Kläranlage läuft über: Betreiber will 1 Mio. Euro von der Stadt

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Das Regenrückhaltebecken lief im September 2014 nach extremen Niederschlägen über.

Lüdenscheid – Auf rund eine Million Euro Schadensersatz hat der Ruhrverband die Stadt und den Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid (heute SELH) verklagt. Nach einem gescheiterten Vergleich gab es nun einen zweiten Akt in der Millionen-Klage.

Auf rund eine Million Euro Schadensersatz hat der Ruhrverband die Stadt und den Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid (heute SELH) verklagt: Nach extrem starken Niederschlägen von 38 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden lief in den Abendstunden des 20. September 2014 das Regenrückhaltebecken neben der sehr tief liegenden Kläranlage Schlittenbach über

Den Schaden an den technischen Anlagen im Maschinenraum beziffern die Kläger auf 738000 Euro. Darüber hinaus macht der Ruhrverband zusätzliche Personal- und Stromkosten geltend. Einem vorsichtigen Vergleichsvorschlag der zuständigen Zivilkammer des Landgerichts folgten die Parteien nicht, sodass zum zweiten Verhandlungstermin erstmals Zeugen geladen waren. 

Verantwortlich für die Reinigung eines im Laufe des Starkregens verstopften Rechens am Hauptablauf des Regenrückhaltebeckens war die Stadt, deren Mitarbeiter angeschwemmtes Bruchholz und Blätter wöchentlich entfernten. Von den vier befragten Mitarbeitern konnte sich keiner mehr detailliert an konkrete Kontrollen vor dem Starkregen erinnern. Ihre Schilderungen der allgemeinen Abläufe machten aber deutlich, dass die Anlage wöchentlich inspiziert und bei Bedarf gereinigt wurde. Da der entscheidende Rechen vor einem Abflussrohr von der benachbarten Landstraße 229 gut einsehbar sei, habe es möglicherweise auch Kontrolltermine gegeben, bei denen die städtischen Mitarbeiter nur kurz geschaut, aber nichts mitgenommen hätten. Für den Abtransport gefundener Hölzer und anderer angeschwemmter Verunreinigungen habe ein Kleintransporter und bei Bedarf auch ein Lastwagen mit Kran zur Verfügung gestanden.

Kleine Differenzen gab es darüber, wo Verunreinigungen, die nicht sofort abtransportiert werden konnten, gelagert wurden. „Das hat ja keinen Sinn, das dazulassen. Das sammelt sich ja sofort wieder“, sagte einer der städtischen Mitarbeiter. „Das ist eh so ein kleiner Rechen – da ist es unmöglich etwas liegenzulassen.“ Das Fazit der städtischen Mitarbeiter lautete: „Da war generell nicht viel in diesem Rechen.“ 

Zu diesem Punkt trugen der Leiter und ein weiterer Mitarbeiter der Kläranlage Schlittenbach abweichende Beobachtungen vor. Sie waren nicht verantwortlich für die Pflege des Rückhaltebeckens, dessen Rechen und den Ausfluss, hatten die Anlage und die Kontrollmaßnahmen aber immer mal im Blick: Von einer mittlerweile gefällten Baumgruppe in der Beckensohle habe das Wasser ziemlich viel Treibholz mitgenommen. „Es war ziemlich viel Totholz drin“, erklärte der ehemalige Leiter der Kläranlage. Die Säuberungskolonnen hätten bis zu dem Schadensereignis vorhandenes Treibgut auch schon mal in der Nähe des Rechens gelagert, wo es eigentlich mit einem Lastwagen abgeholt werden sollte. „Das Becken war sehr ungepflegt“, behauptete er.

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