„Kinder von Tschernobyl“ bei Kolping-Schülern

Die Kolping-Schüler hatten viele Fragen an die Kinder aus Tschernobyl.

LÜDENSCHEID ▪ Cornflakes zum Frühstück und kein gekochter Buchweizenbrei, Käsebütterkes statt Borschtsch – Liebe geht durch den Magen, aber Heimweh auch.

Während dem einen also das Ungewohnte besser schmeckt und dem anderen schlechter, waren sich Kinder aus Ost und West gestern einig: Pizza und Nudeln schmecken grenzüberschreitend gut. Ein interessantes Zusammentreffen war es zwischen den acht Kindern aus der Ukraine, allesamt aus Dörfern im radioaktiv verseuchten Tschernobyl-Gebiet, die gestern bei den Viertklässlern der Adolf-Kolping-Schule zu Gast waren, viele Fragen beantworteten und auch selbst neugierig waren. Höhepunkt des Treffens war die Übergabe von 165 Euro, die die Kolping-Kinder in den letzten Wochen und Monaten aus dem eigenen Taschengeld nach und nach aufgestockt hatten.

Die Vorgeschichte des Treffens ist eine längere, erzählt Songül Latifaj-Cicek. Ihre Tochter Ilayda stellte um die Weihnachtszeit die Fragen, die schließlich zu dieser internationalen Begegnung führten: „Was spenden wir?“, „Wohin geht das Geld?“, „Warum bekomme ich das nicht mit?“ So entstand die Idee, für die beiden vierten Klassen ein konkretes Projekt zu finden, wobei Mama Songül durchs Zeitunglesen half. Der Kontakt zu Gisela Steinbach, der Vorsitzenden des in Lüdenscheid gegründeten Vereins „Kinder von Tschernobyl“ war schnell geknüpft. Die Kiersperin organisiert mit ihren Mitstreitern alljährlich unter anderem ein dreiwöchiges Ferienprogramm für Kinder aus der radioaktiv belasteten Region – „damit sie gesund bleiben“, wie die Kolping-Schüler erfuhren.

Am 24. Juni sind also 51 Kinder gekommen und bei Gasteltern im Oberbergischen und im Kreis, unter anderem in der Bergstadt, untergekommen. Sie haben täglich ein „volles Programm“, eine Kombination aus Betreuung und Ausflügen. Die Kinder sind zwischen 7 und 14/15 Jahren alt, hauptsächlich sind Neun- und Zehnjährige auf die 2000-Kilometer-Busfahrt gegangen.

Auch hier sind die Kinder mit Hilfe des Vereins sehr mobil und lernen vieles kennen. Morgen geht’s beispielsweise nach Köln, wo die Spende in Eis und Hamburger umgesetzt werden dürfte. Zudem ist ein Picknick in den Rheinwiesen geplant und auf jeden Fall ein Besuch des Kölner Doms. Der sei in der Ukraine sehr bekannt, weiß Gisela Steinbach: „Über den lernen die Kinder dort alle etwas.“ Einige der Kinder haben auch Deutsch als Fremdsprache im Unterricht.

Ilayda strahlte jedenfalls gestern angesichts der ungewöhnlichen Unterrichtsstunde, die auf ihre Initiative hin zustande gekommen war. Und auch ihre Mutter freute sich sichtlich: „Ich bin ganz stolz, dass die Idee auch einen Nährboden fand.“

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