreises in Höhe von 25 Millionen Euro habe dazu geführt, dass das Klinikum bei kurzfristigen Geldaufnahmen bessere Zinskonditionen am Markt erziele. „Wir haben aber vom Kreis keinen Cent erhalten.“ - be

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