Aussage gegen Aussage

Schläge von der Mutter? Kleines Mädchen im MK weint, Polizei rückt zu Einsatz aus

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein junges Mädchen hält sich am 24.01.2014 in Berlin die Hände vor ihr Gesicht. Die Hinweise auf Kindeswohlgefährdung haben in Hamburg 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 23,4 Prozent zugenommen. 
Foto: dpa/Nicolas Armer
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Symbolbild

Eine junge Mutter muss sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Lüdenscheider Amtsgericht verantworten. Die 29-Jährige soll ihre Tochter (6) auf offener Straße geschlagen haben.

Lüdenscheid - Wenn eine Mutter ihr kleines Kind auf offener Straße schlägt, schauen viele Passanten noch weg – und bleiben tatenlos. In dem Fall, den Strafrichter Thomas Kabus verhandelt, sind Zeugen jedoch aktiv geworden – und haben die Polizei gerufen. Auf der Anklagebank sitzt eine 29-Jährige Lüdenscheiderin. Sie sagt: „Ich habe meine Tochter in meinem ganzen Leben noch nicht geschlagen.“ Die Passanten hätten „wohl was in den falschen Hals bekommen“.

Schützenplatz Loh, 31. August 2019: Die Frau hat Stress mit ihrem Freund. Es geht lautstark zur Sache, er trinkt Dosenbier. Das kleine Mädchen (6) bemerkt ein Zirkuszelt auf dem Platz und möchte näher ran, doch die Auseinandersetzung zwischen den Erwachsenen eskaliert, das Kind weint, wird weggeschubst, angeschrien, „Halt die Schnauze“, kriegt einen Schlag an den Hinterkopf und stürzt. So berichtet es eine Zeugin. Eine junge Frau, die die Szene ebenfalls beobachtet hatte, spricht von einer „Backpfeife“.

Mädchen aus Lüdenscheid: „Mama hat mich nicht geschlagen“

Die Polizisten nehmen die Strafanzeige auf und reden mit dem Kind. In einem Einsatzvermerk der Beamten findet sich das Zitat: „Mama hat mich nicht geschlagen.“ Die Staatsanwaltschaft benachrichtigt das Jugendamt. Nach dem Besuch bei der Familie protokolliert eine Sozialarbeiterin, es gebe keine Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung, im Haushalt sei alles „sehr ordentlich“. Der Lüdenscheider Strafverteidiger Timo Saße ergänzt, die Mitarbeiterin des Jugendamtes habe das Verfahren als „völlig irritierend“ bezeichnet.

Die Angeklagte bleibt dabei. „Ich habe die Kleine nur an die Hand genommen, ein bisschen energisch vielleicht, aber es war keine Gewalt im Spiel.“ Aussage steht gegen Aussage.

Oberamtsanwalt Markus Desecar regt die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an. „Glücklicherweise ist ja nicht viel passiert.“ Das Mutter-Kind-Verhältnis sei nicht gestört. Auch Strafrichter Kabus hält eine Verurteilung der 29-Jährigen „nicht unbedingt für erforderlich“. Auch wenn das verhalten der Angeklagten „sicher fehlerhaft“ gewesen sei.

Die Hartz-IV-Bezieherin kommt glimpflich davon: 180 Euro an den Lüdenscheider Kinderschutzbund – zahlbar in sechs Raten.

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