„Keiner muss in Lüdenscheid erfrieren“

Thomas Becker (l.) und Axel Schwabecher kümmern sich um Obdachlose.

LÜDENSCHEID ▪ Obwohl der Winter in den vergangenen Tagen mit aller Macht zugeschlagen hat, hat dies bisher nicht zu Notlagen unter obdachlosen Menschen geführt. „Keiner muss in Lüdenscheid draußen erfrieren“, betonen Thomas Becker, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Wohnungslose, und Axel Schwabecher, der beim Ordnungsamt für Obdachlose zuständig ist.

Gleichzeitig appellieren sie an die Bevölkerung, sich an Caritas oder Ordnungsamt zu wenden, wenn ihnen bei eisigen Temperaturen Menschen auffallen, die in Not sind.

Die Rufbereitschaft des Ordnungsamtes ist unter 02351/1065-0 rund um die Uhr besetzt. Die Anrufe gehen bei der Feuerwehr ein“, weist Axel Schwabecher auf die städtische Unterstützung hin. „Innerhalb von einer Stunde ist jemand, der dort gemeldet wird, im Warmen.“

Die Nummer der Caritas – 02351/905031 – ist montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr besetzt. „Außerdem gibt es bei uns den warmen Mittagstisch und Ulrich Birkner kennt die Szene intensiv und ist immer nah dran“, weiß Thomas Becker. „Wir haben viele Fühler ausgestreckt und arbeiten auch eng zusammen“, sagen die beiden Experten. Das Netzwerk sei eng geknüpft, ob über Caritas und Stadt oder Polizei, Feuerwehr und Obdachlosenfreundeskreis. Allein zwischen Caritas und Ordnungsamt tausche man sich regelmäßig mehrmals in der Woche aus.

Wenn es kalt wird, seien Verwandte, Bekannte oder Freunde die erste Anlaufstelle für Obdachlose. „Da ist das Konfliktpotenzial natürlich unter Umständen recht hoch, denn die psychische Belastung kann für alle Beteiligten hoch sein“, sagt Thomas Becker.“ Aber nicht alle finden auf diese Weise vorübergehend eine Bleibe.

Erste öffentliche Anlaufstelle ist die Helenenhöhe an der Leifringhauser Straße. Hier sind zurzeit noch maximal 28 Plätze frei. „Wir sind bemüht, Doppelbelegungen zu vermeiden, weil dies ebenfalls zu sehr angespannten Situationen führen kann“, erklärt Axel Schwabecher.

Wie viele Obdachlose es in Lüdenscheid gibt, ist nicht genau zu beziffern. Im vergangenen Jahr waren es zwischen 80 und 90, die aber nicht ausschließlich auf der Straße lebten, sondern auch auf der Helenenhöhe. Der Obdachlosigkeit geht meist ein langer problembeladener Prozess voraus. Aber es kann auch sehr schnell gehen, wenn jemand nach der Haft in die Wohnungslosigkeit entlassen wird oder nach dem Ende einer Beziehung plötzlich vor dem Nichts steht, weil Arbeitslosigkeit, Überschuldung oder Suchtprobleme die Situation verschärfen. „Da sind die Reserven schnell aufgebraucht.“

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