Start zum neuen Kita-Jahr in Lüdenscheid unrealistisch

Kibiz-Revision bringt Zeitdruck

Für die Kindergärten soll sich wieder einmal einiges ändern.

Lüdenscheid - In den Kindergärten werden die Karten neu gemischt. „Alltagsintegrierte Sprachförderung“ statt Sprachnachhilfe in Kleingruppen heißt jetzt die Devise. Und der umstrittene Sprachtest Delfin IV fällt weg.

Darin und in weiteren Neuregelungen durch die Revision des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) sieht Ursula Speckenbach durchaus positive Ansätze. Allerdings, auch das macht die Abteilungsleiterin für die städtischen Kitas deutlich, wird das meiste in der Praxis nicht zum neuen Kindergartenjahr umzusetzen sein. Denn das beginnt am 1. August, und die Änderungen sind weitreichend und haben erst am Mittwoch Rechtskraft erlangt.

Die derzeitige Sprachförderung nach dem Delfin-Test wird zum Auslaufmodell, überlappt aber noch zeitlich mit dem neuen System, wobei sich das Land NRW vom Gießkannenprinzip verabschiedet. Die Förderung findet künftig im normalen Kita-Betrieb statt.

Zusätzliche personelle Ressourcen wird es aber nicht überall geben, sondern nur dort, wo verstärkt Handlungsbedarf besteht. Anhaltspunkte könnten soziale Anhaltspunkte und der Migrationsanteil der Einrichtungen sein, doch ein Kriterienkatalog ist noch abschließend erstellt. Hat man im Jugendamt aber die entsprechenden Einrichtungen benannt, muss erst der Jugendhilfeausschuss zustimmen. Aufgrund der Kommunalwahl und der Sommerpause auch in der Politik wird der vor August gar nicht mehr tagen. Den Beschluss brauche man aber, weil man ohne ihn gar nicht das erforderliche Personal einstellen könnte, sagt die Fachbereichsleiterin zu den Verfahrensabläufen.

Das heißt im Umkehrschluss, dass von dem Geld, das immerhin zusätzlich in die Sprachförderung fließt, einiges auf der Strecke bleiben wird. Auf die Kitas in Lüdenscheid entfällt nach den Berechnungen ein Betrag von 125 000 Euro im Jahr. Die Zuwendung soll dem Willen des Ministeriums folgend auch nicht zu sehr „zerfleddert“ werden. Die Mindestchargen liegen bei 5000 Euro und sind ausschließlich für personelle Aufstockungen gedacht.

Ähnliches gilt auch für eine weitere Neuerung und ebenfalls zusätzliches Geld. Mit dem Programm „plusKita“ fließen 200 000 Euro jährlich nach Lüdenscheid in Einrichtungen „in Stadtteilen mit einem hohen Anteil bildungsbenachteiligter Familien“, wie es das Ministerium formuliert. Auch hier geht es um zusätzliches Personal, um Kinder individueller zu erreichen und zu fördern.

Dass das Land es ernst meint, lässt sich an der Dimension der Auszahlungen erkennen: Abgerufen können Chargen zu 25 000 Euro. „Das ist mehr als eine Honorarkraft“, so Speckenbach, die aber auch hier davon ausgeht, zeitlich in Verzug zu geraten.

Auch beim Thema Mittagessen wird es interessant. Es solle allen Kindern mit einer 35-Stunden-Betreuung möglich gemacht werden, am Mittagessen teilzunehmen, erklärt Ursula Speckenbach. Pädagogisch sei das durchaus sinnvoll, doch planbar ist das nicht. Zumindest in den städtischen Kitas wird in den Einrichtungen gekocht – die nötigen personellen wie materiellen Ressourcen sind aber so nicht kalkulierbar: „Wir müssen ein völlig neues System entwickeln.“ - flo

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