Klassentreffen: Hawaii als neue Heimat

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Vier von ursprünglich 20 Schülern, die mit der Oberprima b des Zeppelin-Gymnasiums 1950 Abitur machten, besuchten gestern ihre ehemalige Lehranstalt (v. l.): Leonhard Heider, Dr. Hermann Henssen, Klaus Weigel und Dr. Hannes Reif. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Nein, der Titel „Weltbürger“ müsse es gar nicht sein, sagt Dr. Hannes Reif. Aber er fühle sich mehr als Europäer als als „Deutscher“. Das überrascht nicht:

Als Sohn österreichischer Eltern wurde Hannes Reif in München geboren. Er lebte in der Tschechoslowakei, seine Kinder leben in Italien, und er reiste nun als langjähriger Modedesigner und späterer Maskenbildner bei Theater und Fernsehen aus seiner Wahlheimat Hawaii zum Treffen mit drei Mitschülern aus der Oberprima b von 1950 an – 35 Jahre nach seinem letzten Besuch in Lüdenscheid zum „25.“.

60 Jahre nach ihrem Abitur besuchten die vier ehemaligen Schüler das Zeppelin-Gymnasium, die damals noch in einer reinen Jungenklasse unterrichtet wurden: „Uns fehlte irgendwie das weibliche Element“, hieß es dazu. Die Grenze zum benachbarten Mädchengymnasium sei schwer bewacht gewesen – mit einem täglich frisch geharkten „Todesstreifen“, auf dem jede Fußspur sofort entdeckt worden wäre.

„In der Schule waren wir nicht so gut – im Beruf dafür umso besser“, blickt Leonhard Heider, der selbst als Städtischer Verwaltungsdirektor in Lüdenscheid tätig war, auf die beruflichen Erfolge zurück. Dr. Hermann Henssen arbeitete als Kernphysiker und überreichte der stellvertretenden Schulleiterin Uta Diers ein Buch, in dem er sich mit den ethischen Fragen der Kernenergienutzung beschäftigt hatte: „Ich war damals in der evangelischen Kirche aktiv und setzte mich mit der Frage ‚Kann man das ethisch verantworten?’ auseinander“, erklärte er dazu.

Klaus Weigel machte sich in der 60er-Jahren in Lüdenscheid selbständig, nachdem er die Frage „Wo ist mein Fabriksken?“ auch mit Hilfe seiner Frau beantwortet hatte.

Wolfgang Dullat, „gebäudeältester“ Lehrer der Schule, begleitete die Gruppe und führte sie unter anderem in die Wetterstation und an jenen Ort, wo die jungen Burschen einst die Quittung für ihre Bemühungen erhielten: „Hier haben Sie das Reifezeugnis erhalten!“ Die Aula war Anlass für Erinnerungen: 1949 war Goethe-Jahr und das Hängenbleiben beim Rezitieren seiner Verse fast ein Sakrileg. „Wir haben Goethe rauf und runter gelesen.“

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