„Keine Rücksicht genommen“

Angela Merkel.

LÜDENSCHEID ▪ Die Volksbanker im Märkischen Kreis sind stinksauer auf die Bundesregierung. Dies bringen sie in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ausdruck. Sie sind ganz und gar nicht mit der geplanten Bankenabgabe einverstanden.

Unter anderem heißt es, die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik habe im Laufe der Finanzkrise Schaden genommen. Ordnungspolitische Überzeugungen seien verloren gegangen: „Akteure, die sich als nicht wettbewerbsfähig erwiesen, durften dank staatlicher Milliardenhilfe und Garantien im Markt bleiben. Anschließend halfen ihnen diese staatlichen Mittel, um mit ruinösen Konditionen den soliden Volks- und Raiffeisenbanken – wie der Volksbank im Märkischen Kreis – Marktanteile zu nehmen.“ Aber den Mittelstand mit Krediten zu unterstützen, dazu seien sie weder in der Lage noch willens; das hätten insbesondere die Kreditgenossenschaften übernommen.

Die in der Folge der Finanzkrise ergriffenen Maßnahmen zum Verbraucherschutz seien auf die betriebliche Wirklichkeit von Großbanken zugeschnitten, aber allen Banken gleichermaßen übergestülpt worden. Jedes bürokratische Mehr, so heißt es in dem Offenen Brief, führe bei kleinen Banken zu überproportional wachsenden Kosten. Und auf die unterschiedliche Kundennähe sei überhaupt keine Rücksicht genommen worden. Anders als Wettbewerber wolle und könne die Volksbank als der Region verbundener Finanzdienstleister weder ihre Kunden noch ihr Geschäftsmodell, wenn es mal schlecht laufen sollte, austauschen. Man stehe in der Region in wechselseitiger Abhängigkeit. Deswegen sei die Volksbank im Märkischen Kreis dort, wo andere sich zurückgezogen hätten, eingesprungen, und habe ihr Kundenkreditgeschäft mitten in der Krise 2009 um drei Prozent erhöht.

Dann heißt es: „Zum Dank aber, dass wir uns – wie von der Politik gefordert – unserer volkswirtschaftlichen Aufgabe als Mittelstandsfinanzierer angenommen haben, werden wir jetzt auch noch zur Bankenabgabe herangezogen.“ Es sei gar nicht so leicht, „eine so den traditionellen Werten verpflichtete Gruppe wie die Volks- und Raiffeisenbanken aufzubringen, aber die Bankenabgabe empört uns einhellig.“ Dabei gehe es nicht um die Höhe der Belastung. Es gehe darum, dass die Volksbank in einen Topf geworfen werde, in den sie nicht gehöre: „Wir haben die Krise nicht verursacht. Unser Geschäftsmodell hat Bestand und stabilisiert unsere Volkswirtschaft.“

Die Volksbank im Märkischen Kreis habe im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern dafür gesorgt, dass Finanzierungen auch in einem schwierigen Umfeld möglich seien. Und dafür stehe sie auch weiterhin.

Sie sei sich ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung für Unternehmen und Sparer bewusst: „Von der Bundesregierung wünschen wir uns Rahmenbedingungen, die der Partei von Ludwig Erhard zur Ehre gereichen würden. Die Bankenabgabe zählt nicht dazu.“

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