Mai: Hilmar Klever

LÜDENSCHEID - Der Lüdenscheider des Monats Mai sprüht geradezu vor Begeisterung. Wenn er über Musik spricht, beginnen seine Augen zu leuchten, dann sprudeln Anekdoten, Erinnerungen, Namen und Zitate aus ihm heraus, dann ist der 74-Jährige in seinem Element – und wieder ganz jung.

Von Olaf Moos

Hilmar Klever, der Lüdenscheider des Monats Mai, hat vor drei Wochen sein 65-jähriges Jubiläum als Kirchenorganist gefeiert.

Das größte Glück für ihn ist wohl, dass sich sein früher Berufswunsch, nämlich Kirchenmusiker, nicht erfüllt hat. „Diesen Zahn“, erzählt er mit ausladender Gestik, „hat mir der Leiter der Landeskirchenmusikschule damals gezogen – ohne Betäubung“.

Freude an der Musik fühle man eher, wenn man nicht von ihr Leben muss. Also lebt er nicht von der Musik, sondern für die Musik. Mit zarten fünf Jahren nahm er die ersten Klavierstunden, fünf Jahre später kam Orgelunterricht dazu, und mit zehn Jahren galt er als der jüngste Kirchenorganist im Land. Freude an seinem „richtigen“ Beruf, Sonderschullehrer, hat Hilmar Klever ebenfalls empfunden, die Berufung aber lag stets in der Musik. So mussten seine Frau Ursula und seine Kinder Kerstin und Olaf oft genug auf die Gegenwart des Familienvaters verzichten. Ungezählte Abende gehörten verschiedenen Männerchören, etwa Orpheus Heerwiese, dem MGV Glocke („die konnten fürchterlich saufen“) oder Westfalia Lösenbach – um nur die zu nennen, die er überlebt hat. Dass er gefragter Pianist und Arrangeur für mehrere Bands war, kam noch hinzu. Mit „Schorsch“ Tausche musizierte er ebenso wie mit dem unvergessenen Günter Auth, schnappte sich gerne auch das Akkordeon oder setzte sich an die gute alte Hammond-Orgel.

Kein Wunder, dass Hilmar Klevers Kinder, vom Virus angesteckt, Instrumente lernten. „Aber meine drei Enkelkinder haben noch mehr Musik im Blut, sie spielen Klarinette, Querflöte und Gitarre.“ Der Opa ist stolz.

Muss so einer noch üben? „Ich muss nicht üben, aber ich will mir ja nicht immer denselben Mist von mir anhören. Also trainiere ich wie ein Sportler. Alles eine Frage der Kondition.“ Da stellt sich nach 65 Jahren – Sonntag für Sonntag und zwischendurch an der Kirchenorgel – die Frage: Wie lange will er das noch machen? Da fällt ihm wieder eine Anekdote ein, und diesmal zitiert Hilmar Klever sich lächelnd selbst. „Ich wurde in der Gemeinde gefragt – und da habe ich gesagt: Wenn ihr mich nicht fortjagt, dann spiele ich für euch, bis ich tot von der Orgelbank falle.“

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