Kfz-Betrieb in Brügge komplett unter Wasser: Der Albtraum „ist leider wahr“

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Kenan Demirtas versucht an den elektronischen Geräten „zu retten, was zu retten ist.“

Kenan Demirtas steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, aber unterkriegen lassen will er sich nicht: Der 55-jährige Lüdenscheider steht nach dem Hochwasser vor den Trümmern seiner Existenz.

Lüdenscheid – Seit 30 Jahren hat er am Kamp in Brügge eine Kfz-Werkstatt, das Unternehmen nach und nach aufgebaut, hat viele treue Stammkunden. Es dauerte nur eine Stunde, bis das Wasser vor knapp zwei Wochen alles zerstörte.

Kenan Demirtas selbst wurde mit zwei Mitarbeitern von der Feuerwehr mit einem Boot und Steckleitern aus höchster Not aus dem überfluteten Gebäude gerettet. Die anderen Kollegen waren bereits zuhause, weil die große Flut erst kurz nach Feierabend kam.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

„Wir stehen alle unter Schock“, sagt Demirtas. Er hoffe immer noch, dass er aufwacht und sich alles als ein böser Albtraum entpuppt. „Aber leider ist es wahr.“ Noch weiß er nicht, ob er seinen Betrieb mit zehn Mitarbeitern retten kann, aber er tut alles dafür, unterstützt von seinem Team, Familie und Freunden. Einen genauen Überblick über die Schadenshöhe gibt es noch nicht.

Kfz-Betrieb in Brügge komplett unter Wasser: Zwei Meter hoch in dem Laden

Sicher ist aber, dass er den größten Teil selbst tragen muss. Eine Elementarversicherung hat Kenan Demirtas nicht – er habe gar nicht gewusst, dass solche Schäden zusätzlich versichert werden müssen. Da sei er schlecht beraten gewesen. „Und wenn ich 8000 Euro mehr hätte bezahlen müssen – das wäre es mir doch wert gewesen“, sagt er. Soweit er bisher den Überblick hat, sind zumindest die auf den Gelände abgestellten Autos von Kunden über die Haftpflichtversicherung gedeckt. Sein Steuerberater habe ihm etwas zum Unterschreiben gegeben, um finanzielle Soforthilfen zu beantragen, um 5000 Euro gehe es wohl – ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn die Existenz des gesamten Betriebes bedroht ist.

Zwei Meter hoch habe das Wasser im Gebäude gestanden. „Es kam von beiden Seiten“, erzählt Demirtas – von der einen Seite die Regenmassen, von der anderen die Volme, die vom kleinen Flüsschen zum reißenden Strom geworden war. Die Tore wurden von den Wassermassen eingedrückt. Das Areal mit der Kfz-Werkstatt und zwei weiteren Betrieben, etwas unterhalb von Straße und Bahndamm gelegen, lief regelrecht wie eine Badewanne voll. Autos von Kunden versanken fast vollständig im Wasser.

So wirklich beziffern kann Demirtas das Ausmaß der Schäden noch nicht. Nachdem das Wasser weg war, war er mit seinem Team viel zu sehr damit beschäftigt, Schlamm und Dreck aus dem Gebäude zu beseitigen, die Ausrüstung zu reinigen und zu trocknen. „Wir versuchen zu retten, was zu retten ist“, sagt er. Trotz der offenen Tore auf beiden Seiten riecht es auch fast zwei Wochen nach dem Hochwasser noch überall nach Feuchtigkeit. Alle elektronischen Geräte sind kaputt, ob davon überhaupt irgendetwas repariert werden kann, weiß er noch nicht, aber er versucht es. Gleichzeitig hofft er, vielleicht das eine oder andere mit gebrauchten Geräten ersetzen zu können.

Das Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder öffnen zu können, sagen auch die Mitarbeiter. Sie alle arbeiten mit und unterstützen ihren Chef, der sich trotz aller Ungewissheit nicht unterkriegen lassen will. „Ich lebe noch.“

Die breite Unterstützung ist ihm in dieser Zeit ein großer Trost. Freunde haben eine private Hilfsaktion ins Leben gerufen. Über das Portal Paypal werden unter dem Stichwort „Fluthilfe Kenan“ Spenden gesammelt. Inzwischen sind dort schon mehr als 10 000 Euro eingegangen. Manch einer verbindet seine Spende mit einem Gruß „Für meinen Freund“ oder „Alles Gute“. Für Kenan Demirtas, seine Familie und Mitarbeiter ist das ein großes Zeichen der Hoffnung, dass es mit der Kfz-Werkstatt Kenan Ltd. Am Kamp vielleicht doch weitergehen kann.

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