Erneute Schmierereien in der Anlage

Kündigungen drohen: Kleingärtner-Krieg im MK noch nicht beendet

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Kein Paradies ohne Dornen: In der Kleingartenanlage Hundebrink ist es jüngst zu zwischenmenschlichen Dissonanzen gekommen.

In der Kleingartenanlage Hundebrink wächst womöglich ein zartes Pflänzchen der Entspannung heran. Soll heißen: Im Konflikt um mutmaßlich gesetzeswidrig bebaute Gartenparzellen scheint eine gütliche Lösung vorstellbar.

Lüdenscheid –  So jedenfalls schätzt Thomas Braun als 2. Vorsitzender des Kleingartenvereins die aktuelle Entwicklung ein. Seine Beobachtung: „Inzwischen haben einige erkannt, dass wir vom Vorstand nicht die Bösen, sondern an das Bundeskleingartengesetz gebunden sind. Manche Pächter zeigen auch Einsicht und haben schon damit begonnen, zurückzubauen. Andere möchten es aber wohl darauf ankommen lassen.“ Und Braun weiter: „Insgesamt kann man sagen, dass sich die Lage leicht beruhigt hat – auch, wenn wir kürzlich wieder einen Schriftzug mit den Worten ‘Vorstand raus’ in der Anlage entdeckt haben.“ 

Zur Erinnerung: In der Kleingartenanlage Hundebrink war es in jüngerer Vergangenheit zu schweren Dissonanzen gekommen. Grund: Bei Ortsbegehungen im Sommer hatten der Vereinsvorstand sowie der übergeordnete Kleingärtner-Bezirksverband Lüdenscheid bemerkt, dass am Hundebrink 31 der 62 Parzellen unzulässig stark bebaut sind. Genauer gesagt: Knapp die Hälfte der Hobby-Gärtner hat sich die Gartenlaube so ausgebaut, dass sie inklusive Freizeitsitz größer als 24 Quadratmeter ist. Das aber sei laut Bundeskleingartengesetz verboten. 

Ermahnte Schrebergärtner müssen bis 31. Oktober zurückbauen

Die Funktionäre von Verein und Verband reagierten auf die ausgemachte Regelverletzung mit der schriftlichen Aufforderung an die Betroffenen, die Erweiterungskonstruktionen – etwa verglaste Wintergärten und Zusatzzimmer – bis zum 31. Oktober diesen Jahres zurückzubauen. Ansonsten würden vor Gericht „Rückbauklagen eingereicht“. Die ermahnten Schrebergärtner indes antworten laut Thomas Braun teils mit Aggression und beschimpften die Vereinsvorständler. 

Tiefpunkt der Auseinandersetzung: Aufgemalte Hakenkreuze auf den Parzellen von Vorstandsmitgliedern, die dann Anzeige gegen Unbekannt erstatteten. Dass mittlerweile „etwas Ruhe eingekehrt ist“, hält Braun für ein gutes Zeichen: „Derzeit haben wir keine Angst, dass etwas zerstört wird.“ Überhaupt wirbt der Vereins-Vize für den Weg der Einvernehmlichkeit. „Leben und leben lassen – das ist unsere Devise hier. Und wenn wir jetzt sehen, dass die Leute grundsätzlich Einsicht zeigen und zurückbauen, dann kommen wir nicht mit dem Zentimetermaß und messen das nach. Wir können auch Kompromisse eingehen.“ 

Kündigung droht weiterhin

Prinzipiell aber gelte weiter: Wer die Aufforderung zum Rückbau komplett ignoriere müsse mit „Rückbauklage“ und mit Kündigung der Vereinsmitgliedschaft rechnen. „Das ist aber wirklich nur der allerletzte Schritt“, sagt Braun, der gleichzeitig die gesellschaftliche Bedeutung des Kleingartenwesens betont: „Wir haben Freizeit-Gärtner aus allen Bevölkerungsgruppen. Nirgendwo funktioniert Integration besser als im Kleingarten.“ 

Dabei aber das Bundeskleingesetz zu befolgen, sei im Interesse aller Pächter: „Der Kleingarten soll ja in erster Linie ein Nutzgarten und kein Erholungsgarten sein. Nur wenn wir uns daran halten, bekommen wir auch einen niedrigen Pachtzins vom Besitzer des Geländes zugestanden.“ Das Areal der Kleingartenanlage Hundebrink gehört dabei der Stadt Lüdenscheid. Die Hakenkreuz-Schmiererei auf seiner Parzelle hat Thomas Braun übrigens umgehend überklebt. Mittelfristig soll die Verunstaltung in ein freundlich-kreatives Wandbild verwandelt werden – ohne Bezug zu den Vorgängen der Vergangenheit

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