Keine Gnade: Kinder müssen alles mitansehen - Gericht verhängt hohe Haftstrafe

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Symbolfoto

Lüdenscheid – Mit einer hohen Haftstrafe ist gestern der Prozess gegen einen 26-jährigen Lüdenscheider zu Ende gegangen.

Die 3. große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Angeklagten wegen bewaffneter Beschaffung von Betäubungsmitteln und schwerer räuberischer Erpressung zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis. Der Verurteilung lag eine Aufklärung der Geschehnisse zugrunde, die sich bis weit in die Gerichtsverhandlung gezogen hatte. 

In ihrem Plädoyer sprach die Staatsanwältin von einem eher seltenen Strafverfahren, „das mit dem regulären Gang einer Hauptverhandlung nicht viel zu tun hatte“. Letztlich sei es aber ein gutes Zeichen, dass mit den Mitteln der Strafprozessordnung das Recht durchgesetzt werden konnte. 

Märchengeschichten

Das Unmittelbarkeitsprinzip der Beweiswürdigung im Strafprozess habe „ein neues Gesicht“ bekommen. Nachermittlungen und noch während der laufenden Verhandlung beschlagnahmte Handys des Angeklagten und zweier Zeugen hatten wesentlich dazu beigetragen, die Märchengeschichten, die zunächst in immer wieder überarbeiteten Fassungen erzählt wurden, in eine einigermaßen realistische Rekonstruktion der Ereignisse zu überführen. 

„Der Angeklagte hat immer nur das eingeräumt, was ihm die Beweisaufnahme bereits nachgewiesen hatte“, begründete der Vorsitzende Richter Andreas Behrens das hohe Strafmaß. „Das war ein sehr sehr stückchenweises Rausrücken der Wahrheit.“ 

Kinder müssen befragt werden

Strafmindernd könne auch nicht gewertet werten, dass der 26-Jährige selbst seinen Begleiter benannt hatte, der ihn bei dem ruppig verlaufenen Besuch in einer Wohnung in Gevelndorf unterstützt hatte. Denn er habe diesen Zeugen für eine Falschaussage zu seinen Gunsten instrumentalisieren wollen. 

Bei den Richtern kam auch nicht gut an, dass sie die beiden 7- und 9-jährigen Kinder der Lebensgefährtin des Hauptbelastungszeugen zu dem Überfall hatten befragen müssen. Ihre Angaben hielten die Richter für sehr glaubwürdig. Die Neunjährige hatte erzählt, dass sie den angeblichen Diebstahl einer Playstation-Spielkonsole nicht gesehen hatte. 

Pfefferspray und Baseballschläger

Die Kinder hatten aber gewusst, dass der Angeklagte und sein Begleiter einen Baseballschläger zur Bekräftigung der erhobenen Geldforderung mitgebracht hatten. Die Richter gingen aber davon aus, dass der 29-jährige Hauptbelastungszeuge, der anfangs ebenfalls nicht die Wahrheit gesagt hatte, Pfefferspray gegen den Begleiter des Angeklagten eingesetzt hatte. 

Dieser war zunächst allein in die Wohnung gegangen, und war später mit dem Angeklagten und dem Baseballschläger zurückgekommen. Weil die angeblichen Schulden nicht eingetrieben werden konnten, nahmen die beiden Männer kurzerhand eine Keksdose mit mindestens 150 Gramm Marihuana mit.

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