500 Kilometer gewandert: „Man kommt zur Ruhe“

LÜDENSCHEID ▪ Bei seiner Tour „Deutschland quer“ von Görlitz nach Aachen haben 2008 seine Wanderschuhe gestreikt. Er musste sich neue kaufen. Es war ein guter Kauf. Diese Schuhe haben den Lüdenscheider Peter Arens jetzt mehr als 500 Kilometer getragen, vom 1. bis 31. Mai von Aschaffenburg nach Berchtesgaden. Sein Fazit: „Schwierig. Aber ein tolles Erlebnis.“

Dass der 71-Jährige, durch hunderte von SGV-Wanderungen gestählt, diese Strapazen auf sich nimmt, daraus macht er „kein großes Gewese“. Er hat die Kondition, er liebt es, unterwegs zu sein, er ist erfahren genug, allein zurechtzukommen. Und er ist überzeugt, dass der Weg das Ziel ist. „Man kommt wunderbar zur Ruhe. Manchmal wusste ich nicht mehr, welchen Wochentag wir haben.“

Es war ein Dienstag, als er in den Zug nach Aschaffenburg stieg. Die Strecke von Lüdenscheid nach Aschaffenburg hatte er vor Jahren schon zu Fuß bewältigt. „Die kannte ich schon. Da sind wir zum Deutschen Wandertag gelaufen.“ An dem nordbayrischen Bahnsteig betrat Peter Arens dann Neuland.

Über Würzburg, Ansbach, Weißenburg, weiter nach Landshut, über Traunstein und Inzell nach Bad Reichenhall und schließlich nach Berchtesgaden. „Als ich dort angekommen bin, bin ich noch auf die Kneifelspitze gestiegen“ – 1188 Meter hoch.

Viele Menschen hat Peter Arens kennengelernt, hilfsbereite, vertrauensvolle und gastfreundliche waren in der Mehrheit. „Einer sagte zu mir: Lüdenscheid, das ist doch bei Brügge.“ Arens berichtet, wie schwierig gerade in kleinen Orten die Zimmersuche gewesen ist, wie er für 40 Euro in einer Hochzeitssuite im Himmelbett genächtigt, vor überfüllten Jugendherbergen gestanden und sich von einem Regenguss durchnässt in den Abend geschleppt hat. Aufgeben, das hat er sich nicht gestattet. „Auch wenn es mir manchmal verdammt schwergefallen ist, um sieben Uhr aufzustehen und einfach weiterzulaufen.“ Aber wenn man erstmal eine Viertelstunde gegangen sei, sagt er, „dann ist wieder alles in Ordnung“.

Ohne gesundheitliche Probleme, ohne Rückenschmerzen, ohne Blasen hat er sein Ziel erreicht. Zwei Pakete hat er zwischendurch nach Hause geschickt. Stapelweise Wanderkarten, die er unterwegs besorgt hat. Eine neue Tour hat er noch nicht geplant. „Jetzt ist erstmal Ruhe!“ Und was war die schlechteste Erfahrung? „Als ich aus Berchtesgaden nach Hagen kam, ist mir der Zug nach Lüdenscheid vor der Nase weggefahren.“

Olaf Moos

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