Klassenfahrten auch künftig nicht in Gefahr

Immer ein besonderes Erlebnis: Hier eine Klassenfahrt der 6b des Geschwister-Scholl-Gymnasiums nach Langeoog im Jahr 2006.

LÜDENSCHEID ▪ Lüdenscheids Schulleiter sehen die Klassenfahrten an ihren Einrichtungen nicht in Gefahr, auch wenn Lehrer künftig Reisekosten geltend machen können. Allerdings herrscht noch keine endgültige Klarheit darüber, wie das Land auf die Urteile des Bundesarbeitsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts reagiert.

Beide Gerichte hatten dem Land ins Schulbuch geschrieben, dass Klassenfahrten nicht davon abhängig sein dürfen, dass Lehrer auf die Reisekosten verzichten. So aber war es bisher gängige Praxis. Eine Lehrerin und ein Lehrer aus NRW hatten unabhängig voneinander dagegen geklagt und Recht bekommen.

„Wir warten noch auf eine Konkretisierung der dann geltenden Richtlinien. Deshalb möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts dazu sagen. Das wäre nichts weiter als Spekulation“, sagt Annette Meyer, Leiterin des Bergstadt-Gymnasiums (BGL). „Die Fahrten am BGL sind jedenfalls wichtiger Bestandteil des Schulprogramms.“ Zum Teil sind sie verpflichtend, zum Teil fakultativ – also nicht zwingend. Dazu gehören Fahrten in die Städte der Schulpartner – als da sind Romilly, Vicenza, Taganrog, Wrexham.

Christiane Langs-Blöink, Leiterin der Theodor-Heuss-Realschule (THR), erklärt, Klassenfahrten seien für die Gemeinschaft in der Schule und die Erweiterung des Horizonts sehr wertvoll. Es herrsche innerhalb des Kollegiums ein „klimatischer Konsens“, diese Fahrten auf keinen Fall zu gefährden. Grundsätzlich stehen an der THR zwei Klassenfahrten während der Schullaufbahn an – einmal in der 6 und dann in der 10. „Dabei haben wir uns darauf verständigt, dass sie Kosten in der 6 auf 200 Euro, in der 10 auf 300 Euro gedeckelt sind.“ Könne dies von einer Familie nicht aufgebracht werden, greife nicht etwas der Förderverein ein, sondern werde dies über die Unterstützung aus dem Bildungs- und Teilhabegesetz geregelt. „Dem Förderverein ist dies nicht zuzumuten.“

Dies sieht auch ihr Kollege Peter Wagener, Leiter der Richard-Schirrmann-Realschule (RSR), so. „Der Förderverein wäre damit überfordert.“ Auch an der RSR sind zwei Klassenfahrten Teil des Schulprogramms. „Ich denke, dass die Erstattung der Reisekosten für die Lehrer zu einer Verbesserung führt. So wie es in der Vergangenheit war, war es schlecht. Jetzt müsste das Land aber auch für die entsprechende Finanzierung sorgen. Dazu muss es eine gerichtsfeste, vom Land erarbeitete Reisekostenregelung geben.“

Antje Malycha, Leiterin der Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG), hofft ebenfalls, dass das Land die nötigen Mittel zur Finanzierung bereit stellt. „Es wäre eine traurige Entwicklung, wenn eine Prioritätenliste erarbeitet werden müsste, welche Fahrten für Lehrer finanziert werden können und welche nicht – worüber dann wieder Schulkonferenzen entscheiden müssten. Das Verbot einer Fahrt ist für mich pädagogisch nicht vorstellbar.“ Die Fahrten seien wertvoll für den Unterricht und daher unersetzlich.

„Unser Kollegium hat nie kleinlich drauf geguckt, sondern bei den acht Klassenfahrten immer im Sinne der Schüler entschieden. Dass die Reisekosten für die Lehrer jetzt erstattet werden müssen, ist gut“, sagt Wilfried Roth, Konrektor der Ganztagshauptschule Stadtpark.

„Die nach den Urteilen erforderliche Erstattung durch das Land führt zu mehr Gerechtigkeit“, sagt Dr. Stefan Werth, Leiter des Zeppelin-Gymnasiums. Mit einem gewissen Zähneknirschen habe das Kollegium die bisherige Praxis des Verzichts auf die Kostenerstattung hin- aber sie im Interesse der Schüler in Kauf genommen. „Jetzt muss das Land die Erstattung übernehmen. Die Lehrer sind ja Landesbeamte. Im Etat stehen dafür sechs Millionen Euro, was aber bei rund 6000 Schulen wohl zu wenig sein dürfte.“

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