Kfz-Obermeister: E-Mobilität ist nicht der Weisheit letzter Schluss

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Ein E-Auto an einer Ladestation in Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Die Elektromobilität ist in aller Munde. Hersteller und Importeure kündigen zahlreiche E-Fahrzeuge für 2020 an. Die Ladeinfrastruktur soll ausgebaut werden.

Zwar liegt der Bestand von Hybridfahrzeugen und batteriebetriebenen Pkw noch deutlich unter einer Million Stück. Doch diese Zahl werde in den kommenden Jahren sicher steigen. Daher stehen auch die Autohäuser und Werkstätten vor einem Wandel, heißt es in einer Mitteilung der Kfz-Innung. 

Sie investieren viele Millionen Euro in die Betriebsinfrastruktur, zum Beispiel in Ladesäulen und in die Weiterbildung der Beschäftigten. „Es wird spannend sein zu sehen, wie das steigende Angebot von E-Fahrzeugen von den Autofahrern angenommen wird“, sagt Klaus Ballauf, der Obermeister der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Lüdenscheid. 

"Brauchen technologieoffene Herangehensweise"

„Hohe Förderprämien sollten aber nicht nur als Anreiz für die Kunden ausgelobt werden. Denn viele unserer Betriebe werden auch öffentlich zugängliche Ladesäulen errichten. Da ist es nur recht und billig, auch diese beträchtlichen Investitionen zum Nutzen der Allgemeinheit zu fördern.“ Nach Ansicht des Obermeisters sei die Elektromobilität aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss. 

„Wir brauchen eine technologieoffene Herangehensweise, um Lösungen für die individuelle Mobilität der Zukunft zu finden“, sagt Ballauf. Wo etwa lange Strecken oder schwere Lasten zu bewältigen seien, müssten Alternativen her, wie zum Beispiel klimaneutral hergestellte synthetische Kraftstoffe. „Dafür steht sofort der gesamte Bestand von über 52 Millionen Pkw und Nutzfahrzeugen für den Abbau der CO2-Belastung zur Verfügung“, sagt Klaus Ballauf. „Um diese Kraftstoffe wettbewerbsfähig zu machen, bedarf es der intensiven Förderung, wie dies bereits bei der E-Mobilität geschieht.“ 

Fahrverbote: E-Auto als mögliche Alternative

Darüber hinaus sei der mittels Wasserstoff und Brennstoffzelle angetriebene Elektromotor hinsichtlich Gewicht, Reichweite und Betankungsdauer die technologisch überlegene Lösung. Die Bilanz für das Autojahr 2019 fällt aus Sicht des Kraftfahrzeuggewerbes unterschiedlich aus. Zuwächsen bei den Neuzulassungen stehen stagnierende Verkaufszahlen im Gebrauchtwagenmarkt und eine bundesweit gesunkene Auslastungsquote in den Werkstätten gegenüber. 

Wie sich das Autojahr 2020 entwickeln werde, sei schwierig vorauszusehen. „Meiner Ansicht nach werden wir regionale Unterschiede etwa beim Absatz von E-Fahrzeugen haben“, so Obermeister Ballauf. In Regionen, wo Fahrverbote drohen, sei ein Hybrid- oder E-Fahrzeug die mögliche Alternative. Doch auch der Diesel zeige mit den modernen Euro 6d-Temp-Motoren, dass seine Zeit noch längst nicht vorbei sei. „Die ab dem Jahr 2020 verschärften CO2-Grenzwerte sind ohne sparsame Diesel-Motoren kaum zu erreichen“, betont Ballauf. 

Autoberufe unverändert gefragt

So würden die Euro 6d-Temp-Diesel unter bestimmten Bedingungen sogar die mit Feinstaub belastete Luft in Städten reinigen, wie ein Test der Fachzeitschrift „auto motor und sport“ gezeigt habe. Unabhängig von den Diskussionen rund um die sich wandelnde Mobilität sind die Autoberufe laut Ballauf für junge Menschen unverändert gefragt. 

So stieg die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Kfz-Gewerbe auch im Jahr 2019 und damit im fünften Jahr in Folge an. Zurzeit bilden die 40.000 Kfz-Betriebe rund 93.400 junge Menschen aus, davon 72.000 Mechatroniker. 

Dieser Beruf genieße ein vergleichbares Ansehen wie das von Physikern, Bauingenieuren oder Gymnasiallehrern. Das habe eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der TU Braunschweig ergeben.

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