Noch keine Zeit zum Sterben: Kinobetreiber aus dem MK lobt die Regierung

Kino Filmpalast
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Filmpalast-Betreiber André Lubba zeigt Verständnis für die Entscheidung der Regierung

Eigentlich müsste er schon längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen sein, aber James Bond bekommt keine Zeit zum Sterben: „No Time To Die“, so der Original-Titel des Streifens, soll bundesweit erst am 8. Oktober 2021 in die Kinos kommen. Also auch im Lüdenscheider Filmpalast.

Lüdenscheid – Filmpalast-Betreiber André Lubba hat den Aufsteller, der seinerzeit für die Bond-Premiere 2019 warb, an die Seite geräumt. Die Filmplakate an den Wänden sind veraltet, in dem Lüdenscheider Kino ist es still, kalt und dunkel.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Trotzdem hat der Kinobetreiber an diesem Vormittag bereits die „Arbeitsklamotten an“ und ist auf dem Weg in den Filmpalast. Was zu tun, sagt er, findet man immer. Die Premiere des Agententhrillers mit Daniel Craig war in Deutschland für den 31. März vorgesehen. Spekulationen darüber, wegen der Pandemie den Filmstart erneut zu verschieben, gab es länger schon. Es ist amtlich: Bond wird zu mittlerweile fünften Mal verlegt.

Für André Lubba allerdings kein Grund zum Lamentieren: „Unter keinen Umständen möchte ich einen Bond haben, wenn nur 20 Prozent der Säle ausgelastet sein dürfen!“ Auch wenn, so sagt er, mit dem Bond auch viele andere geplante Blockbuster aus den Listen der Filmverleiher verschwunden sind.

Kinobetreiber aus dem MK lobt die Regierung: Entweder ganz oder gar nicht

Wegen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie war schon in den vergangenen Wochen über eine erneute Verschiebung des Films diskutiert worden. In vielen Ländern sind die Filmtheater derzeit geschlossen. André Lubba plädiert für einen bundesweit einheitlichen Kino-Neustart und wünscht sich keinen Flickenteppich, nur weil in einem Bundesland die Corona-Fallzahlen niedriger sind als in einem anderen. „Das Schlimmste ist die 20-Prozent-Auslastung. Ich persönlich rechne mit einer Kino-Öffnung im April, vielleicht auch erst im Mai. Aber uns ist ja nicht damit geholfen, aufzumachen und ein paar Wochen später wieder zu. Die Filmverleiher haben eine Vorlaufzeit, und die Kinobetreiber auch. Beim letzten Lockdown habe ich den Fehler gemacht, sofort wieder zu öffnen. Das würde ich diesmal wohl nicht machen, sondern eher noch ein oder zwei Wochen warten. Wir bekommen ja die guten Filme nicht, nur weil in NRW plötzlich die Kinos öffnen dürfen. Wir brauchen Einheitlichkeit. Und die Zukunftsaussichten müssen passen!“

Was ihn immer wieder freut, ist der positive Rückhalt in der Bevölkerung. Ein Kino sei ohne Besucher ein trostloser Ort, wünschte sich Lubba in seinem Gruß zum Jahreswechsel an die Freunde des Filmpalastes ein besseres Jahr 2021. Es fehle einfach das Leben im Saal und auf der Leinwand.

Kinobetreiber aus dem MK lobt die Regierung: Kinogänger mit Angst vor Ansteckung

Für Ende Mai ist „Fast and Furios 9“ mit Muskelberg Vin Diesel angekündigt, „Black Widow“, ein Spionage-Abenteuer mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle für den 6. Mai, „Top Gun 2“ für Juli, die Super-Schurken von „Suicide Squad“ sollen im August zum zweiten Mal zuschlagen. Mit einer erlaubten Saalauslastung von 20 Prozent undenkbar.

Gerade die Phase des Eröffnens sei teuer. Viele Menschen hätten Angst vor einer Ansteckung, Filme seien nicht zu bekommen, die Auslastung der Säle bleibt erst einmal überschaubar, die Fixkosten schnellten in die Höhe: „Die kleinen Filme sind Beiwerk, wir leben von den großen Blockbustern. Ich bin froh darüber, dass die Macher so hart bleiben und den Bond nicht in die Streamingdienste schieben. Diese Dienste werden wir sowieso nicht mehr los. Aber ich glaube auch, dass die Leute nach der langen Zeit wieder nach draußen und ins Kino wollen. Was fehlt, ist eine langfristige Perspektive. Und damit tut sich die Bundesregierung schwer.“

Dass sich der Titel des James Bond-Films „No time to Die“ nach einem Lockdown-Exit für viele Kinos nicht mehr bewahrheiten wird, wie die Interessensgemeinschaft der Kinobetreiber in Deutschlands, HDF Kino, in einer Pressemitteilung befürchtet, glaubt er nicht: „Kino wird sich vielleicht verändern. Man muss positiv nach vorn schauen. Wem nutzt denn das Gejammer und die ständige Suche nach einem Schuldigen?“ Er hofft, dass die Kinos in Deutschland zusammenhalten und alle gemeinsam an einem Tag wieder öffnen, „wenn es passt und die Angst weg ist“.

Kinobetreiber aus dem MK lobt die Regierung: Betreiber Lubba bleibt optimistisch

Ja, sagt der Kinobetreiber, ihm sei auch langweilig: „Aber wir haben das bis jetzt geschafft. Wir werden das auch weiter schaffen und durchhalten.“ Bis auf den Action-Streifen „Tenet“ brachte nach dem letzten Lockdown kein Film wirklich Geld in die leeren Kino-Kassen.

Wenn sich die Tore an der Werdohler Straße wieder öffnen, endet schlagartig die staatliche Überbrückungshilfe. André Lubba ist da Realist. „Wenn wir öffnen, gibt’s keine Unterstützung mehr. Für den Kostenapparat ist es positiver, geschlossen zu lassen als vor zehn Gästen zu spielen. Mit dem derzeitigen Angebot an Filmen auf dem Markt kriege ich meine Säle nicht voll. Aber wir können froh sein, dass wir in einem Land leben, das hilft. Der Staat soll uns helfen, zu überleben, und das tut er“, bricht der Kinobetreiber eine Lanze für die Bundespolitik und die Corona-Hilfen. Wenngleich er selbst auch schlechtere Karten hat, da sich die Überbrückungshilfe an den Einnahmen des letzten Novembers orientiert – des Monats, in dem der Filmpalast umgebaut wurde und nur in Abendvorstellungen betrieben werden konnte. Viel Arbeit, viel Papierkram, aber am Ende sichert das Bundesgeld das Überleben.

Bis dahin gibt es immer irgendwo etwas zu tun in dem Gebäude an der Werdohler Straße. Wartungsarbeiten zum Beispiel: „Die Projektoren sind ja nicht dafür gebaut, dass sie längerfristig abgeschaltet sind – wussten Sie das?“

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