Kinder auf dem Rücksitz!

Raser bremst Polizei-Auto aus - seine Erklärung ist abenteuerlich

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Symbolfoto

Lüdenscheid – „Dumm gelaufen“, sagt man heutzutage schnell. „Der klassische Fall von ‘Pech gehabt’“, meinte auch Richter Thomas Kabus zu Beginn des Strafverfahrens gegen einen 27-jährigen Lüdenscheider, der am späten Abend des 13. Dezembers von Dortmund nach Lüdenscheid gefahren war.

In einem Baustellenbereich nervte ihn ein Auto, das sich beim Überholen eines Lasters weitgehend im Rahmen der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Stundenkilometern hielt. Die Lichthupe des Angeklagten hätte man ja noch hingenommen, erklärte einer der Polizeibeamten, die sich in dem vorausfahrenden Fahrzeug befunden hatten. 

Denn der 27-Jährige war bei seiner ungeduldigen Überhol-Aktion ausgerechnet einem Zivilfahrzeug der Polizei begegnet. Das wusste er aber nicht, als er sich nach dem Überholen des Lasters und des Polizeiautos vor die Beamten setzte und stark abbremste. 

Zwei kleine Kinder auf der Rückbank

Der Angeklagte hatte dafür eine Begründung, die vor Gericht allerdings nicht überprüft werden konnte: Seine Motorkontrollleuchte habe aufgeleuchtet – deshalb sei er plötzlich langsamer geworden. Der Polizei-Zeuge erklärte, warum die Beamten den 27-Jährigen nach dieser Aktion verfolgten: „Wenn ich nicht rechtzeitig gebremst hätte, wäre ich auf das Fahrzeug des Angeklagten aufgefahren, und wenn der Laster nicht rechtzeitig gebremst hätte, wüsste ich nicht, ob ich heute hier sitzen würde.“

Verschärft wurde die Situation, die „alles andere als verantwortungsbewusst“ war, durch zwei kleine Kinder auf der Rückbank des Angeklagten. „Wir hatten Schwierigkeiten hinterherzukommen“, beschrieb der Zeuge den Fahrstil des 27-Jährigen nach der Aktion und schätzte dessen Geschwindigkeit auf bis zu 170 Stundenkilometer. 

Angeklagter legt Einspruch ein

Ein richterlicher Strafbefehl hatte den Angeklagten wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 1200 Euro und zu einem Fahrverbot verurteilt. Dagegen hatte er Einspruch eingelegt, mit dem er teilweise Erfolg hatte: Statt eines Urteils gab es am Ende der Verhandlung eine vorläufige Einstellung des Verfahrens. 

Damit sich der Aktendeckel endgültig über der Geschichte schließt, muss der 27-Jährige aber weiterhin eine Geldstrafe von 1200 Euro zahlen, die der Verkehrswacht Lüdenscheid zugute kommen. Auf ein Fahrverbot wurde verzichtet. 

Der Angeklagte hatte sich allerdings recht kleinlaut gezeigt. Zum Abschied nahm er von Richter Thomas Kabus eine dringende Ermahnung mit, die ihn bisher offenbar noch nicht erreicht hatte: „Verkehrsrowdytum birgt erhebliche Gefahren.“

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