Auf die Kirmes nur noch zum Würstchenessen

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Großes Lob für die Ärzte im Klinikum und Verständnis für den BSV, der sein Jubiläumsprogramm ohne Abstriche durchzieht: Der verletzte Niklas (18), Tanja (21), Tobias (27) und Christopher (24) können schon wieder lachen.

LÜDENSCHEID ▪ Es hatte ein fröhlicher Abend werden sollen. Jetzt liegt einer aus der Clique im Klinikum und alle sind dankbar, dass man schon wieder gemeinsam lachen kann. Der 18-jährige Lüdenscheider Niklas hat sich bei dem Gondelunfall das linke Bein gebrochen. Er darf bald wieder nach Hause – ausgerechnet jetzt zieht die sechsköpfige Familie um.

„Ich hab’ nur ’ne Krakauer gegessen, und jetzt liege ich hier“, sagt Niklas kopfschüttelnd. Als er laute Knackgeräusche hörte, im nächsten Moment die Gondel auf sich zukommen sah, ist er gesprungen. Mit Tanja (21), ihrer Mutter und einer Nachbarin hatte er auf Tobias (27) und Christopher (24) gewartet. Auch für die beiden im Karussell war’s ein Schock: „Wir sahen nur die Gondel da liegen und unsere Freunde nicht mehr.“ Sie konnten sich befreien, halfen noch den beiden in der abgerissenen Gondel. Die Einsatzkräfte, da sind sich alle einig, seien schnell da gewesen: „Das war ein super Ablauf.“ Einer in Zivil hätte auch gleich geholfen: „Der war echt klasse.“ Auch die Ärzte im Krankenhaus seien toll.

Gemeinschaftsgefühl in der Notaufnahme

Nicht ganz so toll waren Erlebnisse am Rande: Noch ganz unter Schock lief Tanja nach dem Unfall zu einer Getränkebude, bat um eine Flasche Wasser – und musste zwei Euro bezahlen. „Ich bekäme aber Pfand zurück, hat der mir noch hinterher gerufen“, sagt sie fassungslos. Das hat sich genauso ins Gedächtnis gebrannt wie die Schreie und der Schrecken. Später, in der Notaufnahme, kam ein neues Gemeinschaftsgefühl auf: „Da haben wir alle zusammen Lena geguckt. Da hatten wir Ablenkung,“ sagt Niklas’ Mutter Bettina. Ihr kommen wieder die Tränen, wenn sie an die rasante Fahrt zum Kirmesplatz denkt, nach dem Anruf: „Alles andere ist so unwichtig geworden.“

Opfer will Schadensersatz, Schmerzensgeld

Für Niklas nicht. Er, der ein Jahrespraktium als Zweiradmechaniker macht, wollte sich gerade für zwölf Jahre beim Bund verpflichten. Verdienstausfall, kein Ferienjob, wer weiß, was kommt – er will Schadensersatz, Schmerzensgeld. Auch seine Jacke ist durch Schmierfett verdreckt und unbrauchbar: „Die hätte ich gerne noch.“ Sein kleiner Bruder hat ein anderes Problem: Er will unbedingt auf die Kirmes. „Das machen wir auch“, sagt Vater Andreas.

Vorm Einschlafen "kommt die Gondel"

Dass der BSV sein Jubiläumsprogramm durchzieht, dafür haben alle Verständnis. Der Bürgermeister sei da gewesen, BSV-Chef Rolf Linnepe, selbst der Karussellbetreiber, der ihm Freikarten angeboten habe, sobald das Karussell auf der Steinert wieder läuft. Die will er nicht. „Kirmes ja, aber nur zum Würstchenessen oder an die Fischbude“, sagt er, der so gelassen klingt. Erst, wenn der Besuch weg ist, es Abend wird und er einschlafen will, „dann kommt die Gondel“. - sum

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