Kinderspielplatz „Gefahrenquelle“ für Angeklagten

Ein 55-jähriger Lüdenscheider muss sich seit Freitag wegen eines Exhibitionismus-Vorwurfs vor Gericht verantworten.

Lüdenscheid - Muss ein notorischer Exhibitionist die letzten Jahre seines Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbringen? Oder darf er unter Auflagen und mit gewissen Sicherungen in eine Einrichtung wie das Amalie-Sieveking-Haus zurückkehren?

Über die Antwort auf diese Frage verhandelt seit Freitag die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen.

Anlass ist ein Verhalten, das nach mehreren Jahren strafrechtlicher Ruhe die Betreuer des 55-Jährigen überrascht hat: Am 24. Mai entblößte der Angeklagte sein Geschlechtsteil in der Gegenwart von zwei achtjährigen und einem 14-jährigen Mädchen auf dem Spielplatz an der Kerksigstraße. Als ihm ein Vater mit der Polizei drohte, flüchtete er mit offener Hose in den Park der Humboldt-Villa, wo die Beamten ihn einsammelten.

Taten schon öfter bagatellisiert

Mehrere Zeugen berichteten am ersten Verhandlungstag, dass der Angeklagte schon bei früheren Gerichtsverfahren nach ähnlichen Taten diese bagatellisiert habe. Auch hinsichtlich des Vorfalls an der Kerksigstraße trug der Angeklagte vor, dass er sich eher zufällig auf einem Kinderspielplatz befunden und lediglich Wasser gelassen habe.

Staatsanwältin Beatriz Föhring trat dieser Darstellung entgegen: „Es ist kein Zufall, dass Sie sich auf einem Spielplatz aufhalten. Sie halten sich nicht fern von Ihren Gefahrenquellen.“ Tatsächlich gibt es im Rahmen der bestehenden Führungsaufsicht ein klares Verbot für den Angeklagten, sich Kinderspielplätzen, Schulen und Kindergärten zu nähern.

Teil des Lüdenscheider Stadtbildes war der 55-Jährige offenbar fast immer mit einer Flasche Bier in der Hand: Schlagzahlen von bis zu 15 Flaschen täglich waren nicht die Ausnahme. „Ich brauche den Alkohol – Gott sei Dank nur Bier, keinen Schnaps“, sagte er im Landgericht. „Wenn ich wieder rauskommen würde – der erste Weg ist der zur nächsten Trinkhalle.“ Das allein würde keine dauerhafte Einweisung in die „Geschlossene“ rechtfertigen. Doch es gibt Hinweise darauf, dass der Alkohol Vorfälle wie den jetzt angeklagten fördert.

Seit 1984 Gefängnisaufenthalte

Überraschend war der Vorfall an der Kerksigstraße deshalb, weil der notorische Biertrinker wegen der vielen Verurteilungen aufgrund exhibitionistischer Handlungen an einem entsprechenden Präventionsprogramm teilnimmt. Und zuletzt war „fünf/sechs Jahre“ Ruhe gewesen. Zuvor hatte er seit 1984 wegen vergleichbarer Straftaten in Essen, Gelsenkirchen und Dortmund immer wieder für längere Zeit im Gefängnis gesessen. In Lüdenscheid war er im Männerwohnheim des Amalie-Sieveking-Hauses ein wenig zur Ruhe gekommen. „Dort hat er sich super eingelebt und integriert“, berichtete sein gesetzlicher Betreuer. „Ich war völlig erschüttert zu hören, dass er jetzt wieder in Haft ist.“

Das Verfahren wird am 2. November fortgesetzt.

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