Prozess vorerst geplatzt

Kinderpornos: Mann aus MK will nicht vor Gericht erscheinen

Künstliche Intelligenz gegen Kinderpornografie
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Symbolbild.

Ein 56-jähriger Lüdenscheider, der wegen Verbreitung, Erwerbs und Besitzes kinderpornographischer Schriften angeklagt ist, drückt sich vor seinem Strafprozess.

Lüdenscheid - Es ist mal wieder so ein Tag für Strafrichter Andreas Lyra, an dem ein Fall unerledigt bleibt. Er hatte Kontakt zu dem Angeklagten, schon mehrfach, sagt er zum Amtsanwalt. „Aber er wollte nicht so gerne verhandeln.“ Am liebsten hätte der Verdächtige (56) einen schriftlichen Strafbefehl gekriegt: aus dem Briefkasten holen, bezahlen, Schwamm drüber. Der Amtsanwalt pflichtet dem Strafrichter bei. „Ich bin der Auffassung, dass er sich die Anklage hier im Saal wenigstens mal anhören muss.“

Dann würde öffentlich, was die Ermittler dem Lüdenscheider zur Last legen – nämlich Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften. Doch die Anklagebank bleibt leer. Andreas Lyra sagt: „Es scheint ihm extremst unangenehm zu sein, hierher zu kommen.“

Riesige Datenmengen scheinen es nicht gewesen zu sein, die der Mann auf seinem Computer angesammelt hatte. Es spreche für ihn, dass er die Vorwürfe eingeräumt hat, heißt es am Amtsgericht. Der Angeklagte hat zudem Glück, dass er die Taten begangen hat, bevor das Gesetz zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Kinder im vergangenen Jahr das Delikt zu einem Verbrechen hochgestuft hat.

Sein Verteidiger hat das Mandat inzwischen niedergelegt, sodass der Lüdenscheider ohne Rechtsanwalt vor dem Strafrichter erscheinen müsste.

Zuvor hatte der Jurist in einem Brief an das Amtsgericht erklärt, sein Mandant bedaure sein Vergehen und schäme sich. Und habe sich damit auseinandergesetzt und bewusst gemacht, was sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche für die Betroffenen bedeuten. Nach Trennung, Scheidung, Hausverkauf, Stress und Medikamenten habe der Mann sich „in der virtuellen Welt des Internets verloren“.

Die wortreichen Darlegungen reichen der Staatsanwaltschaft nicht. Sie lehnt ein schriftliches Strafbefehlsverfahren ab und will einen öffentlichen Prozess. Deshalb hat der Richter zur Hauptverhandlung geladen. Lyra: „Er hat mir zweimal geschrieben, und ich habe ihm mitgeteilt, dass es ohne mündliche Verhandlung nicht geht.“ Dass der Angeklagte nicht erschienen ist, bezeichnet der Strafrichter als „schon ein bisschen frech“.

Der Beschluss ergeht unmissverständlich. Das Verfahren wird ausgesetzt, neuer Termin erfolgt von Amts wegen. Der Angeklagte soll zum nächsten Termin polizeilich vorgeführt werden.

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