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Klingbeil und die Lüdenscheider SPD

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Von: Thomas Machatzke

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Zwei Politiker im Wahlkampf
Sebastian Wagemeyer und Lars Klingbeil im August 2020 in Nannis Kirchhahn. © Thomas Machatzke

Nannis Kirchhahn, Erinnerungen an einen Tag im August 2020: Lars Klingbeil war Generalsekretär der SPD, Sebastian Wagemeyer Bürgermeisterkandidat in Lüdenscheid. Inzwischen ist Wagemeyer Bürgermeister, Klingbeil soll bald Vorsitzender der Bundes-SPD werden. In Lüdenscheid findet man das richtig gut.

Lüdenscheid - 453 Tage ist es her, da begrüßten die Lüdenscheider Sozialdemokraten im Bürgermeister-Wahlkampf für Sebastian Wagemeyer im Biergarten in Nannis Kirchhahn einen jungen, elanvollen Generalsekretär. Wer hätte an diesem 14. August 2020 gedacht, dass dieser Lars Klingbeil nun neben Saskia Esken neuer Parteivorsitzender der ältesten Partei des Landes werden soll? Mit gerade einmal 43 Jahren Lebensalter.

Seit dem 14. August 2020 ist viel passiert. Sebastian Wagemeyer ist Bürgermeister geworden in Lüdenscheid, das war ein Stück weit erwartbar. Olaf Scholz ist wie Phönix aufgestiegen aus der Asche und will das Land bald als Kanzler regieren. Das war dann schon überraschender. Jedenfalls ausgehend von jenem Freitag im August 2020.

Und nun also Klingbeils Beförderung. „Absolut geeignet“, sagt Sebastian Wagemeyer spontan über den designierten Nachfolger von Norbert Walter-Borjans in dem Amt, das so lange Willy Brandt (23 Jahre) bekleidet hat und das der Sauerländer Franz Müntefering später mal als das „schönste Amt neben Papst“ bezeichnete. „Ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Wagemeyer, „denn jetzt brauchen wir einen neuen Generalsekretär…“

Klingbeil und die Lüdenscheider SPD

Keine Frage: Nicht nur Sozialdemokraten wissen den Anteil Klingbeils als Generalsekretär am unverhofften Erfolg im Wahljahr 2021 gut einzuschätzen. „Er hat das geschafft, was man der SPD nicht mehr zugetraut hat“, sagt Wagemeyer und meint die Geschlossenheit im Wahlkampf, die Ruhe, mit der die Partei in einer so aufgeregten Zeit gepunktet hat, mit der sie von Platz drei auf Platz eins geklettert ist im Parteienspektrum. Ein Wahlkampf, den Klingbeil sich auf die Fahnen schreiben darf. Wagemeyer nennt diesen Wahlkampf und die Rolle Klingbeils darin den „Schlüssel zum Erfolg“.

Zwei Politiker im Wahlkampf SPD
Fabian Ferber (rechts) und Lars Klingbeil: Zeltlager-Vergangenheit und WhatsApp-Austausch. © Thomas Machatzke

„Lars Klingbeil ist stets freundlich zugewandt, empathisch - diese Art wird übrigens über die Parteigrenzen hinaus sehr geschätzt“, sagt der Lüdenscheider Bürgermeister, der seinerzeit am Kirchhahn quasi im legeren Partnerlook (Jeans, schwarzes Hemd, Turnschuhe) auftrat, „obwohl er zum Seeheimer Kreis gehört, kommt er auch mit einem Kevin Kühnert gut klar. Er hat ein großes Talent, integrativ in die Partei hineinzuwirken. In der SPD gibt es eine ganz Palette von Meinungen und Menschen, er schafft es, diese zusammenzuführen. Genauso wie Norbert Walter-Borjans bisher. Genau so jemanden braucht die Partei.“

Wir Sozis sind die, die die Welt verbessern wollen!

Lars Klingbeil bei seinem Wahlkampfauftritt in Lüdenscheid

Nicht nur Wagemeyer erinnert sich gerne an den Nachmittag am Kirchhahn. Es war der Sommer, in dem es für die SPD - zumindest im Bund und Land - eigentlich gar nicht gut aussah. Aber Klingbeil schaffte es seinerzeit schnell, seine Zuhörer mitzunehmen, gute Stimmung zu verbreiten. „Wir Sozis sind die, die die Welt verbessern wollen“, rief er den Lüdenscheidern seinerzeit zu. Die hörten es, und er hatte sie, ging ganz schnell. Nun ist es an ihm, diese „Sozis“ in genau diese Richtung zu steuern in seinem neuen Amt. In Lüdenscheid jedenfalls findet man diese Idee sehr gut.

Politiker im Wahlkampf
„Sozis wollen die Welt verbessern!“ Jungsozis sowieso - Lars Klingbeil mit den Lüdenscheider Jusos auf dem Parkplatz am Kirchhahn. © Thomas Machatzke

Auch Fabian Ferber, der Vorsitzende des Stadtverbandes der Partei, der Klingbeil im vergangenen August am Kirchhahn begrüßte und vorstellte. „Ich kenne Lars Klingbeil ja schon seit einem Zeltlager 2006 in Spanien“, sagt Ferber, „durch meine Tätigkeit bei der Arbeitnehmerinitiative im Willy-Brandt-Haus sehen wir uns auch dort noch hin und wieder und schreiben uns auch hier und da WhatsApp-Nachrichten.“

Ferber wird Klingbeil beim Parteitag selbstverständlich seine Stimme geben. Und er sagt auch, weshalb: „Lars ist geländegängig! Kein Schaumschläger. Er ist einer, der sicher auch noch für andere Aufgaben gut ist. Es ist gut, so einen in der Hinterhand zu haben...“

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