Eine ganz besondere Sammlung

Für Klaus-Peter Stachowiak ist immer Opel-Jahr

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Der Lüdenscheider Klaus-Peter Stachowiak macht aus seiner Opel-Leidenschaft keinen Hehl. Er sammelt alles, was mit der Marke zu tun hat. Auch ein Oldtimer inklusive einer stattlichen Zahl von Ersatzteilen gehört dazu.

LÜDENSCHEID - Wenn der Blitz einschlägt, kann daraus eine lebenslange Liebe werden. Bei Klaus-Peter Stachowiak war das der Fall. Der Lüdenscheider ist Opel-Fan. Er sammelt, was immer er von der Marke findet.

Von Susanne Kornau

Klaus-Peter Stachowiak sammelt auf die traditionelle Art, kommt durch Mundpropaganda an begehrte Stücke, fährt zu Treffen und Messen. Wer irgendwo gehört hat, dass bei ihm in guten Händen ist, was immer das Opel-Logo trägt – seit 1964 mit Blitz-Motiv –, lässt ihm Fundstücke zukommen. Zum Glück für Ehe und Sammlerüberblick bleibt das Internet außen vor beim Stöbern. Mit Computern hat’s der KFZ-Meister im Ruhestand nicht so, der im April 1956 seine Mechaniker-Lehre im Lüdenscheider Autohaus begonnen hat. 45 Jahre, bis zur Insolvenz des Betriebes im November 2001, blieb er dort. Sein Herz ist immer noch da.

Im Keller ist Platz für Ersatzteilsammlung und Ahnengalerie. Teilemärkte sind oftmals lohnendes Ausflugsziel für den Sammler.

Natürlich hat die Sammelleidenschaft Grenzen. Sie beschränkt sich überwiegend auf Kleinigkeiten, auf Zubehör im weitesten Sinne, auf Bücher und Logos, Fähnchen und Monteuranzüge, Betriebsanleitungen, Bücher und Ölkännchen. Die Modellpalette in Bildern – das muss genügen. Star der Sammlung ist gleichwohl sein Oldtimer, ein Olympia Rekord, gebaut von 1953 bis ‘54. „Damals kam jedes Jahr ein neues Modell“, erinnert er sich. „Das war noch richtige Wertarbeit.“ Den Wagen hat er einst für den symbolischen Preis von 100 Mark von einem Kunden erworben. Im Vertrag stand aber auch, dass er den Altbesitzer regelmäßig nach Neumühle auszufahren hatte. Im Januar wird der Wagen 60 Jahre alt. Damit auch der Enkel – der wird zehn – später noch gemächlich durch die Gegend fahren kann, schont Opa den Oldie nach Kräften. Möglichst nie bei Regen, erst recht nicht bei Schnee und Eis, keine langen Touren mehr. Das ist Gesetz. Stilbewusstsein auch: Den Fahrer kleiden Knickerbocker, Käppi und ein abgeschabter Lederkoffer. Der Fundus gibt’s allemal her.

Die Marke trägt seit 1964 den Blitz im Logo. Vorher gab’s die ovalen Opel-Eier, die der Sammler zu seiner großen Freude in Werkstätten ergattert hat.

Und noch viel mehr: Opel-Eier in vielen Größen, zum Beispiel. Beleuchtet und unbeleuchtet. So hieß das ovale weiß-gelbe Opel-Logo aus den Fünfzigern. Großes Ei – so hießen im Werkstatt-Jargon auch die großen Opel: Kapitän, Admiral, Diplomat. Doch zurück zu den Schildern. Zwei hat er, unter anderem, aus dem Lüdenscheider Autohaus gerettet, „damals musste innerhalb von 14 Tagen alles weg sein“. Lagerräumung nach der Insolvenz. Auch aus dem Urlaub hat er welche mitgebracht, eines einem Werkstattbesitzer in Österreich abgeschwatzt. „Es passte so gerade aufs Dach.“ Seine Frau Elfi erträgt die Leidenschaft gelassen, „so lange noch Platz im Auto war, dass wir sitzen konnten“. Heute schmücken die großen Schilder die Garage, zusammen mit großformatigen Bildern und Blechschildern.

Kittel und Werkstattoveralls, Fachliteratur und Teilekataloge, Mützen und Shirts dokumentieren auch den Wandel des Logos.

Im Haus an der Richardstraße sind den Stücken feste Plätze zugewiesen. Im Keller lagern Ersatzteile vom Wischerblatt bis zu neuen Winterreifen für den alten Wagen. Dort steht eine rechte, nie lackierte Tür, von der er nicht hofft, dass sie je eingebaut werden muss. Denn dann hätte der Wagen einen Unfall gehabt. Ein Auspuffrohr aus Eisenach, einen Auspufftopf aus Rüsselsheim, Reservekanister unterschiedlicher Größe, eine neue Batterie – „man kann eben nicht einfach in den Laden gehen und sich das kaufen“, weiß er. Also hält er die Augen auf, hortet ganze Schränke voller Ersatzteile: „Irgendwas braucht man immer.“ Er freut sich aufs Frühjahr, wenn in Hamm die Saison der Freiluft-Teilemärkte wieder beginnt.

Oldtimer sind Sonnenfahrzeuge: Sorgfältig abgedeckt, überwintert der Olympia Rekord in der stilecht dekorierten Garage.

Weiter oben im Haus wird’s kleiner, feiner, empfindlicher. Im Flur zum dritten Wohnzimmer, dem „Museum“, steht unter anderem eine Opel-Bodenvase von 1958 mit Kapitän-Motiv. Die gab’s „für guten Kundendienst“ im Autohaus. Im Raum unterm Dachgeschoss hat Klaus-Peter Stachowiak seine Schätze sorgfältig ausgebreitet und geordnet. Alte Ausgaben von „Der Opel-Fahrer“; Erinnerungen an den Schlüsselloch-Kapitän, dessen spezielle Rückleuchtenform ihm seinen Spitznamen gaben; Kalender und Kittel; Sticker, Fähnchen, Becher, selbst Putzlappen mit dem Opel-Motiv, das sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. Quell ewigen Sammelns.

Sticker, Aufnäher, Kalender, Modellautos und Werkstatthandbücher – kleine Auswahl einer großen Sammelleidenschaft.

Kurz vor Ablauf des Opel-Jubiläumsjahres – die Marke gibt’s 2012 seit 150 Jahren – wird Klaus-Peter Stachowiak 71. Er sammelt seit 30 Jahren „alles, was mit dem Namen Opel zu tun hat“. Sogar ein altes Opel-Fahrrad steht im Keller; gelegentlich fährt er sogar damit, „aber nicht so weit“. Dass Opel mit der Produktion von Nähmaschinen begann, ist weitgehend unbekannt. Ab 1886 bauten die Rüsselsheimer Fahrräder; erst Anfang des 20. Jahrhunderts wagten sie sich an die ersten Autos. Seit der Autofreund Rentner ist, fährt er Opel Astra. „Ich bin von der Marke absolut überzeugt, auch, wenn in den letzten Jahren so viel Schlechtes geschrieben wurde.“ Früher fuhr er nur Rekord. Sein allererstes Auto war allerdings noch ein Buckel-Taunus, ein Ford – „aber nur für ein Jahr“, sagt er, fast entschuldigend.

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