Martinszüge: „Immer mehr Einschränkungen“

Vorschriftenflut: Kindergärten kapitulieren

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Jenny Müller´mag St. Martin, aber keine Bürokratie.

Lüdenscheid - Eine „stetig wachsende Vorschriftenflut“ bei Martinszügen empört Jenny Müller, Vorsitzende des Lüdenscheider Jugendamtselternbeirats. Die Konsequenz nach ihren Worten: Immer mehr Kindergärten sagen Martinszüge ganz ab oder führen andere Veranstaltungen anlässlich des Martinstages durch.

Jenny Müller erläutert: „Früher war das im Prinzip alles ganz einfach. Das Erzieherinnenteam und die Eltern haben sich um die Organisation gekümmert. Bei Bedarf haben Polizei oder Feuerwehr den Zug abgesichert, und los ging’s. Jetzt aber sind die Hauptamtlichen in unseren Kindergärten teilweise schon seit dem Sommer mit den Vorbereitungen der Züge beschäftigt, nur um gegen keine Vorschrift zu verstoßen.“

Sie nennt ein Beispiel. Im städtischen Antragsformular zur Genehmigung eines Martinszuges heißt es, an einem (vorgeschriebenen) Begleitauto müsse ein Überholverbots- plus Ergänzungsschild ebenso angebracht werden wie eine gelbe Rundumleuchte – das alles mit exakten Angaben zu Abmessungen, Farbgebung und Anbring-Höhe. Jenny Müller ist genervt: „Man kann’s auch übertreiben. Wir gehen eh am liebsten auf den Bürgersteigen. Dieses Auto fährt dann aber auf der Straße hinter uns her. Das ist doch Blödsinn! Und wieso soll es nicht reichen, wenn die Aufsichtspersonen – natürlich mit Warnwesten und Taschenlampen versehen – den Zug nach hinten absichern?“

Die Feuerwehr, die in der Vergangenheit gern zur Stelle war, darf übrigens mittlerweile nicht mehr helfen. Ein Experte erläutert: „Die Feuerwehr in NRW darf nur in den fließenden Verkehr eingreifen, wenn das zur Erfüllung ihrer unmittelbaren Aufgaben notwendig ist. Beispielsweise durch Straßensperrungen bei Verkehrsunfällen oder bei Bränden.“

Im Theodor-Fliedner-Kindergarten an der Nordstraße jedenfalls und in mehreren anderen Einrichtungen haben die Verantwortlichen keine Lust mehr auf überbordende St.-Martins-Bürokratie. Gefeiert wird nun beispielsweise in der Christuskirche – oder man fährt in die Dechenhöhle oder zur Burg Altena. Jenny Müller: „Schön und gut. Aber mit den ursprünglichen Martinszügen hat das nichts mehr zu tun.“ - fin

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