Kita-Umfrage

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Das war beim Lockdown am Schlimmsten

Dass im Frühjahr Schulen und Kindergärten geschlossen waren, hat viele Lüdenscheider Familien an die Belastungsgrenze gebracht. Der Jugendamtselternbeirat der Stadt Lüdenscheid (kita21) hatte Ende Mai eine Online-Umfrage durchgeführt – zu einem Zeitpunkt, als noch unklar war, wann die Einrichtungen wieder öffnen.

Lüdenscheid – Eine der vielen Fragen, welche an die Eltern der Lüdenscheider Kita-Familien gestellt wurde lautete: Wie haben Familien in Lüdenscheid diese Zeit erlebt? Diese und andere Fragen standen im Zentrum, 515 Eltern nahmen teil. Die Bilanz: Knapp die Hälfte der Befragten berichteten über sehr deutliche Belastungen, fast einem Viertel fiel es schwer, immer die nötige Geduld aufzubringen. Drei Prozent der Befragten fühlten sich so stark belastet, dass sie angaben, fremde Hilfe zu benötigen. Die meisten setzten auf die Unterstützung durch Verwandte. Der empfohlene Kontaktverzicht war für einige Familien offensichtlich nicht praktikabel. Wir dokumentieren nachfolgend die Ergebnisse der Umfrage:

StadtLüdenscheid
Landkreis Märkischer Kreis
Einwohner 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Wie ging es den Kindern während des Lockdowns?

Das sehr schöne Wetter während des Lockdowns im Frühjahr hat allen Familien und den Kindern sicher sehr geholfen, weil die Familien viel draußen sein konnten und draußen gemeinsam gespielt haben, heißt es in der Bilanz von kita21. Darüber hinaus wurde in Lüdenscheider Familien viel gemeinsam gebastelt, Gesellschaftsspiele gespielt, gemalt, gebaut, gesungen und getobt. Ein Großteil der Befragten beschreibt ihre Kinder während des Lockdowns als fröhlich und lebenslustig; viele Kinder haben sich über die gemeinsame Zeit mit den Eltern gefreut. Allerdings beschreiben nur die Hälfte der Befragten ihre Kinder als ausgeglichen und 16 Prozent der Befragten stimmen stark der Aussage zu, dass ihre Kinder Ängste äußerten. Zwölf Prozent der Befragten stimmen stark der Aussage zu, dass sie innerhalb der Familie oft streiten; 28 Prozent stimmen stark der Aussage zu (und 36 Prozent stimmen der Aussage insgesamt eher zu), dass Geschwisterkinder öfter streiten. Die Kinder haben sich viele Gedanken dazu gemacht, wann sie wieder ihre Freunde und Freundinnen sehen können. Dies spiegelt sich auch in den Angaben der Befragten, wonach die Kinder stark den Kontakt und das Spielen mit ihren Freunden vermisst haben. 38 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ihre Kinder gelegentlich auch mit anderen Kindern aus befreundeten Familien oder in der Nachbarschaft gespielt haben.

Die Kinder der Befragten konnten im Durchschnitt an 1,22 Tagen pro Woche während der Corona-Pandemie ihre Freunde sehen. Dies ist allerdings ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 2,57 Tagen pro Woche von vor der Pandemie. Darüber hinaus mussten die Kinder auf die zahlreichen Freizeitaktivitäten und Hobbys verzichten und die sozialen Kontakte, die sich hier ergeben. Die Befragten geben an, dass die Kinder ihren gewohnten Alltag mit Kita und Aktivitäten nach der Kita als Verlust empfunden haben. Gefragt wurden die Eltern auch nach dem zeitlichen Umfang der Mediennutzung ihrer Kinder während der Pandemie. Bei circa 18 Prozent der Befragten hat sich der zeitliche Umfang der Mediennutzung der Kinder während der Pandemie nicht verändert; bei 40 Prozent der Befragten hat sich die Mediennutzung der Kinder um 60 Minuten täglich erhöht. Bei bis zu 15 Prozent ist der Anstieg des zeitlichen Umfangs der Mediennutzung allerdings massiv – zusätzliche zwei Stunden täglich und mehr. Dies war sicher auch das Ergebnis der Tatsache, dass Eltern Beruf und Betreuung der Kinder gleichzeitig stemmen mussten. Empfohlen wurde 2011 etwa vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine tägliche Bildschirmzeit von nicht mehr als 60 Minuten für Kinder im Kindergartenalter.

Ein Großteil der Befragten beschreibt ihre Kinder während des Lockdowns als fröhlich und lebenslustig; viele Kinder haben sich über die gemeinsame Zeit mit den Eltern gefreut. Allerdings beschreiben nur die Hälfte der Befragten ihre Kinder als ausgeglichen und 16 Prozent der Befragten stimmen stark der Aussage zu, dass ihre Kinder Ängste äußerten. Zwölf Prozent der Befragten stimmen stark der Aussage zu, dass sie innerhalb der Familie oft streiten; 28 Prozent stimmen stark der Aussage zu (und 36 Prozent stimmen der Aussage insgesamt eher zu), dass Geschwisterkinder öfter streiten. Die Kinder haben sich viele Gedanken dazu gemacht, wann sie wieder ihre Freunde und Freundinnen sehen können. Dies spiegelt sich auch in den Angaben der Befragten, wonach die Kinder stark den Kontakt und das Spielen mit ihren Freunden vermisst haben. 38 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ihre Kinder gelegentlich auch mit anderen Kindern aus befreundeten Familien oder in der Nachbarschaft gespielt haben. Die Kinder der Befragten konnten im Durchschnitt an 1,22 Tagen pro Woche während der Corona-Pandemie ihre Freunde sehen. Dies ist allerdings ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 2,57 Tagen pro Woche von vor der Pandemie.

Darüber hinaus mussten die Kinder auf die zahlreichen Freizeitaktivitäten und Hobbys verzichten und die sozialen Kontakte, die sich hier ergeben. Die Befragten geben an, dass die Kinder ihren gewohnten Alltag mit Kita und Aktivitäten nach der Kita als Verlust empfunden haben. Gefragt wurden die Eltern auch nach dem zeitlichen Umfang der Mediennutzung ihrer Kinder während der Pandemie. Bei circa 18 Prozent der Befragten hat sich der zeitliche Umfang der Mediennutzung der Kinder während der Pandemie nicht verändert; bei 40 Prozent der Befragten hat sich die Mediennutzung der Kinder um 60 Minuten täglich erhöht. Bei bis zu 15 Prozent ist der Anstieg des zeitlichen Umfangs der Mediennutzung allerdings massiv – zusätzliche zwei Stunden täglich und mehr. Dies war sicher auch das Ergebnis der Tatsache, dass Eltern Beruf und Betreuung der Kinder gleichzeitig stemmen mussten. Empfohlen wurde 2011 etwa vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine tägliche Bildschirmzeit von nicht mehr als 60 Minuten für Kinder im Kindergartenalter.

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Wie gestalteten sich die Elternbeiträge während des Lockdowns?

Es hat Kontroversen gegeben zum Umgang der Stadt mit der von der Landesregierung NRW angekündigten Aussetzung der Elternbeiträge für die Monate des Lockdowns. Strittig war, warum die Stadt nicht auf die Erhebung der Elternbeiträge im April und Mai verzichtete, sondern stattdessen ankündigte nach dem Ablauf des Kindergartenjahres 2019/2020 (das heißt im August) die für die Zeit des Lockdowns erhobenen Elternbeiträge rückwirkend zurückzuerstatten. Die von kita21 initiierte Umfrage zeigt, dass etwa 40 Prozent der Befragten mit dem Vorgehen der Stadt zufrieden waren; beachtenswert ist aber, dass 33 Prozent der Befragten hier deutliche Unzufriedenheit äußern. Nicht berücksichtigt ist bei den Aussagen der Befragten allerdings, dass die Stadt früher als zunächst angekündigt – nämlich bereits ab Juni – die Beiträge zurückerstattete. +

Offensichtlich hätte sich aber ein beträchtlicher Teil der Eltern gewünscht, dass die Beitragszahlungen während des Lockdowns ausgesetzt worden wären. Bei einem weiteren Lockdown wäre es aus Elternsicht insofern wünschenswert, wenn die Beitragszahlungen unmittelbar ausgesetzt und nicht erst rückwirkend zurückerstattet werden. Die Befragten beschreiben in der Umfrage, dass sie durch den Lockdown teilweise starke finanzielle Belastungen erfahren haben. Die Stadt hatte über die Presse darüber informiert, dass Eltern, die sich besonderen finanziellen Belastungen durch die Pandemie ausgesetzt sehen, sich an das Jugendamt wenden können, um temporäre Reduzierungen der Elternbeiträge und Ratenzahlungen zu vereinbaren. Allerdings wussten nur 13 Prozent der Befragten von diesem Angebot der Stadt. Insgesamt zeigt sich an diesen Zahlen, dass es erheblichen zusätzlichen Informationsbedarf auf Seiten der Eltern gab – etwa durch ein Informationsschreiben an alle Familien.

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Wie haben Eltern und Kinder die Notbetreuung erlebt?

Viele der Befragten scheinen auf das Angebot einer Notbetreuung bewusst verzichtet zu haben. Immerhin geben 38 Prozent der Eltern an, einen Anspruch auf eine Notbetreuung gehabt zu haben; allerdings haben nur 16 Prozent der Befragten von der Notbetreuung Gebrauch gemacht. Beachtenswert ist, dass diejenigen, deren Kinder die Notbetreuung besuchten, insgesamt eher zufrieden mit dem Angebot der Notbetreuung waren. Im Durchschnitt bewerteten die Befragten die Notbetreuung mit vier von sechs Punkten (von sehr unzufrieden bis sehr zufrieden).

Ein möglicher Grund könnte gewesen sein, dass es in der Notbetreuung sehr kleine Gruppen gab, so dass die pädagogisch Tätigen entsprechend viel Aufmerksamkeit jedem einzelnen Kind schenken und wahrnehmungssensibel auf die Interessen und Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes eingehen konnten. Vermisst wurde von den Befragten unter anderem ein engerer Austausch mit den Erziehern und Erzieherinnen; die Kindern haben vor allem ihre gewohnten Gruppenstrukturen und Freunde vermisst, mit denen sie sonst in die Kita gehen. Mit Blick auf die Informationspolitik der Stadt soll nicht unerwähnt bleiben, dass knapp 10 Prozent der Befragten keine Information über die Möglichkeit einer Notbetreuung hatten und sich nicht gut informiert fühlten.

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Wie haben die Kitas den Kontakt zu den Eltern und den Kindern während der Pandemie gehalten? Und welche Wünsche haben Eltern für den Fall erneuter Kita- und Gruppenschließungen?

15 Prozent der befragten Eltern geben an, dass die von ihren Kindern besuchte Kita keinen Kontakt zu den Eltern und/oder den Kindern während der Pandemie gehalten hat. Einige Eltern geben auch an, dass die Kita erst sehr spät Kontakt zu ihnen als Familien aufgenommen hat. Zugleich wird hier aber das hohe institutionelle Verantwortungsgefühl der meisten Einrichtungen deutlich. Denn 85 Prozent der Befragten geben an, dass die Kitas einen solchen Kontakt eigeninitiativ gehalten haben. Auch in den Zufriedenheitswerten mit dem Kontakt zu den Kitas zeigen sich erhebliche Unterschiede, 25 Prozent der Eltern, die an der Umfrage teilgenommen haben, geben an, unzufrieden oder sehr unzufrieden mit dem Kontakt gewesen zu sein, den die Kitas mit ihnen als Eltern und ihren Kindern während des Lockdowns gehalten haben. 50 Prozent der Befragten waren insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Kontakt. Der überwiegende Kontakt verlief digital per E-Mail (Elternbriefe, Spielanregungen, Bastelideen und so weiter) und/oder per Post. Viele Kitas haben Bastelpakete für Ostern und zum Muttertag versendet ebenso wie E-Mails mit Tipps für den Tag oder die Woche. Einige Kitas versendeten auch Hörgeschichten, selbst erstellte Memory-Spiele, Fotos von Erzieherinnen, Geburtstagswünsche per Post und auch Videobotschaften.

Einige Kitas haben mit großem Engagement den Kontakt zu den Kindern auch während des Lockdowns gehalten – teilweise mit erheblichem Aufwand. 20 Prozent der Eltern geben an, dass pädagogisch Tätige aus den Einrichtungen sie auch zu Hause besucht haben. Dies markiert ein besonderes Engagement dieser Kitas. Ebenso haben Pädagogen einiger Kitas auch mit den Kindern telefoniert. Ebenso geben 22 Prozent an, dass die Einrichtungen an die Eltern und Kindern selbst erstellte Videos zugesendet haben. Auf die Frage, was Eltern sich bei einer erneuten Schließung wünschen würden, antworten sie: stärkere persönliche Ansprache in E-Mails oder Briefen, persönliche Kontakte zu ihrem Kind (insbesondere auch per Anruf, Besuche oder Videotelefonie). Sehr dankbar zeigen sich Lüdenscheider Eltern vor allem dann, wenn es einen persönlichen Kontakt mit den Erzieherinnen während des Lockdowns gab – mit Besuchen, Anrufen, Videobotschaften, persönlichen Anreden in E-Mails oder Briefen. Ebenfalls wird von Befragten hervorgehoben, dass sie eine engere Einbindung des Elternbeirats gewünscht hätten. Sollte es erneut zu Kita- oder Gruppenschließungen kommen, würden sich die Eltern freuen, wenn auf diese Wünsche eingegangen wird.

Mehr als 500 Kita-Eltern in Lüdenscheid befragt: Was lässt sich daraus auch ablesen für den Kita-Alltag unter Pandemie-Bedingungen, mit möglichen Schließungen?

Auch für den sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“ haben die Befragten eine Reihe von Wünschen geäußert. Vielen Eltern ist wichtig, dass Erzieher und Erzieherinnen auch wie gewohnt bei Bedarf ihre Kinder umarmen und trösten. Vor strengen Verhaltensregeln, die das Wohlbefinden der Kinder einschränken, äußern die Eltern ebenso Sorge wie vor Ängsten ihrer Kinder. „Es ist sehr erfreulich, dass alle Kitas in Lüdenscheid zurzeit ein umfangreiches Programm für die Kinder anbieten können“, heißt es aus den Reihen des Jugendamtselternbeirates. „Da aber durchaus damit zu rechnen ist – wie zuletzt auch in verschiedenen Kitas geschehen – , dass ganze Einrichtungen oder Gruppen zeitweise schließen müssen, möchten wir uns gerne mit allen Trägern von Kindertageseinrichtungen in Lüdenscheid über die Ergebnisse der Auswertung austauschen“, heißt es in der Bilanz von kita21.

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

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