Kleiner Kaan entwischt unbemerkt aus Kita

Eine Zeichnung wollte Kaan seiner Mutter zeigen und verschwand zunächst unbemerkt aus der Kindertagesstätte Haus der Jugend, um nach Hause zu gehen.

LÜDENSCHEID ▪ In Hausschuhen und ohne Jacke entwischte der kleine Kaan vor zwei Wochen unbemerkt den Erzieherinnen der städtischen Kindertagesstätte „Haus der Jugend“ an der Friedrich-Wilhelm-Straße. Kaan machte sich ganz allein auf den Weg nach Hause, das an der Bayernstraße liegt.

Die gute Nachricht: Dank einer aufmerksamen Autofahrerin, die den Dreijährigen an der Ecke West-/Parkstraße auflas und die Polizei informierte, kam Kaan gut zuhause an – im Polizeiwagen. Die schlechte Nachricht: Das hätte gar nicht erst passieren dürfen, was auch Andreas Hein, stellvertretender Jugendamtsleiter, einräumte. „Wir haben alle Glück gehabt, dass ihm nichts zugestoßen ist.“

Kaans Eltern und sein Großvater Irfan Kandemir wollen sich damit aber nicht zufrieden geben. Sie sind sauer auf die Erzieherinnen: „Sie haben ihre Aufsichtspflicht verletzt und viel zu spät reagiert.“ Akribisch haben die Verwandten das Geschehen jenes Morgens nachvollzogen und damit auch Bürgermeister Dieter Dzewas konfrontiert. Demnach seien 40 Minuten vergangen, bis das Erzieherinnen-Team die Eltern informierte. Nicht einmal die Polizei sei in diesem Zeitraum angerufen worden.

Zeitgleich mit dem Ankommen ihres Jungen in Begleitung der Polizei sei erst der Anruf aus der Kindertagesstätte gekommen. „Was ist in dieser langen Zeit passiert? Warum ist die Polizei nicht schnell über das Verschwinden unseres Jungen informiert worden? Wir fordern, dass dies Konsequenzen hat und nicht unter den Teppich gekehrt wird.“

Eine mündliche Ermahnung reicht ihrer Ansicht nach nicht. Die Eltern haben bereits Konsequenzen gezogen und wollen ihren Sohn in einer anderen Kindertagesstätte anmelden, aber in keiner städtischen mehr: „Das Vertrauen haben wir verloren.“

Andreas Hein erklärte, es gebe „keine normative Liste“ für Kindertagesstätten dazu, was zu tun ist, wenn ein Kind vermisst wird. Die Erzieherinnen hätten, nachdem Kaans Verschwinden bemerkt worden sei, zunächst alle Räume durchsucht, danach die Außenanlage. Dann hätten sie die nähere Umgebung mit dem Auto abgefahren.

Natürlich müssten Türen geschlossen sein. „Die Schwachstellen sind aufgedeckt worden und werden behoben.“ Die Bedeutung der Sicherheit bei der Betreuung der Kinder sei in Gesprächen nochmals unterstrichen worden. Hein: „Wir wollen nichts abstreiten. Das war uns eine deutliche Lehre.“

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