Kinderfest statt Autoshow: Jury verärgert Kfz-Händler

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Autos auf Stern- und Rathausplatz am verkaufsoffenen Sonntag im Mai – das soll es nach dem Willen der Jury 2013 nicht mehr geben.

LÜDENSCHEID - Mit dem kompletten Verzicht für 2013 auf eine Autoshow, die in den vergangenen Jahren traditionell am zweiten verkaufsoffenen Sonntag stattfand, hat die Vergabe-Jury das heimische Kfz-Gewerbe offenbar nachhaltig verstimmt.

Der Innungsvorsitzende Walter Trimpop äußerte auf LN-Anfrage völliges Unverständnis: Man werde sich jetzt um eine Parallelveranstaltung bemühen.

„Wir verstehen nicht, dass heimische Unternehmen, die in Lüdenscheid ihre Steuern zahlen und hier Arbeitsplätze schaffen, jetzt von der Stadt völlig außen vor gehalten werden“, sagte Trimpop. Die Innung habe längst viele Händler angeschrieben, um Beteiligung gebeten und viel Resonanz darauf erhalten.

Auch der diesjährige Veranstalter Tommy Gnatowski sowie das Büro Stamm aus Olpe hatten sich im Rathaus um die erneute Ausrichtung der Lüdenscheider Autoshow beworben. Doch diesmal gingen alle Seiten leer aus. Stattdessen soll es am 5. Mai 2013, wie berichtet, einen „Kinder- und Familientag“ mit Marktschreiern geben, organisiert von einem Ausrichter aus Mönchengladbach.

Die Autoshow unter freiem Himmel sei unabhängig vom Veranstalter in den letzten Jahren immer von hohem Interesse für die Besucher und den heimischen Autohandel gewesen, erklärte Trimpop. „Das interessiert auch viele Menschen, die unsere Autohäuser sonst vielleicht nicht besuchen würden.“ Mehr Umsatz im Automobilhandel komme auch den vielen Zulieferbetrieben in der Region zugute, obendrein habe die Innung diesmal eine Aktion für Auszubildende vorgesehen. Gratulieren könnten die Lüdenscheider Händler stattdessen jetzt ihren Kollegen im Umland, wo weiter Autoschauen stattfinden. Trimpop: „Lüdenscheid veranstaltet an vier verkaufsoffenen Sonntagen dafür jetzt drei Kinderfeste – als ob die Stadt im Geld schwimmen würde.“

Dieter Rotter, im Rathaus zum zweiten Mal mit der Vergabe befasst, wies die Vorwürfe Trimpops zurück, auch wenn er den Ärger verstehen könne: „Aber wir hatten als Jury das Motto der ,Familienfreundlichen Einkaufsstadt Lüdenscheid’ zu berücksichtigen, das von Politik und Verwaltung befürwortet wurde. Und dazu passt ein Kinderfest besser als eine Autoschau.“

Die Jury habe auch die Gerichtsfestigkeit ihres Votums beachten müssen. Nicht umsonst sei diesmal das Rechtsamt dabei gewesen, nachdem man um die Autoshow in der Vergangenheit zwei Mal prozessieren musste. Rotter räumte auf Nachfrage indes ein, dass es juristische Probleme beim Zuschlag für einen Autoshow-Bewerber vor allem wegen des ausgewählten Mottos hätte geben können.

Ein weiterer Aspekt sei gewesen, dass die Stadt für eine Autoshow wieder die Sondernutzungen für die Außengastronomie hätte widerrufen müssen, da Stern- und Rathausplatz sowie der Rosengarten dafür komplett benötigt würden. Das Kinderfest dagegen komme mit dem Rathausplatz aus.

Man habe allen Bewerbern zudem vorab einen Kriterien-Katalog bekannt gemacht, in dem der Schwerpunkt auf Angeboten für Kinder und Familien lag „und nicht auf der Förderung des heimischen Autohandels“. - Thomas Hagemann

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