Schnupfen, Husten und Fieber

Alle Säuglings-Betten belegt: Kinderklinik kämpft gegen gefährlichen RS-Virus

Ein Virus sorgt dafür, dass zurzeit viele Säuglinge in der Kinderklinik behandelt werden müssen.

Lüdenscheid - Fast komplett belegt sind derzeit die gut 30 Betten für Neugeborene in der Kinderklinik. Der Grund ist nach Angaben von Leiter Dr. Holger Frenzke ein Infekt der Atemwege, ausgelöst durch sogenannte RS-Viren.

Sie lösen Schnupfen, Husten und Fieber aus und führen zu einer akuten Luftnot. „Gerade für Säuglinge ist das sehr gefährlich. Einige von ihnen müssen beatmet werden.“ 

Grundsätzlich müsse sehr genau beobachtet werden, wie der Verlauf der Erkrankung sei. Denn der RS-Virus kann zu einer Lungenentzündung führen. Daher müssen manche mehrere Tage in der Klinik bleiben. „Das kommt auf die Schwere der Infektion an.“ 

Durch den Virus wird das Bronchialsystem erheblich angegriffen. Der Weg der eingeatmeten Luft von der Luftröhre bis hin zu den Lungenbläschen wird an den haardünnen Enden durch zähen Schleim verstopft. Kurzatmigkeit und Luftnot sind die Folgen, weil die Frischluftzufuhr für die Lunge nicht mehr funktioniert.

„Der Sauerstoffgehalt geht runter und die betroffenen Kinder müssen teilweise über einen längeren Zeitraum beatmet werden“, schildert Dr. Frenzke die Auswirkungen. „Die RS-Viren sind die häufigsten Erkältungserreger und tauchen wie die Grippe jedes Jahr in unterschiedlicher Intensität auf.“ Antibiotika seien wirkungslos.

Zwischen vier bis sechs Monate alt seien die Kinder, die auch mittels Infusionen behandelt würden. „Der jüngste Säugling, den wir behandeln mussten, war gerade fünf Wochen alt.“ Die Übertragung erfolge durch Eltern oder auch Geschwister, die erkältet seien. 

Drei Monate lang habe man im Schnitt gegen das RS-Virus zu kämpfen, länger als gegen die Grippe. Mit ansteigenden Temperaturen ebbe die Welle wieder ab. „Bisher konnten wir alle Kinder aufnehmen, haben sogar von außerhalb, in diesem Fall aus Leverkusen, ein Kleinkind behandeln können. Aber wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen“, macht Dr. Frenzke das Ausmaß deutlich.

Der Virus berge auch logistische Herausforderungen. „Die kleinen Patienten müssen ja isoliert werden, um andere nicht anzustecken.“ In anderen Städten gibt es sogar einen Aufnahmestopp, weil keine Betten mehr frei sind.

So sind zum Beispiel in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Krankenhauses in Hamm derzeit alle 125 Betten belegt. Dort werden nur noch Patienten aus dem Einzugsbereich behandelt. Alle anderen müssen sich an ihre jeweiligen Krankenhäuser vor Ort oder in der Nähe wenden. Jeden Tag werden in Hamm 10 bis 15 Kinder entlassen. Die gleiche Zahl wird aber auch gleich wieder aufgenommen.

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