Meiden Leute den Betrieb?

"Keine Schwulenkneipe": "Ritter am Markt" wehrt sich gegen existenzbedrohende Gerüchte

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„Ritter am Markt ist keine Schwulenkneipe“: Inhaber Stefan Regus und seine Belegschaft, hier die Mitarbeiterinnen Lydia Abshoff und Yvonne Kühn (rechts), wehren sich gegen Gerüchte, die in der Bergstadt kursieren sollen.

Lüdenscheid – „Die Gaststätte Ritter am Markt ist keine Schwulenkneipe“ – mit diesen Worten wehrt sich eine Mitarbeiterin des Betriebs nun im sozialen Netzwerk Facebook im Namen der ganzen Belegschaft gegen Gerüchte, die, wie sie sagt, seit einiger Zeit in der Bergstadt kursieren.

Demnach sollen angeblich Leute den Betrieb meiden, weil sie dort eine homosexuelle Szene vermuten. Stefan Regus ist Inhaber der Gaststätte „Ritter am Markt“ – und schwul. Mit seiner Sexualität geht der 51-Jährige offen um: „Ja, ich bin homosexuell“, sagt er. 

Und erklärt: „Wir wollten mit dem Beitrag sicher kein Mitleid erregen. Aber wir wollen den Leuten klar machen, dass Ritter am Markt eine ganz normale Kneipe ist.“ 

"Man kämpft an allen Ecken und Enden"

Dass Leute seinem Betrieb deshalb fernblieben, erlebe er immer wieder, sagt Regus. „Aber es wird nicht einfacher, es gibt immer mehr Auflagen und wird schwieriger, eine Gaststätte aufrecht zu erhalten. Man kämpft an allen Ecken und Enden.“ 

Und dass mögliche Gäste den Weg in seinen Betrieb gar nicht erst einschlagen, weil sie eine Schwulenkneipe befürchteten, „ist schon ein Problem. Mir fehlt dadurch natürlich Umsatz, und irgendwann schafft man es dann nicht mehr“. 

"Erschütternde Gerüchte"

Nun habe es ihm und seinem Team gereicht, erzählt er. Der Facebook-Beitrag sei mit seinem Einverständnis veröffentlicht worden, „das war quasi im Namen der ganzen Belegschaft, die alle dahinter stehen“. Mehr als 200 Personen reagierten darauf, fast 150 Kommentare finden sich unter der Stellungnahme. Fast alle zeigen Unverständnis gegenüber den „erschütternden Gerüchten“, wie es teilweise heißt. 

„Homophobie ist Schrott“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Eine andere äußert sich so: „Und selbst wenn es so wäre. Wenn es nett und lustig dort ist. Lass die Leute reden. Obwohl sowas leider geschäftsschädigend sein kann.“ Und ein Kommentator schreibt: „Diese Kneipe gibt es schon ewig. Vor 50 Jahren haben wir dort schon Spaß gehabt...wir können froh sein, dass sie dem Kneipensterben noch nicht zum Opfer gefallen ist.“ 

"Wie, du gehst in so `ne Schwulenkneipe?"

Das Gerücht kursiere zwar schon seit längerer Zeit, sagt Regus, „und ich kenne das auch von anderen Kneipen-Betreibern, die Probleme mit solchen Gerüchten haben, weil viele das einfach glauben“. 

Doch zuletzt sei der Ehemann einer seiner Mitarbeiterinnen direkt angesprochen worden: „,Wie, du gehst in so ‘ne Schwulenkneipe?‘, wurde er gefragt“, erzählt Regus. „Die Leute fragen: ,Warum geht man da rein?‘, das habe ich auch schon von anderen gehört.“ Nun habe es ihm und seinem Team gereicht. 

„Ich habe kein Problem damit, wenn mich jemand einfach nicht mag. Nicht jeder muss herkommen – aber wenn die Leute es aus diesem Grund nicht tun, wollen wir das klarstellen. Ich weiß nicht, wie ich mich sonst verhalten soll.“ 

"Verklemmte und bescheuerte Leute"

Im Internet schreibt seine Mitarbeiterin: „Ja, der Inhaber vom Ritter am Markt ist homosexuell und er macht auch kein Geheimnis daraus. Na und? Leider gibt es heutzutage immer noch sehr verklemmte und, sorry, bescheuerte Leute, die dann direkt meinen, oh, der Inhaber ist schwul, also klar ist es eine Schwulenkneipe. Mal selber rein kommen und sich ein Bild machen ist natürlich nicht nötig, also wird dieses Gerücht einfach mal weiter erzählt.“ 

Das Team steht sogar mit vollen Namen unter dem Beitrag, und betont: „Ritter am Markt [...] ist eine sehr gemütliche kleine Gaststätte, wo man immer herzlich willkommen ist, wo regelmäßige Dartspiele stattfinden und wo man auch vernünftig essen kann. Wir würden uns sehr über neue Gesichter freuen, die sich einfach mal selber ein Bild machen wollen anstatt der Lügen zu glauben. Liebe Grüße, das gesamte Ritter am Markt Team.“ 

Inhaber Stefan Regus sagt zwar, dass er sich persönlich nicht viel aus den Gerüchten mache, „aber ich habe natürlich meinen Laden im Blick. Es ist schade, aber so frei, wie viele glauben zu sein, sind sie einfach nicht“.

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