Kibiz lässt keine „Insellösungen“ zu

Die Betreuung im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) hat viele Facetten.

LÜDENSCHEID ▪ Die Arbeitszeit einer Mutter hat sich verändert. Sie möchte deshalb ihren kleinen Sohn, für den sie eine 35- Stunden-Betreuung abgeschlossen hat – anders als zu Beginn des Kindergartenjahres vereinbart – an einem Tag zwei Stunden länger in der Kita lassen und ihn dann am nächsten zwei Stunden eher abholen. Doch die Kita-Leitung verweist auf das Kinderbildungsgesetz (Kibiz), das feste Stundenzahlen vorgebe. Die Mutter ist sauer.

„Nachvollziehbar ist der Ärger für mich schon, aber mit dem Kibiz ist nun einmal die Flexibilität verloren gegangen“, sagt Ursula Speckenbach, bei der Stadt Fachdienstleiterin für Kindertageseinrichtungen. Nicht selten müssten Eltern auf die 45-Stunden-Betreuung zurückgreifen, obwohl sie den vollen Rahmen des gebuchten und bezahlten Betreuungsvolumens nicht ausnutzen. Denen gegenüber, so hatte die Kita-Leiterin in dem anfangs beschriebenen Fall argumentiert, wäre es ungerecht.

Ursula Speckenbach erinnert in diesem Zusammenhang noch einmal an das Procedere: Eltern geben vor dem Kindergartenjahr ihren jeweiligen Bedarf an – 25 Stunden pro Woche Betreuung, 35 oder 45. Auf dieser Grundlage werden Betreuungspauschalen vom Land bezahlt, die wiederum wesentlicher Bestandteil der Finanzierung sind. „Was wir mehr machen, bekommen wir nicht bezahlt. Würde zum Beispiel mehrfach auf Sonderwünsche eingegangen und sich die Anzahl der Kinder, für die 45 Stunden gebucht worden waren, reduzieren zugunsten der 35-Stunden-Betreuung, passt der Personalschlüssel nicht mehr. Wir bekämen weniger Geld, was zugleich weniger Personal bedeutet. Aus den Buchungszeiten ergeben sich zudem wiederum feste Öffnungzeiten der Kindertagesstätten.“

Das seien nur zwei von mehreren Aspekten, die die Planungen bestimmten. Grundlage schlechthin sei der Bedarf der Eltern, der jährlich für das komplette Kita-Jahr abgefragt wird. Ansonsten sei die Kita-Planung unter Berücksichtigung der Kibiz-Regelungen ein hochkomplexes Geschäft, wobei zum Beispiel auch die pädagogischen Zusammenhänge nicht außer Acht gelassen werden dürften. „Eine hohe Kontinuität ist wichtig, um eine geordnete und gute pädagogische Arbeit leisten zu können. Deshalb sollen bis 9 Uhr möglichst alle Kinder gebracht worden sein, damit diese Arbeit gemeinsam mit allen Mädchen und Jungen begonnen werden kann.“ Durch Insellösungen aber gerate das ganze Konzept aus den Fugen.

Wo es umsetzbar sei, komme das Jugendamt den Eltern entgegen. So sei eine Verpflegung der Kinder eigentlich nur bei einer 45-Stunden-Betreuung vorgesehen. Sollten auch fünf zusätzliche Portionen für Kinder in einer 35-Stunden-Betreuung gewünscht sein, werde geprüft, ob dies gehe. Es gebe noch viele Nebenschauplätze.

„Bei Problemen sollten Eltern immer das Gespräch suchen, um zu klären, warum was wie möglich ist“, betont Ursula Speckenbach. Auch der Jugendamtselternbeirat, der im Jugendhilfeausschuss vertreten sei, kümmere sich bei Bedarf.

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