Keine Vorbehalte gegen gemeinsame Kirchen

LÜDENSCHEID - Auf offene Ohren stößt in Lüdenscheid der jüngste Aufruf des Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, zur gemeinsamen Nutzung von Kirchen und Gemeindehäusern durch evangelische und katholische Gemeinden. Zwar bestehe in Lüdenscheid, wo die Kreuzkirchengemeinde gerade ein neues Gemeindezentrum bauen will, aktuell kein Handlungsbedarf. Doch habe es gemeinsame Nutzungen schon gegeben, und angesichts schwindender Einnahmen dürfte das Thema in wenigen Jahren auch hier akut werden: „Wir werden unsere Apparate auf lange Sicht nicht aufrecht erhalten können“, davon sind Superintendent Klaus Majoress und Dechant Johannes Broxtermann überzeugt.

Doch auch in Lüdenscheid seien die einst hohen Barrieren zwischen den Konfessionen heute weitgehend abgebaut. „Vor 40 Jahren ist die Idee eines ökumenischen Kindergartens am Bierbaum noch abgebügelt worden“, weiß Broxtermann. Dabei hätte es grundsätzliche theologische Einwände gegen die simultane Nutzung kirchlicher Gebäude schon damals nicht gegeben. Heute, so Majoress, seien eher psychologische Probleme zu erwarten, sollte es ein altehrwürdiges Gotteshaus treffen.

Als vor fünf Jahren die hölzerne St.-Antonius-Kirche an der Uhlandstraße geschlossen wurde, zog Pfarrer Hans Ferkinghoff mit seinen Schäfchen ins Gemeindezentrum Rathmecke um, wo man einige Monate den evangelischen Gottesdienstraum nutzte. „Uns fehlten da nur Kniebänke“, erinnert sich der Geistliche. Broxtermann ergänzte, dass auch die Gemeinde St. Josef und Medardus während der großen Renovierung ihres Gotteshauses anno 1990 für mehrere Monate in die Erlöserkirche auswich. „Wir durften da sogar unseren Weihrauch schwenken.“

Das geschieht in der Fröndenberger Stiftskirche schon seit längerem, wo die Katholiken Nutzungsrechte haben. Ähnlich verhält es sich im Altenberger Dom im Bergischen Land, der ebenfalls eine „Simultankirche“ ist. – 65 davon gibt es bundesweit.

Grundlage für Buß‘ Aufruf auf dem jüngsten Ökumenischen Kirchentag waren Leitlinien der Landeskirchen und Bistümer in Westfalen aus 2005. Als weitere Kooperationsfelder nannte Buß ökumenische Gottesdienste, die Klinik- und Telefonseelsorge sowie das Engagement beider Kirchen in sozialen Fragen.

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